GÜTERSLOH (dpa-AFX) - Die Träger von Kindertageseinrichtungen machen aus Sicht von Kita-Leitungen nicht selten Kompromisse, wenn es bei der Einstellung von Personal um die Qualifikation geht. Das geht aus einer bundesweiten Befragung von fast 4.800 Kita-Leitungskräften im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Knapp 23 Prozent unter ihnen gaben an, dass manche oder sogar alle ausgeschriebenen Stellen der vergangenen zwölf Monate nicht dem Qualifikationsniveau entsprachen, das die Kita brauche.
Träger spielen zentrale Rolle im Kita-System
Kita-Träger - etwa Kommunen, Kirchengemeinden, gemeinnützige Vereine oder auch Elterninitiativen - spielen eine wichtige Rolle im System der frühkindlichen Bildung. Sie sind rechtlich, finanziell und organisatorisch für den Kita-Betrieb verantwortlich. Dazu gehört die Einstellung oder Weiterbildung von Personal.
Dabei ist laut Stiftung ein enges Zusammenspiel mit den Leitungen wichtig. Die Ergebnisse legten nun aber nahe, dass es in der Personal-Abstimmung zwischen Träger und Leitungskräften oft zu Unklarheiten und Widersprüchen komme. So ergab die von der Uni Gießen im Herbst 2025 durchgeführte Umfrage, dass etwa jede zehnte Leitung meint, der Träger habe auch Personal eingestellt, das für die Arbeit mit Kindern und im Kita-Team nicht geeignet sei.
Kompromisse, um den Kita-Betrieb aufrechtzuerhalten
Konkret nach der Art der Kompromisse befragt, nannten Leitungskräfte häufig, dass diese bei den Neueinstellungen in Bezug auf fachliches Wissen, Eignung oder der Fähigkeit zur Selbstreflexion eingegangen worden seien. Die große Mehrheit der Leitungen geht laut Studie davon aus, dass Träger mit diesen Kompromissen das vorhandene Personal entlasten und das Betreuungsangebot aufrechterhalten wollen.
Weiterbildung ist bedeutend
Für das Kindeswohl in Kitas sind geeignetes Personal, eine gemeinsame pädagogische Grundhaltung und funktionierende Teamprozesse bedeutend, betonte die Stiftung. Vielerorts sinken die Fachkraft-Quoten, die Einstellung von Quereinsteigern aus anderen Berufsgruppen nimmt zu - umso wichtiger sei Weiterbildung. Diese finde aber nicht häufig genug statt, so die Analyse.
Je öfter der Träger Weiterbildungen veranlasse und deren Wirkung überprüfe, desto besser könnten Kinder begleitet, gefördert und vor unangemessenem Verhalten des Personals geschützt werden, erläuterte die Stiftung weiter. Die Träger-Verantwortung ende nicht mit der Besetzung einer offenen Stelle. Es habe sich zudem gezeigt, dass Träger den Leitungen Anstellungsentscheidungen auch oft alleinig überlassen, obwohl sie selbst rechtlich dafür verantwortlich seien.
Viele Leitungskräfte wünschten sich eine aktivere Träger-Rolle und einen intensiveren Austausch, bilanzierte die Stiftung./wa/DP/zb
