Künzelsau (ots) -
Sechs Wochen kürzere Bauzeit, bis zu 80 Prozent weniger Stahl in Trockenbauwänden und Umweltproduktdeklarationen in rund zwei Wochen statt bislang sechs bis zwölf Monaten: Beim Innovations-Forum Baden-Württemberg in Künzelsau haben 12 Unternehmen gezeigt, wie sich Bauen und Sanieren schon heute beschleunigen, vereinfachen und klimaverträglicher gestalten lassen. Die vorgestellten Verfahren reichen von der digitalen Bestandsaufnahme und regelbasierten Planung über die Vorfertigung im Werk bis zu neuen Materialien und automatisierter Ökobilanzierung. Alle Kennzahlen beruhen auf Angaben der Unternehmen.
Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die für die Bau- und Wohnungswirtschaft zunehmend entscheidend wird: Wie gelangen vorhandene Innovationen aus einzelnen Referenzprojekten in die breite Anwendung? Darauf zielte das vierte Forum der Innovations-Offensive 2026 von Neues Bauen - 80 Sekunden und dem dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE im Carmen Würth Forum. Hersteller und Wohnungsunternehmen arbeiteten dort an konkreten Wegen in die Umsetzung.
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, sieht in der Tradition des Landes einen Ansatzpunkt:
"Die Baukosten treiben die ganze Branche um und belasten diejenigen, die bauen möchten. Die Kosten beim Bau entscheiden mit darüber, ob Wohnungen bezahlbar bleiben und ob Bauvorhaben zustande kommen. Deshalb müssen wir einfacher, schneller und verlässlicher bauen und sanieren. Digitale Planung und vorgefertigte Bauteile können Wartezeiten verkürzen, Abläufe besser planbar machen und Kosten senken. Gute Lösungen dürfen nicht in einzelnen Pilotprojekten stecken bleiben. Dafür braucht es den Austausch zwischen Bauwirtschaft und Wohnungsunternehmen. Genau darin liegt die Stärke dieses Forums: Es bringt kluge Köpfe zusammen, damit aus Innovationen wiederholbare Praxis wird."
Würth war an diesem Tag mehr als Gastgeber: Das Unternehmen war im Beirat vertreten, der die Verfahren kommentierte, und stellte mit RELAST selbst eines der Verfahren vor. Welche Rolle ein Hersteller und Händler in der Bauwende einnehmen kann, beschreibt Jens Neumann, Mitglied der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG:
"Es geht heute um weit mehr als nur um ein qualitativ hochwertiges Produkt - es geht um die Schnittstellen: zwischen Herstellern und Handwerk, zwischen Planung und Ausführung und zwischen einzelnen Gewerken. Diese Verbindungen müssen funktionieren, damit neue Bauweisen im Arbeitsalltag verlässlich eingesetzt werden können. Als Verbindungsspezialist verstehen wir uns dabei als Brücke: Wir verbinden neue Verfahren mit den passenden Produkten, digitalen Informationen und Lösungen, die im Arbeitsalltag des Handwerks funktionieren."
Zeit gewinnen in Planung und Bestand
Viel Zeit geht verloren, bevor die Baustelle beginnt: Die Erfassung des Bestands ist aufwendig, und Planungen werden häufig erst nachträglich gegen Regeln und Normen geprüft. Den ersten Schritt beschleunigen digitale Gebäudemodelle aus dem Bestand, wie sie bimeto erstellt. Entsteht die Planung von Beginn an innerhalb fester Regeln, liegen normgerechte Varianten samt Flächen-, Mengen- und Kostenkennwerten binnen Minuten vor; neoBIM stützt sich dafür bei Logistikimmobilien auf mehr als 700 hinterlegte Planungsregeln. Auch im Bestand lässt sich Bauzeit sparen: Statt Betontragwerke zurückzubauen oder zu ersetzen, verstärkt Würth sie mit RELAST über eine Verbundankerschraube, die von einer Seite eingebaut wird, sofort belastbar ist und Arbeiten im laufenden Betrieb erlaubt.
Günstiger durch einfachere Abläufe
Kosten stecken nicht nur im Material, sondern auch in Wartezeiten und im Aufwand vor der Planung. Im Trockenbau lassen sich bis zu 80 Prozent des Stahls einer Wandkonstruktion ersetzen, wenn Profile aus 87,9 Prozent recyceltem Zellstoff zum Einsatz kommen. SORIWA hat dafür ein Multi-Profil entwickelt, das mehrere herkömmliche Profiltypen ersetzt und sich mit den bekannten Werkzeugen verarbeiten lässt. Bei der Abdichtung von Bädern entfallen die üblichen Wartezeiten vor dem Fliesenlegen, wenn die Bahn rückseitig selbstklebend ist wie bei DryXpress von Faktum Industries; bei seriellen und modularen Vorhaben summiert sich dieser Vorteil. Die Bestandsgrundlage für Sanierung, Umbau und Aufstockung, deren Beschaffung Zeit und Fachkräfte bindet, erstellt 1000hands per 3D-Laserscanning standardisiert als Grundrisse, CAD-Pläne und BIM-Modelle, bis hin zu Portfolios mit rund 1,5 Millionen Quadratmetern Bruttogrundfläche.
Vom Strohmodul bis zum Fertigfenster
Klimaneutrales Bauen und Sanieren beginnt beim Material und bei belastbaren Daten. Palea Vita will mit einem Holz-Stroh-Modulsystem für den seriellen Wohnungsbau graue Energie vermeiden und Kohlenstoff dauerhaft im Gebäude binden. Für die Sanierung, möglichst im bewohnten Zustand, erfasst greeenNXT Gebäude per 3D-Scan als digitalen Zwilling und fertigt passgenaue Fassaden- und Dachelemente aus Holz. Umweltproduktdeklarationen, die Datengrundlage für Gebäudeökobilanzen, benötigten bislang sechs bis zwölf Monate; mit der Plattform von Emidat sind es etwa zwei Wochen. Wie viel ein besser organisierter Bauablauf bringt, zeigt WINDOWMENT von Beck + Heun: Fenster, Beschattung, Antrieb, Führungsschienen und Fensterbank kommen als fertiges Modul auf die Baustelle. Das Gebäude ist früher geschlossen, und bei einem Referenzprojekt in Potsdam verkürzte sich die Bauzeit um sechs Wochen.
Als Wildcards hatte der Beirat zusätzlich Valoon und LCM Digital gesetzt.
Vom Referenzprojekt zur Wiederholung
Die Abstimmungen im Saal entschieden in den drei Themenfeldern neoBIM für schnelleres, SORIWA für preiswerteres und Palea Vita für klimaneutrales Bauen und Sanieren. Wie diese Verfahren in Serie auf die Baustellen gelangen, stand im Zentrum der Tischrunden, in denen Innovatoren und Wohnungsunternehmen an konkreten Vorhaben arbeiteten. Begleitet wurden sie von Paten aus einem Beirat aus Wissenschaft, Herstellern und Wohnungswirtschaft.
Für die dena beginnt diese Wiederholung bei den Häusern, die schon stehen. "Serielles Sanieren hat seine Reife in vielen Projekten bewiesen. Unsere Aufgabe ist es, diese Erfahrungen in die Breite zu tragen, damit es vom Pilotvorhaben zum Regelfall im Gebäudebestand wird", so Uwe Bigalke, Leiter des dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE.
Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen - 80 Sekunden, weitet diesen Gedanken auf die gesamte Bauwende: "Nach vier Foren steht fest: Die Bauwende kann gelingen. Die Verfahren liegen vor, viele sind bereits gebaut. Entscheidend ist nun der Schritt vom Referenzprojekt zur Wiederholung, und den gehen Hersteller und Wohnungsunternehmen gemeinsam."
Nächste Stationen
Die Innovations-Offensive 2026, in der bislang 53 marktreife Verfahren vorgestellt wurden, wird am 17. November in Thüringen bei Viega in Großheringen unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Mario Voigt fortgesetzt. Am 23. November folgt das Forum Bayern bei Goldbeck in München mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Bewerbungen für Thüringen sind bis zum 16. Oktober möglich: https://80-sekunden.de/innovations-foren/
Pressekontakt:
Hannah-Louisa Hochbaum
+49 178 183 10 89
presse@digitalis365.com
Original-Content von: Neues Bauen - 80 Sekunden, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/174589/6370815
Sechs Wochen kürzere Bauzeit, bis zu 80 Prozent weniger Stahl in Trockenbauwänden und Umweltproduktdeklarationen in rund zwei Wochen statt bislang sechs bis zwölf Monaten: Beim Innovations-Forum Baden-Württemberg in Künzelsau haben 12 Unternehmen gezeigt, wie sich Bauen und Sanieren schon heute beschleunigen, vereinfachen und klimaverträglicher gestalten lassen. Die vorgestellten Verfahren reichen von der digitalen Bestandsaufnahme und regelbasierten Planung über die Vorfertigung im Werk bis zu neuen Materialien und automatisierter Ökobilanzierung. Alle Kennzahlen beruhen auf Angaben der Unternehmen.
Damit rückt eine Frage in den Vordergrund, die für die Bau- und Wohnungswirtschaft zunehmend entscheidend wird: Wie gelangen vorhandene Innovationen aus einzelnen Referenzprojekten in die breite Anwendung? Darauf zielte das vierte Forum der Innovations-Offensive 2026 von Neues Bauen - 80 Sekunden und dem dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE im Carmen Würth Forum. Hersteller und Wohnungsunternehmen arbeiteten dort an konkreten Wegen in die Umsetzung.
Theresa Schopper, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, sieht in der Tradition des Landes einen Ansatzpunkt:
"Die Baukosten treiben die ganze Branche um und belasten diejenigen, die bauen möchten. Die Kosten beim Bau entscheiden mit darüber, ob Wohnungen bezahlbar bleiben und ob Bauvorhaben zustande kommen. Deshalb müssen wir einfacher, schneller und verlässlicher bauen und sanieren. Digitale Planung und vorgefertigte Bauteile können Wartezeiten verkürzen, Abläufe besser planbar machen und Kosten senken. Gute Lösungen dürfen nicht in einzelnen Pilotprojekten stecken bleiben. Dafür braucht es den Austausch zwischen Bauwirtschaft und Wohnungsunternehmen. Genau darin liegt die Stärke dieses Forums: Es bringt kluge Köpfe zusammen, damit aus Innovationen wiederholbare Praxis wird."
Würth war an diesem Tag mehr als Gastgeber: Das Unternehmen war im Beirat vertreten, der die Verfahren kommentierte, und stellte mit RELAST selbst eines der Verfahren vor. Welche Rolle ein Hersteller und Händler in der Bauwende einnehmen kann, beschreibt Jens Neumann, Mitglied der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG:
"Es geht heute um weit mehr als nur um ein qualitativ hochwertiges Produkt - es geht um die Schnittstellen: zwischen Herstellern und Handwerk, zwischen Planung und Ausführung und zwischen einzelnen Gewerken. Diese Verbindungen müssen funktionieren, damit neue Bauweisen im Arbeitsalltag verlässlich eingesetzt werden können. Als Verbindungsspezialist verstehen wir uns dabei als Brücke: Wir verbinden neue Verfahren mit den passenden Produkten, digitalen Informationen und Lösungen, die im Arbeitsalltag des Handwerks funktionieren."
Zeit gewinnen in Planung und Bestand
Viel Zeit geht verloren, bevor die Baustelle beginnt: Die Erfassung des Bestands ist aufwendig, und Planungen werden häufig erst nachträglich gegen Regeln und Normen geprüft. Den ersten Schritt beschleunigen digitale Gebäudemodelle aus dem Bestand, wie sie bimeto erstellt. Entsteht die Planung von Beginn an innerhalb fester Regeln, liegen normgerechte Varianten samt Flächen-, Mengen- und Kostenkennwerten binnen Minuten vor; neoBIM stützt sich dafür bei Logistikimmobilien auf mehr als 700 hinterlegte Planungsregeln. Auch im Bestand lässt sich Bauzeit sparen: Statt Betontragwerke zurückzubauen oder zu ersetzen, verstärkt Würth sie mit RELAST über eine Verbundankerschraube, die von einer Seite eingebaut wird, sofort belastbar ist und Arbeiten im laufenden Betrieb erlaubt.
Günstiger durch einfachere Abläufe
Kosten stecken nicht nur im Material, sondern auch in Wartezeiten und im Aufwand vor der Planung. Im Trockenbau lassen sich bis zu 80 Prozent des Stahls einer Wandkonstruktion ersetzen, wenn Profile aus 87,9 Prozent recyceltem Zellstoff zum Einsatz kommen. SORIWA hat dafür ein Multi-Profil entwickelt, das mehrere herkömmliche Profiltypen ersetzt und sich mit den bekannten Werkzeugen verarbeiten lässt. Bei der Abdichtung von Bädern entfallen die üblichen Wartezeiten vor dem Fliesenlegen, wenn die Bahn rückseitig selbstklebend ist wie bei DryXpress von Faktum Industries; bei seriellen und modularen Vorhaben summiert sich dieser Vorteil. Die Bestandsgrundlage für Sanierung, Umbau und Aufstockung, deren Beschaffung Zeit und Fachkräfte bindet, erstellt 1000hands per 3D-Laserscanning standardisiert als Grundrisse, CAD-Pläne und BIM-Modelle, bis hin zu Portfolios mit rund 1,5 Millionen Quadratmetern Bruttogrundfläche.
Vom Strohmodul bis zum Fertigfenster
Klimaneutrales Bauen und Sanieren beginnt beim Material und bei belastbaren Daten. Palea Vita will mit einem Holz-Stroh-Modulsystem für den seriellen Wohnungsbau graue Energie vermeiden und Kohlenstoff dauerhaft im Gebäude binden. Für die Sanierung, möglichst im bewohnten Zustand, erfasst greeenNXT Gebäude per 3D-Scan als digitalen Zwilling und fertigt passgenaue Fassaden- und Dachelemente aus Holz. Umweltproduktdeklarationen, die Datengrundlage für Gebäudeökobilanzen, benötigten bislang sechs bis zwölf Monate; mit der Plattform von Emidat sind es etwa zwei Wochen. Wie viel ein besser organisierter Bauablauf bringt, zeigt WINDOWMENT von Beck + Heun: Fenster, Beschattung, Antrieb, Führungsschienen und Fensterbank kommen als fertiges Modul auf die Baustelle. Das Gebäude ist früher geschlossen, und bei einem Referenzprojekt in Potsdam verkürzte sich die Bauzeit um sechs Wochen.
Als Wildcards hatte der Beirat zusätzlich Valoon und LCM Digital gesetzt.
Vom Referenzprojekt zur Wiederholung
Die Abstimmungen im Saal entschieden in den drei Themenfeldern neoBIM für schnelleres, SORIWA für preiswerteres und Palea Vita für klimaneutrales Bauen und Sanieren. Wie diese Verfahren in Serie auf die Baustellen gelangen, stand im Zentrum der Tischrunden, in denen Innovatoren und Wohnungsunternehmen an konkreten Vorhaben arbeiteten. Begleitet wurden sie von Paten aus einem Beirat aus Wissenschaft, Herstellern und Wohnungswirtschaft.
Für die dena beginnt diese Wiederholung bei den Häusern, die schon stehen. "Serielles Sanieren hat seine Reife in vielen Projekten bewiesen. Unsere Aufgabe ist es, diese Erfahrungen in die Breite zu tragen, damit es vom Pilotvorhaben zum Regelfall im Gebäudebestand wird", so Uwe Bigalke, Leiter des dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren / Energiesprong DE.
Robert Kroth, Geschäftsführer von Neues Bauen - 80 Sekunden, weitet diesen Gedanken auf die gesamte Bauwende: "Nach vier Foren steht fest: Die Bauwende kann gelingen. Die Verfahren liegen vor, viele sind bereits gebaut. Entscheidend ist nun der Schritt vom Referenzprojekt zur Wiederholung, und den gehen Hersteller und Wohnungsunternehmen gemeinsam."
Nächste Stationen
Die Innovations-Offensive 2026, in der bislang 53 marktreife Verfahren vorgestellt wurden, wird am 17. November in Thüringen bei Viega in Großheringen unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Mario Voigt fortgesetzt. Am 23. November folgt das Forum Bayern bei Goldbeck in München mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Bewerbungen für Thüringen sind bis zum 16. Oktober möglich: https://80-sekunden.de/innovations-foren/
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