Berlin (ots) -
Der Cyberangriff auf zwei Berliner Senatsverwaltungen hat massive IT-Sicherheitslücken offenbart. Eine Auswertung der Redaktion rbb24 Recherche zeigt, dass hochsensible Daten wie beispielsweise der Ausweis von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) im Darknet veröffentlicht wurden. Nach rbb-Informationen ist seit längerem bekannt gewesen, dass es Sicherheitslücken bei der landeseigenen IT gibt, weil es sowohl an Personal als auch an finanziellen Mitteln mangelte. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung waren nur 5 Prozent der Computer und Server mit einer sogenannten Angriffserkennungssoftware ausgestattet.
Neben der Kopie des Personalausweises der amtierenden Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) wurde auch eine gespeicherte Kopie ihrer digitalen Unterschrift im Darknet veröffentlicht. Auch der Mailverkehr ihrer Vorgängerinnen Manja Schreiner (CDU) und Bettina Jarasch (Grüne) gehört zu den veröffentlichten Daten. Doch es finden sich nicht nur hochsensible persönliche Unterlagen aus der Leitungsebene der Verkehrsverwaltung: Eine Auswertung von rbb24 Recherche zeigt, dass auch zahlreiche weitere Ausweiskopien und personenbezogene Unterlagen von Beschäftigten der betroffenen Verwaltungen zum Datensatz gehören.
Die früheren Verkehrssenatorinnen Manja Schreiner (CDU) und Bettina Jarasch (Grüne) teilen dem rbb mit, sie seien offenbar "Opfer einer Straftat" geworden. Jarasch erklärt, sie sei jedoch nur informell darüber informiert worden, dass sie betroffen sei, nicht aber über den Umfang. Auf eine offizielle Auskunftsanfrage sei ihr von der Datenschutzbeauftragten der Senatsverwaltung mitgeteilt worden, dass sich die Bearbeitung wegen der hohen Zahl von Anfragen um Monate verzögere.
Schon vor dem Angriff waren in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Engpässe bei Personal und Finanzierung der IT-Sicherheit bekannt. Im Jahr 2024 standen die für die IT-Sicherheit nötigen Mittel nur "teilweise im erforderlichen Maße zur Verfügung", heißt es in einer Antwort der beiden Senatsverwaltungen an den rbb. Dabei verpflichtet die landesweite Leitlinie zur Informationssicherheit die Behörden bereits seit 2017 ausreichend Personal und Geld für notwendige organisatorische und technische Schutzmaßnahmen bereitzustellen.
Doch auch 2026 fehlt immer noch Geld für einen umfangreichen IT-Schutz. Das zeigt sich an dem 2026 eingeführten System zur Erkennung von Cyberangriffen: Die vorhandenen Lizenzen reichten lediglich für fünf Prozent aller Geräte, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem rbb mit. Eine Ausweitung auf alle Geräte sei "aus finanziellen Gründen" nicht möglich gewesen. Die konkret vom Angriff betroffenen Systeme gehörten nicht zu diesen fünf Prozent: Weder das als Einstiegspunkt für Kriminelle identifizierte und untersuchte Endgerät noch die Server, von denen später Daten abflossen, waren von der Angriffserkennung erfasst, so die Senatsverwaltung.
Dabei plante Berlin bereits 2023 den Ausbau wichtiger Systeme "zur Erkennung und Abwehr von Cyber-Angriffen" mit dem ausdrücklichen Ziel, Cyberangriffe früh zu erkennen und ihre weitere Ausbreitung im Landesnetz zu verhindern. Dies zeigt ein dem rbb exklusiv vorliegender Informationssicherheitsbericht. Der jährlich erstellte Bericht dokumentiert den Stand der Informationssicherheit im Land. Er stützt sich dabei auf die Angaben der einzelnen Berliner Behörden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits 2025 vor einer Masche von Cyberkriminellen gewarnt, bei der Nutzer über gefälschte Sicherheitsabfragen selbst einen schädlichen Befehl auf ihrem Rechner ausführen und damit den Hackern die "Tür ins System öffnen".
Die Masche, vor der das BSI warnte, war als "ClickFix" bekannt: Eine gefälschte Captcha- oder Sicherheitsabfrage bringt Nutzer dazu, einen Befehl auszuführen, der Schadsoftware "nachlädt". Im September 2026 beschrieb das BSI in einem Sicherheitshinweis unter dem Namen "TerminalFix" eine weiterentwickelte Variante dieser Angriffsmethode. Dabei können die Täter vom ersten infizierten Rechner aus tiefer in das Netzwerk vordringen und etwa Server, Benutzerrechte und Sicherungssysteme auskundschaften. Nach Angaben des BSI wurden bei solchen Angriffen auch Daten gestohlen und Erpressungssoftware eingesetzt. Eine dabei verwendete Schadsoftware ordnet das BSI derselben kriminellen Gruppe zu, der es auch die Ransomware Rhysida und die dazugehörige Leak-Seite zuschreibt.
Pressekontakt:
Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)
rbb24 Recherche
Masurenallee 8-14
14057 Berlin
Telefon: +49 30 97993 30350
Mobil: 0049 160 36 000 44
rene.althammer@rbb-online.de
Original-Content von: rbb - Rundfunk Berlin-Brandenburg, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/51580/6374775
Der Cyberangriff auf zwei Berliner Senatsverwaltungen hat massive IT-Sicherheitslücken offenbart. Eine Auswertung der Redaktion rbb24 Recherche zeigt, dass hochsensible Daten wie beispielsweise der Ausweis von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) im Darknet veröffentlicht wurden. Nach rbb-Informationen ist seit längerem bekannt gewesen, dass es Sicherheitslücken bei der landeseigenen IT gibt, weil es sowohl an Personal als auch an finanziellen Mitteln mangelte. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung waren nur 5 Prozent der Computer und Server mit einer sogenannten Angriffserkennungssoftware ausgestattet.
Neben der Kopie des Personalausweises der amtierenden Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) wurde auch eine gespeicherte Kopie ihrer digitalen Unterschrift im Darknet veröffentlicht. Auch der Mailverkehr ihrer Vorgängerinnen Manja Schreiner (CDU) und Bettina Jarasch (Grüne) gehört zu den veröffentlichten Daten. Doch es finden sich nicht nur hochsensible persönliche Unterlagen aus der Leitungsebene der Verkehrsverwaltung: Eine Auswertung von rbb24 Recherche zeigt, dass auch zahlreiche weitere Ausweiskopien und personenbezogene Unterlagen von Beschäftigten der betroffenen Verwaltungen zum Datensatz gehören.
Die früheren Verkehrssenatorinnen Manja Schreiner (CDU) und Bettina Jarasch (Grüne) teilen dem rbb mit, sie seien offenbar "Opfer einer Straftat" geworden. Jarasch erklärt, sie sei jedoch nur informell darüber informiert worden, dass sie betroffen sei, nicht aber über den Umfang. Auf eine offizielle Auskunftsanfrage sei ihr von der Datenschutzbeauftragten der Senatsverwaltung mitgeteilt worden, dass sich die Bearbeitung wegen der hohen Zahl von Anfragen um Monate verzögere.
Schon vor dem Angriff waren in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt Engpässe bei Personal und Finanzierung der IT-Sicherheit bekannt. Im Jahr 2024 standen die für die IT-Sicherheit nötigen Mittel nur "teilweise im erforderlichen Maße zur Verfügung", heißt es in einer Antwort der beiden Senatsverwaltungen an den rbb. Dabei verpflichtet die landesweite Leitlinie zur Informationssicherheit die Behörden bereits seit 2017 ausreichend Personal und Geld für notwendige organisatorische und technische Schutzmaßnahmen bereitzustellen.
Doch auch 2026 fehlt immer noch Geld für einen umfangreichen IT-Schutz. Das zeigt sich an dem 2026 eingeführten System zur Erkennung von Cyberangriffen: Die vorhandenen Lizenzen reichten lediglich für fünf Prozent aller Geräte, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem rbb mit. Eine Ausweitung auf alle Geräte sei "aus finanziellen Gründen" nicht möglich gewesen. Die konkret vom Angriff betroffenen Systeme gehörten nicht zu diesen fünf Prozent: Weder das als Einstiegspunkt für Kriminelle identifizierte und untersuchte Endgerät noch die Server, von denen später Daten abflossen, waren von der Angriffserkennung erfasst, so die Senatsverwaltung.
Dabei plante Berlin bereits 2023 den Ausbau wichtiger Systeme "zur Erkennung und Abwehr von Cyber-Angriffen" mit dem ausdrücklichen Ziel, Cyberangriffe früh zu erkennen und ihre weitere Ausbreitung im Landesnetz zu verhindern. Dies zeigt ein dem rbb exklusiv vorliegender Informationssicherheitsbericht. Der jährlich erstellte Bericht dokumentiert den Stand der Informationssicherheit im Land. Er stützt sich dabei auf die Angaben der einzelnen Berliner Behörden.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte bereits 2025 vor einer Masche von Cyberkriminellen gewarnt, bei der Nutzer über gefälschte Sicherheitsabfragen selbst einen schädlichen Befehl auf ihrem Rechner ausführen und damit den Hackern die "Tür ins System öffnen".
Die Masche, vor der das BSI warnte, war als "ClickFix" bekannt: Eine gefälschte Captcha- oder Sicherheitsabfrage bringt Nutzer dazu, einen Befehl auszuführen, der Schadsoftware "nachlädt". Im September 2026 beschrieb das BSI in einem Sicherheitshinweis unter dem Namen "TerminalFix" eine weiterentwickelte Variante dieser Angriffsmethode. Dabei können die Täter vom ersten infizierten Rechner aus tiefer in das Netzwerk vordringen und etwa Server, Benutzerrechte und Sicherungssysteme auskundschaften. Nach Angaben des BSI wurden bei solchen Angriffen auch Daten gestohlen und Erpressungssoftware eingesetzt. Eine dabei verwendete Schadsoftware ordnet das BSI derselben kriminellen Gruppe zu, der es auch die Ransomware Rhysida und die dazugehörige Leak-Seite zuschreibt.
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