Berlin/Kabul (ots) -
In Afghanistan wird die Zahl der Kinder, die wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen, im kommenden Jahr voraussichtlich auf einen neuen Höchststand steigen. Rund 4,04 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden 2027 betroffen sein. Das sind 300.000 Kinder mehr als im Vorjahr. Besonders stark steigt die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung um 16 Prozent auf fast 1,1 Millionen.
Grundlage sind aktuelle Daten der Integrated Food Security Phase Classification (IPC). Die Verschärfung der Ernährungskrise trifft auf eine massive Finanzierungslücke bei der humanitären Hilfe. Wegen fehlender Finanzierung könnten allein in diesem Jahr 40 Gesundheitseinrichtungen von Save the Children schließen, darunter Ernährungszentren sowie mobile Gesundheitsteams in abgelegenen Landesteilen Afghanistans, in denen es kaum oder keine alternativen Gesundheitsdienste gibt.
"Die Hungerkrise in Afghanistan verschärft sich weiter, während dringend benötigte Finanzmittel zur Neige gehen", sagt Ashish Damle, Länderdirektor von Save the Children in Afghanistan. "In unseren Kliniken erleben unsere Ärzt*innen und Pflegekräfte täglich die Folgen: mangelernährte Kinder und Mütter, die selbst hungern, damit ihre Familien etwas zu essen haben. Hinter jeder Kürzung von Hilfsgeldern steht eine weitere unverzichtbare Klinik, die vor der Schließung steht, und eine weitere Familie, die Hunger und den Winter allein überstehen muss."
Laut IPC befinden sich derzeit 15,9 Millionen Menschen, also rund 32 Prozent der analysierten Bevölkerung, in einer Hungerkrise. Mit Beginn des Winters dürfte sich die Situation weiter verschlechtern: Einkommen aus Landwirtschaft und Saisonarbeit brechen weg, während widrige Wetterbedingungen entlegene Gebiete schwerer erreichbar machen. Bis zum Frühjahr könnte die Zahl der Betroffenen auf 19,2 Millionen Menschen steigen, darunter rund zehn Millionen Kinder.
Zu den Betroffenen gehören auch Mirwais*, 25, und Asma*, 23, die mit ihren drei Kindern auf der Suche nach Arbeit und Wasser immer wieder umziehen müssen. Asma und ihre 18 Monate alte Tochter Somaya* wurden wegen akuter Mangelernährung in einer Klinik von Save the Children behandelt. "Die Dürre hat unsere Lage in den letzten Jahren erheblich verschlimmert", sagt Mirwais. "Wir leben von der Landwirtschaft, doch in diesem Jahr ist alles verdorrt. Ohne diese Klinik wären unsere Herausforderungen noch größer."
"Regierungen und Geber müssen jetzt handeln, um Gesundheits- und Ernährungsdienste zu sichern", fügt Damle hinzu. "Ohne zusätzliche Unterstützung drohen noch mehr Familien von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten zu werden."
Um dem entgegenzuwirken, hat Save the Children die globale Ernährungsinitiative "Nourished Futures" mit einem Volumen von 300 Millionen US-Dollar gestartet. Ziel ist es, Mangelernährung und damit verbundene Erkrankungen von Kindern in besonders betroffenen Krisenregionen zu verhindern und zu behandeln. Die Initiative bringt öffentliche sowie private Geldgeber zusammen und setzt verstärkt auf Prävention und frühzeitige Unterstützung.
Save the Children ist seit 1976 in Afghanistan tätig. Derzeit führt die Kinderrechtsorganisation Programme in neun Provinzen durch und arbeitet mit Partnern in weiteren elf Provinzen zusammen. Die Programme umfassen Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung, Kinderschutz, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Existenzsicherung. Im vergangenen Jahr erreichte Save the Children mehr als zwei Millionen Menschen, davon fast die Hälfte Kinder.
* Name zum Schutz geändert
Über Save the Children
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
Pressekontakt:
Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 - 226
Mail: presse@savethechildren.de
Original-Content von: Save the Children Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106106/6374373
In Afghanistan wird die Zahl der Kinder, die wegen akuter Mangelernährung behandelt werden müssen, im kommenden Jahr voraussichtlich auf einen neuen Höchststand steigen. Rund 4,04 Millionen Kinder unter fünf Jahren werden 2027 betroffen sein. Das sind 300.000 Kinder mehr als im Vorjahr. Besonders stark steigt die Zahl der Kinder mit schwerer akuter Mangelernährung um 16 Prozent auf fast 1,1 Millionen.
Grundlage sind aktuelle Daten der Integrated Food Security Phase Classification (IPC). Die Verschärfung der Ernährungskrise trifft auf eine massive Finanzierungslücke bei der humanitären Hilfe. Wegen fehlender Finanzierung könnten allein in diesem Jahr 40 Gesundheitseinrichtungen von Save the Children schließen, darunter Ernährungszentren sowie mobile Gesundheitsteams in abgelegenen Landesteilen Afghanistans, in denen es kaum oder keine alternativen Gesundheitsdienste gibt.
"Die Hungerkrise in Afghanistan verschärft sich weiter, während dringend benötigte Finanzmittel zur Neige gehen", sagt Ashish Damle, Länderdirektor von Save the Children in Afghanistan. "In unseren Kliniken erleben unsere Ärzt*innen und Pflegekräfte täglich die Folgen: mangelernährte Kinder und Mütter, die selbst hungern, damit ihre Familien etwas zu essen haben. Hinter jeder Kürzung von Hilfsgeldern steht eine weitere unverzichtbare Klinik, die vor der Schließung steht, und eine weitere Familie, die Hunger und den Winter allein überstehen muss."
Laut IPC befinden sich derzeit 15,9 Millionen Menschen, also rund 32 Prozent der analysierten Bevölkerung, in einer Hungerkrise. Mit Beginn des Winters dürfte sich die Situation weiter verschlechtern: Einkommen aus Landwirtschaft und Saisonarbeit brechen weg, während widrige Wetterbedingungen entlegene Gebiete schwerer erreichbar machen. Bis zum Frühjahr könnte die Zahl der Betroffenen auf 19,2 Millionen Menschen steigen, darunter rund zehn Millionen Kinder.
Zu den Betroffenen gehören auch Mirwais*, 25, und Asma*, 23, die mit ihren drei Kindern auf der Suche nach Arbeit und Wasser immer wieder umziehen müssen. Asma und ihre 18 Monate alte Tochter Somaya* wurden wegen akuter Mangelernährung in einer Klinik von Save the Children behandelt. "Die Dürre hat unsere Lage in den letzten Jahren erheblich verschlimmert", sagt Mirwais. "Wir leben von der Landwirtschaft, doch in diesem Jahr ist alles verdorrt. Ohne diese Klinik wären unsere Herausforderungen noch größer."
"Regierungen und Geber müssen jetzt handeln, um Gesundheits- und Ernährungsdienste zu sichern", fügt Damle hinzu. "Ohne zusätzliche Unterstützung drohen noch mehr Familien von lebenswichtiger Hilfe abgeschnitten zu werden."
Um dem entgegenzuwirken, hat Save the Children die globale Ernährungsinitiative "Nourished Futures" mit einem Volumen von 300 Millionen US-Dollar gestartet. Ziel ist es, Mangelernährung und damit verbundene Erkrankungen von Kindern in besonders betroffenen Krisenregionen zu verhindern und zu behandeln. Die Initiative bringt öffentliche sowie private Geldgeber zusammen und setzt verstärkt auf Prävention und frühzeitige Unterstützung.
Save the Children ist seit 1976 in Afghanistan tätig. Derzeit führt die Kinderrechtsorganisation Programme in neun Provinzen durch und arbeitet mit Partnern in weiteren elf Provinzen zusammen. Die Programme umfassen Gesundheitsversorgung, Ernährung, Bildung, Kinderschutz, Wasser- und Sanitärversorgung sowie Existenzsicherung. Im vergangenen Jahr erreichte Save the Children mehr als zwei Millionen Menschen, davon fast die Hälfte Kinder.
* Name zum Schutz geändert
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Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin und Kinderrechtlerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 100 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben sowie frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
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