Oktober 2026 -
Die Kapitalmärkte bewegen sich weiterhin in einem anspruchsvollen Umfeld ohne klare Richtung. Viele Marktteilnehmer hatten auf eine baldige Beruhigung des Irankonflikts, eine Öffnung der Straße von Hormus und sinkende Energiepreise gesetzt. Diese Erwartungen haben sich bislang nicht erfüllt. Lieferprobleme bei Benzin, Diesel und Heizöl wirken weiterhin inflationstreibend. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass grundsätzlich ausreichend Rohöl vorhanden ist. Nach Einschätzung von JP Morgan liegt die Exportmenge aus dem Nahen Osten trotz aller Spannungen nahezu wieder auf Vorkriegsniveau. Das führt noch nicht automatisch zu niedrigeren Preisen für raffinierte Produkte, aber sollte sich das Risiko weiterer Angriffe auf kritische Energieinfrastruktur reduzieren, wären die Voraussetzungen für eine spürbare Entspannung vorhanden.
Schuldenberge und Kapitalhunger im FokusDie durch höhere Energiepreise zurückgekehrte Inflation macht ein grundlegendes Problem sichtbar: die wachsende Staatsverschuldung. Während niedrige Zinsen die Finanzierung über Jahre er leichterten, zwingen steigende Inflationsraten die Notenbanken zu einem restriktiveren Kurs, auch in den USA. Der neue, eigentlich von Trump installierte, Fed-Chef Kevin Warsh nimmt seine Aufgabe als Inflationsbekämpfer ernst und erhöht das Zinsniveau. Das dürfte Washington wenig schmecken, denn das auf über 40 Billionen Dollar gestiegene Defizit belastet über höhere Refinanzierungskosten den Haushalt. Die Zinsen auf US-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit sind mit über 5 Prozent so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Für Anleger eröffnet das Chancen. Festverzinsliche Wertpapiere und attraktive Sparangebote ermöglichen wieder reale Erträge bei vergleichsweise moderatem Risiko. Auch wir nutzen diese Möglichkeiten, achten jedoch bewusst auf eine ausgewogene Struktur. Mit einer durchschnittlichen Laufzeit von unter vier Jahren bleiben wir in unseren klassischen Strategien flexibel, um auf Veränderungen reagieren zu können. Gleichzeitig behalten wir die Risiken im Blick. Dazu zählen mögliche Zweifel an der Stabilität von US-Staatsanleihen ebenso wie die Frage, ob die enormen KI-Investitionen tatsächlich die erwarteten Erträge erzielen. Viele Unternehmen benötigen erhebliche Mengen Kapital, und das wird inzwischen zum Teil auch von den boomenden Chipherstellern zur Verfügung gestellt. Ein System des sich quasi selbst stillenden Kapitalhungers wird jedoch nur funktionieren, wenn sich die Zukunftsvisionen als wirtschaftlich erfolgreich erweisen. Deshalb bleibt eine sorgfältige Auswahl entscheidend.
Fundamental Luft nach obenBei uns stehen eher die "Schaufelhersteller" des digitalen Goldrauschs als die großen Hyperscaler im Fokus. Der Ausbau von Rechenzentren, Halbleiterkapazitäten und digitaler Infrastruktur eröffnet weiterhin attraktive Wachstumschancen. Gleichzeitig sollte absehbar sein, dass die hohen Erwartungen auch in wirtschaftlichen Erfolg umgesetzt werden. Der Aktienmarkt bietet aus unserer Sicht insgesamt auch jenseits von KI interessante Möglichkeiten. Trotz des anspruchsvollen Umfelds haben sich viele Unternehmen als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. In zahlreichen Fällen sind die Gewinne stärker gestiegen als die Aktienkurse. Die aktuelle Marktentwicklung wird daher nicht allein von Hoffnungen getragen, sondern durch reale Ertragssteigerungen unterstützt. Ähnlich bewerten wir Gold. Es litt zuletzt unter steigenden Zinsen, strukturell sprechen jedoch viele Faktoren für eine anhaltende strategische Gewichtung. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Schuldenstände und erhöhte Inflationserwartungen machen Gold für uns zu einem wichtigen Stabilitätsbaustein innerhalb ausgewogener Portfolios.
Balance, Balance, Balance! Ist die Zukunft schwarz oder weiß? Für uns ist das die falsche Frage. Natürlich sehen wir die bestehenden Risiken, gleichzeitig erkennen wir aber auch zahlreiche Chancen. Positiv stimmt uns insbesondere die Konjunkturentwicklung. Weltweit zeigt sich die Wirtschaft widerstandsfähiger als erwartet. Trotz Handelskonflikten, geopolitischer Spannungen und politischer Unsicherheiten bleiben viele Wirtschaftsdaten stabil. Auch in Deutschland senden Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex seit Monaten leicht positive Signale. Die Stärken Deutschlands werden aus unserer Sicht häufig unterschätzt. Gelingt es, notwendige Strukturreformen umzusetzen und investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen zu schaffen, bieten Innovationskraft, technisches Know-how und die industrielle Basis weiterhin erhebliches Potenzial. Für die kommenden Monate bleiben Inflation, Zinsen, Energiepreise und geopolitische Entwicklungen die entscheidenden Einflussfaktoren. Eine nachhaltige Entspannung würde die Aufmerksamkeit der Märkte wieder stärker auf Konjunktur und Unternehmensgewinne lenken. Sollten die Energiepreise da gegen dauerhaft hoch bleiben, könnten Belastungen entstehen, die an das Jahr 2022 mit seiner Inflationsdynamik erinnern. Unser Fazit: Die Fundamentaldaten vieler Unternehmen sind intakt, die Weltwirtschaft zeigt sich bemerkenswert resilient und die Chancen technologischer Innovationen bleiben erheblich. Gleichzeitig er fordern geopolitische Unsicherheiten, hohe Schuldenstände und das Zinsumfeld einen disziplinierten Umgang mit Risiken. Genau dieses ausgewogene Verhältnis von Chancen und Risiken steht im Mittelpunkt unseres Anlageansatzes. Langfristige Wachstumspotenziale nutzen und zugleich die Widerstandsfähigkeit der Portfolios durch breite Diversifikation und eine stabile Balance sichern, das bleibt unser Weg für erfolgreiche Vermögensanlage im Sinne unserer Kunden.
