Schwerin (ots) -
Immer helfen, Konflikte vermeiden und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen: People-Pleasing wirkt nach außen häufig wie besondere Hilfsbereitschaft. Dahinter kann jedoch ein früh erlerntes Muster stecken. Wer als Kind beispielsweise erlebt, dass Anerkennung stark an Anpassung oder "Bravsein" geknüpft ist, eignet sich schnell an, die Erwartungen anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen Grenzen.
Kinder lernen sehr früh, welches Verhalten ihnen Nähe, Anerkennung oder Sicherheit bringt. Wenn sie dabei immer wieder die Erfahrung machen, dass Anpassung wichtiger ist als die eigenen Bedürfnisse, kann sich daraus ein Muster entwickeln, das sie bis ins Erwachsenenalter begleitet. In diesem Beitrag lesen Sie, wie People-Pleasing bereits in der Kindheit entstehen kann, welche gut gemeinten Verhaltensweisen von Eltern solche Muster begünstigen können und wie Kinder lernen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und auch einmal Nein zu sagen.
Wenn Anpassung Sicherheit verspricht
Hinter ständigem Ja-Sagen können unterschiedliche Motive stecken. Manche Menschen fürchten Konflikte. Sie haben eine große Angst, das Gegenüber zu enttäuschend oder sogar wütend zu machen, wenn sie Grenzen setzen. Andere haben schnell ein schlechtes Gewissen und empfinden eine gewisse Schuld, wenn sie die Wünsche einer anderen Person nicht erfüllen. Ihren Ursprung haben diese Reaktionen in einer "Unterwerfungsprägung". Damit ist ein inneres Programm gemeint, das bereits in der Kindheit seinen Ursprung hat.
Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Situation, sondern welche Erfahrungen ein Kind wiederholt im Umgang mit seinen Bedürfnissen und Grenzen macht. Wird ein Kind beispielsweise häufig laut zurechtgewiesen, ignoriert oder mit Liebesentzug bestraft, wenn es widerspricht oder eigene Wünsche äußert, kann es lernen: Anpassung ist sicherer als Widerstand. Um Konflikte und negative Reaktionen zu vermeiden, stellt es die eigenen Bedürfnisse zunehmend zurück. Im Erwachsenenalter kann sich das darin zeigen, dass die Person nur schwer Nein sagt oder sich intensiv damit beschäftigt, was andere von ihr erwarten.
Ein ähnliches Muster kann entstehen, wenn ein Kind früh viel Verantwortung übernimmt. Wächst es etwa in einem stark belasteten familiären Umfeld auf, kann es das Gefühl entwickeln, die Eltern nicht zusätzlich beanspruchen zu dürfen. Eigene Sorgen und Wünsche erscheinen dann weniger wichtig. Stattdessen richtet das Kind seine Aufmerksamkeit darauf, wie es anderen geht und was es tun kann, damit die Situation möglichst stabil bleibt.
Wenn das Gespür für andere die eigenen Bedürfnisse überlagert
Diese frühe Aufmerksamkeit für die Stimmung anderer kann später durchaus als ausgeprägte Empathie wahrgenommen werden. Betroffene registrieren mitunter sehr genau, wenn sich die Stimmung verändert oder ein Konflikt droht. Problematisch wird dieses Feingefühl vor allem dann, wenn die Wahrnehmung der anderen dauerhaft stärker ausgeprägt ist als die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse.
Dann kann es zunehmend schwerfallen, überhaupt zu erkennen, was man selbst möchte. Betroffene investieren beispielsweise viel Zeit und Energie in Beziehungen, übernehmen Aufgaben oder stimmen Dingen zu, obwohl sie eigentlich keine Kapazitäten dafür haben. Bleibt die erhoffte Wertschätzung aus, können Enttäuschung und Frustration entstehen. Gleichzeitig kann wiederum das Gefühl aufkommen, mit den eigenen Erwartungen zu viel zu verlangen.
Kinder dürfen erleben, dass ein Nein in Ordnung ist
Eltern und andere Bezugspersonen können dazu beitragen, dass Kinder einen gesunden Umgang mit ihren Grenzen entwickeln. Dafür müssen sie nicht jeden Wunsch erfüllen. Entscheidend ist vielmehr, wie sie damit umgehen, wenn ein Kind eine andere Meinung äußert, widerspricht oder etwas nicht möchte.
Ein Kind kann beispielsweise erfahren, dass seine Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden, auch wenn eine Grenze der Eltern bestehen bleibt. Ebenso wichtig ist die Erfahrung, dass Zuneigung nicht davon abhängt, immer unkompliziert, hilfsbereit oder "brav" zu sein. So kann es lernen, dass unterschiedliche Bedürfnisse und kleinere Konflikte Beziehungen nicht automatisch gefährden.
Auch Erwachsene, die bei sich selbst starkes People-Pleasing bemerken, können zunächst beobachten, in welchen Situationen ihnen ein Nein besonders schwerfällt und welche Befürchtung dahintersteht. Das Ziel besteht nicht darin, weniger empathisch oder hilfsbereit zu werden. Vielmehr geht es darum, neben den Bedürfnissen anderer auch die eigenen wahrzunehmen. Denn Rücksichtnahme und persönliche Grenzen schließen sich nicht aus.
Über Ramón Schlemmbach:
Ramón Schlemmbach ist klinischer Psychologe (M.Sc.), systemischer Paartherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie. Mit seinem Coaching-Programm "Geprägt! Aber richtig" unterstützt er Erwachsene dabei, emotionale Altlasten aus der Kindheit zu erkennen und nachhaltig zu verändern. Durch seine strukturierte Online-Arbeit hat er bereits über 1.300 Klient*innen geholfen, ein erfüllteres Leben zu führen. Mehr Informationen unter: https://ramon-schlemmbach.de/
Pressekontakt:
Ruben Schäfer
E-Mail: redaktion@dcfverlag.de
Schlemmbach Coaching GmbH
Vertreten durch: Ramón Schlemmbach
https://ramon-schlemmbach.de/
Original-Content von: Schlemmbach Coaching GmbH, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/180106/6369942
Immer helfen, Konflikte vermeiden und die eigenen Bedürfnisse zurückstellen: People-Pleasing wirkt nach außen häufig wie besondere Hilfsbereitschaft. Dahinter kann jedoch ein früh erlerntes Muster stecken. Wer als Kind beispielsweise erlebt, dass Anerkennung stark an Anpassung oder "Bravsein" geknüpft ist, eignet sich schnell an, die Erwartungen anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen Grenzen.
Kinder lernen sehr früh, welches Verhalten ihnen Nähe, Anerkennung oder Sicherheit bringt. Wenn sie dabei immer wieder die Erfahrung machen, dass Anpassung wichtiger ist als die eigenen Bedürfnisse, kann sich daraus ein Muster entwickeln, das sie bis ins Erwachsenenalter begleitet. In diesem Beitrag lesen Sie, wie People-Pleasing bereits in der Kindheit entstehen kann, welche gut gemeinten Verhaltensweisen von Eltern solche Muster begünstigen können und wie Kinder lernen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu setzen und auch einmal Nein zu sagen.
Wenn Anpassung Sicherheit verspricht
Hinter ständigem Ja-Sagen können unterschiedliche Motive stecken. Manche Menschen fürchten Konflikte. Sie haben eine große Angst, das Gegenüber zu enttäuschend oder sogar wütend zu machen, wenn sie Grenzen setzen. Andere haben schnell ein schlechtes Gewissen und empfinden eine gewisse Schuld, wenn sie die Wünsche einer anderen Person nicht erfüllen. Ihren Ursprung haben diese Reaktionen in einer "Unterwerfungsprägung". Damit ist ein inneres Programm gemeint, das bereits in der Kindheit seinen Ursprung hat.
Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Situation, sondern welche Erfahrungen ein Kind wiederholt im Umgang mit seinen Bedürfnissen und Grenzen macht. Wird ein Kind beispielsweise häufig laut zurechtgewiesen, ignoriert oder mit Liebesentzug bestraft, wenn es widerspricht oder eigene Wünsche äußert, kann es lernen: Anpassung ist sicherer als Widerstand. Um Konflikte und negative Reaktionen zu vermeiden, stellt es die eigenen Bedürfnisse zunehmend zurück. Im Erwachsenenalter kann sich das darin zeigen, dass die Person nur schwer Nein sagt oder sich intensiv damit beschäftigt, was andere von ihr erwarten.
Ein ähnliches Muster kann entstehen, wenn ein Kind früh viel Verantwortung übernimmt. Wächst es etwa in einem stark belasteten familiären Umfeld auf, kann es das Gefühl entwickeln, die Eltern nicht zusätzlich beanspruchen zu dürfen. Eigene Sorgen und Wünsche erscheinen dann weniger wichtig. Stattdessen richtet das Kind seine Aufmerksamkeit darauf, wie es anderen geht und was es tun kann, damit die Situation möglichst stabil bleibt.
Wenn das Gespür für andere die eigenen Bedürfnisse überlagert
Diese frühe Aufmerksamkeit für die Stimmung anderer kann später durchaus als ausgeprägte Empathie wahrgenommen werden. Betroffene registrieren mitunter sehr genau, wenn sich die Stimmung verändert oder ein Konflikt droht. Problematisch wird dieses Feingefühl vor allem dann, wenn die Wahrnehmung der anderen dauerhaft stärker ausgeprägt ist als die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse.
Dann kann es zunehmend schwerfallen, überhaupt zu erkennen, was man selbst möchte. Betroffene investieren beispielsweise viel Zeit und Energie in Beziehungen, übernehmen Aufgaben oder stimmen Dingen zu, obwohl sie eigentlich keine Kapazitäten dafür haben. Bleibt die erhoffte Wertschätzung aus, können Enttäuschung und Frustration entstehen. Gleichzeitig kann wiederum das Gefühl aufkommen, mit den eigenen Erwartungen zu viel zu verlangen.
Kinder dürfen erleben, dass ein Nein in Ordnung ist
Eltern und andere Bezugspersonen können dazu beitragen, dass Kinder einen gesunden Umgang mit ihren Grenzen entwickeln. Dafür müssen sie nicht jeden Wunsch erfüllen. Entscheidend ist vielmehr, wie sie damit umgehen, wenn ein Kind eine andere Meinung äußert, widerspricht oder etwas nicht möchte.
Ein Kind kann beispielsweise erfahren, dass seine Gefühle und Bedürfnisse ernst genommen werden, auch wenn eine Grenze der Eltern bestehen bleibt. Ebenso wichtig ist die Erfahrung, dass Zuneigung nicht davon abhängt, immer unkompliziert, hilfsbereit oder "brav" zu sein. So kann es lernen, dass unterschiedliche Bedürfnisse und kleinere Konflikte Beziehungen nicht automatisch gefährden.
Auch Erwachsene, die bei sich selbst starkes People-Pleasing bemerken, können zunächst beobachten, in welchen Situationen ihnen ein Nein besonders schwerfällt und welche Befürchtung dahintersteht. Das Ziel besteht nicht darin, weniger empathisch oder hilfsbereit zu werden. Vielmehr geht es darum, neben den Bedürfnissen anderer auch die eigenen wahrzunehmen. Denn Rücksichtnahme und persönliche Grenzen schließen sich nicht aus.
Über Ramón Schlemmbach:
Ramón Schlemmbach ist klinischer Psychologe (M.Sc.), systemischer Paartherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie. Mit seinem Coaching-Programm "Geprägt! Aber richtig" unterstützt er Erwachsene dabei, emotionale Altlasten aus der Kindheit zu erkennen und nachhaltig zu verändern. Durch seine strukturierte Online-Arbeit hat er bereits über 1.300 Klient*innen geholfen, ein erfüllteres Leben zu führen. Mehr Informationen unter: https://ramon-schlemmbach.de/
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Ruben Schäfer
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Schlemmbach Coaching GmbH
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