Bonn (ots) -
Vom 7. bis 14. Oktober 2026 hat auf Einladung von Papst Leo XIV. ein Treffen aller Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit stattgefunden. Es befasste sich mit aktuellen Fragen von Ehe und Familie. Papst Leo XIV. hatte als Anlass den zehnten Jahrestag der Veröffentlichung des Nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" gewählt. Zum Abschluss des Bischofstreffens erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer:
"Mit großer Dankbarkeit und vielen bewegenden Eindrücken kehre ich aus diesen Tagen in Rom zurück nach Deutschland. Zunächst bin ich Papst Leo XIV. dankbar, dass er uns zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia zu diesem Treffen eingeladen hat, um gemeinsam über die aktuellen und neuen Herausforderungen für Ehe und Familie nachzudenken. Und natürlich sind meine Gedanken und Gebete bei ihm: Wie ein Blitz schlug die Meldung am vergangenen Sonntag ein, dass er sich einer Lungenoperation unterziehen müsse. In der Versammlung der Bischöfe haben wir für ihn gebetet und ich bin froh, dass die Operation am Dienstag gut verlaufen ist.
Eindrücklich waren die Gespräche in meiner italienischsprachigen Arbeitsgruppe. Mit zwei Bischöfen aus China und je einem Bischof aus der Mongolei, aus Polen, Mexiko, Kroatien, Bulgarien, Slowenien, Griechenland und Italien sowie mit dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie Ehe und Familie in ganz unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen gelebt werden. Die Herausforderungen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Gerade deshalb war es spannend, voneinander zu hören und miteinander im Dialog zu sein.
Es ist gut, dass bei unserem Treffen die Familie hoch geschätzt und gewürdigt wurde. Wir sind dankbar für das lebendige Glaubenszeugnis der Familien. Wir haben gehört, wie wichtig die Familie für die Erstverkündigung des Evangeliums ist und bleibt. Gerade weil lebendige Partnerschaften ein hohes Engagement erfordern und die Erziehung der Kinder eine kontinuierliche Herausforderung bildet, wissen wir dies zu schätzen. Die Großeltern sind oft jene, die heute für die Glaubensweitergabe so wichtig sind. Aber auch die Kinder in den Familien sind es selbst: In den katholischen Kindergärten lernen sie etwas von Bibel, Glaube und den Kirchenfesten und tragen diese Erfahrungen oft in die Familien hinein. Besonders wichtig waren die Zeugnisse, die uns gezeigt haben, dass das Leben in Beziehungen nach wie vor hoch im Kurs ist. Sehr gefreut habe ich mich über die Zeichen von Solidarität für Kinder aus prekären Familien. Gerade der Einsatz von Kindern für Kinder in der Welt, der durch das Kindermissionswerk (Die Sternsinger) ermöglicht wird, ist ein mehrfach gelobtes Beispiel, dass Solidarität kein theoretischer Begriff ist. Bei unseren Diskussionen wurde auch deutlich, dass es einer vertieften Befassung mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils bedarf, gerade mit Blick auf jene Dokumente, die die Familie und Glaubensweitergabe und die Heilige Schrift zum Thema haben.
Bei unserer Zusammenkunft wurden gleichzeitig die Fragen nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und ihrer Zulassung zur Kommunion kontrovers diskutiert. Hier wurden unterschiedliche Auffassungen über das Verhältnis zwischen kirchenrechtlichen Regelungen und den pastoralen Perspektiven von Amoris laetitia deutlich. Diese Fragen bleiben eine Herausforderung. Ein wichtiges Anliegen war es mir, auch auf Gewalt innerhalb von Familien hinzuweisen: Gewalt gegen Frauen, bis hin zu Femiziden, ist eine erschütternde Realität, die wir nicht ausblenden dürfen, wenn wir über Ehe und Familie sprechen. Die Kirche nimmt hier eine klare Haltung ein und setzt sich entschieden für den Schutz der Betroffenen ein.
Dankbar bin ich den Paaren aus dem Bistum Münster, mit denen ich mich im Vorfeld des Treffens austauschen durfte und die mich auf diese Tage in Rom vorbereitet haben. Ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen habe ich in meine Beiträge eingebracht. Mein Dank gilt ebenso dem Familienbund der Katholiken und allen, die mir ihre Einschätzungen und fachlichen Anregungen mit auf den Weg gegeben haben. Sie alle haben dazu beigetragen, dass ich die Lebenswirklichkeit von Familien in Deutschland möglichst konkret in die weltkirchlichen Gespräche einbringen konnte.
Aus Rom nehme ich viele Anregungen und offene Fragen mit. Als Kirche wollen wir nicht nur Antworten für Familien finden, sondern bereit sein, von ihnen zu lernen. Denn gerade in ihrem Alltag, in ihrer Liebe, in ihren Konflikten und in ihrer Versöhnung wird sichtbar, was Amoris laetitia uns vor zehn Jahren mit auf den Weg gegeben hat. Wir wollen genau hinschauen, zuhören und auch schwierige Lebenssituationen offen ansprechen. Die Begegnungen mit den Bischöfen und Ehepaaren aus aller Welt haben mir gezeigt, wie wichtig das ist. Amoris laetitia bleibt auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung wegweisend für die Pastoral von Partnerschaft, Ehe und Familie."
Hinweis:
Die Broschüre Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie kann unter www.dbk.de in der Rubrik Publikationen (https://www.dbk-shop.de/de/publikationen/verlautbarungen-apostolischen-stuhls/nachsynodales-apostolisches-schreiben-amoris-laetitia-heiligen-vaters-papst-franziskus-liebe-familie.html)bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden. Sie ist erschienen in der Reihe Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls (Nr. 204).
Pressekontakt:
Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz
Pressestelle/Öffentlichkeitsarbeit
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
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Postfach 29 62
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Vom 7. bis 14. Oktober 2026 hat auf Einladung von Papst Leo XIV. ein Treffen aller Vorsitzenden der Bischofskonferenzen weltweit stattgefunden. Es befasste sich mit aktuellen Fragen von Ehe und Familie. Papst Leo XIV. hatte als Anlass den zehnten Jahrestag der Veröffentlichung des Nachsynodalen Schreibens "Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie" gewählt. Zum Abschluss des Bischofstreffens erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heiner Wilmer:
"Mit großer Dankbarkeit und vielen bewegenden Eindrücken kehre ich aus diesen Tagen in Rom zurück nach Deutschland. Zunächst bin ich Papst Leo XIV. dankbar, dass er uns zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia zu diesem Treffen eingeladen hat, um gemeinsam über die aktuellen und neuen Herausforderungen für Ehe und Familie nachzudenken. Und natürlich sind meine Gedanken und Gebete bei ihm: Wie ein Blitz schlug die Meldung am vergangenen Sonntag ein, dass er sich einer Lungenoperation unterziehen müsse. In der Versammlung der Bischöfe haben wir für ihn gebetet und ich bin froh, dass die Operation am Dienstag gut verlaufen ist.
Eindrücklich waren die Gespräche in meiner italienischsprachigen Arbeitsgruppe. Mit zwei Bischöfen aus China und je einem Bischof aus der Mongolei, aus Polen, Mexiko, Kroatien, Bulgarien, Slowenien, Griechenland und Italien sowie mit dem Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre haben wir gemeinsam darüber gesprochen, wie Ehe und Familie in ganz unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhängen gelebt werden. Die Herausforderungen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Gerade deshalb war es spannend, voneinander zu hören und miteinander im Dialog zu sein.
Es ist gut, dass bei unserem Treffen die Familie hoch geschätzt und gewürdigt wurde. Wir sind dankbar für das lebendige Glaubenszeugnis der Familien. Wir haben gehört, wie wichtig die Familie für die Erstverkündigung des Evangeliums ist und bleibt. Gerade weil lebendige Partnerschaften ein hohes Engagement erfordern und die Erziehung der Kinder eine kontinuierliche Herausforderung bildet, wissen wir dies zu schätzen. Die Großeltern sind oft jene, die heute für die Glaubensweitergabe so wichtig sind. Aber auch die Kinder in den Familien sind es selbst: In den katholischen Kindergärten lernen sie etwas von Bibel, Glaube und den Kirchenfesten und tragen diese Erfahrungen oft in die Familien hinein. Besonders wichtig waren die Zeugnisse, die uns gezeigt haben, dass das Leben in Beziehungen nach wie vor hoch im Kurs ist. Sehr gefreut habe ich mich über die Zeichen von Solidarität für Kinder aus prekären Familien. Gerade der Einsatz von Kindern für Kinder in der Welt, der durch das Kindermissionswerk (Die Sternsinger) ermöglicht wird, ist ein mehrfach gelobtes Beispiel, dass Solidarität kein theoretischer Begriff ist. Bei unseren Diskussionen wurde auch deutlich, dass es einer vertieften Befassung mit den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils bedarf, gerade mit Blick auf jene Dokumente, die die Familie und Glaubensweitergabe und die Heilige Schrift zum Thema haben.
Bei unserer Zusammenkunft wurden gleichzeitig die Fragen nach dem Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und ihrer Zulassung zur Kommunion kontrovers diskutiert. Hier wurden unterschiedliche Auffassungen über das Verhältnis zwischen kirchenrechtlichen Regelungen und den pastoralen Perspektiven von Amoris laetitia deutlich. Diese Fragen bleiben eine Herausforderung. Ein wichtiges Anliegen war es mir, auch auf Gewalt innerhalb von Familien hinzuweisen: Gewalt gegen Frauen, bis hin zu Femiziden, ist eine erschütternde Realität, die wir nicht ausblenden dürfen, wenn wir über Ehe und Familie sprechen. Die Kirche nimmt hier eine klare Haltung ein und setzt sich entschieden für den Schutz der Betroffenen ein.
Dankbar bin ich den Paaren aus dem Bistum Münster, mit denen ich mich im Vorfeld des Treffens austauschen durfte und die mich auf diese Tage in Rom vorbereitet haben. Ihre Erfahrungen, Hoffnungen und Sorgen habe ich in meine Beiträge eingebracht. Mein Dank gilt ebenso dem Familienbund der Katholiken und allen, die mir ihre Einschätzungen und fachlichen Anregungen mit auf den Weg gegeben haben. Sie alle haben dazu beigetragen, dass ich die Lebenswirklichkeit von Familien in Deutschland möglichst konkret in die weltkirchlichen Gespräche einbringen konnte.
Aus Rom nehme ich viele Anregungen und offene Fragen mit. Als Kirche wollen wir nicht nur Antworten für Familien finden, sondern bereit sein, von ihnen zu lernen. Denn gerade in ihrem Alltag, in ihrer Liebe, in ihren Konflikten und in ihrer Versöhnung wird sichtbar, was Amoris laetitia uns vor zehn Jahren mit auf den Weg gegeben hat. Wir wollen genau hinschauen, zuhören und auch schwierige Lebenssituationen offen ansprechen. Die Begegnungen mit den Bischöfen und Ehepaaren aus aller Welt haben mir gezeigt, wie wichtig das ist. Amoris laetitia bleibt auch zehn Jahre nach seiner Veröffentlichung wegweisend für die Pastoral von Partnerschaft, Ehe und Familie."
Hinweis:
Die Broschüre Amoris laetitia - Über die Liebe in der Familie kann unter www.dbk.de in der Rubrik Publikationen (https://www.dbk-shop.de/de/publikationen/verlautbarungen-apostolischen-stuhls/nachsynodales-apostolisches-schreiben-amoris-laetitia-heiligen-vaters-papst-franziskus-liebe-familie.html)bestellt oder als PDF-Datei heruntergeladen werden. Sie ist erschienen in der Reihe Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls (Nr. 204).
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