HAMBURG (dpa-AFX) - Variabel anpassbare Festpreise für Taxifahrten kommen laut einer Studie sowohl Kunden als auch Taxi-Unternehmen zugute. Das hat die Evaluation eines Hamburger Praxistests ergeben, wie Verkehrssenator Anjes Tjarks der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Gemeinsam mit dem Statistikamt Nord, dem Wissenschaftszentrum Berlin sowie FreeNow by Lyft, Uber und Bolt wurden dafür Millionen realer Fahrtdaten ausgewertet."
Die 5,5 Millionen von der Stadt seit Februar 2024 aus Einzelfahrten erfassten Daten hätten gezeigt, dass die Umsätze der Unternehmen mit den Festpreisen durch ein erhöhtes Fahrtaufkommen gestiegen seien, bei zugleich günstigeren Fahrten für die Kunden, sagte Professor Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
Taxi-Vermittler konnten im Test Festpreise variieren
Im Februar 2025 war in Hamburg zunächst für über Plattformen gebuchte Fahrten ein verbindlicher Festpreis eingeführt worden - alternativ zu der Abrechnung über Taxameter. Im Zuge des Versuchs kamen dann ab Oktober vergangenen Jahres Korridore zur freien Preisgestaltung hinzu.
Zunächst durften die Plattformen für vier Monate bis zu 20 Prozent auf den Festpreis aufschlagen. Von Mitte März bis Mitte Juni dieses Jahres waren dann zusätzlich auch Preisgestaltungen bis zu 20 Prozent unter dem Festpreis möglich.
Höherer Umsatz trotz niedrigerer Fahrpreise
Allein mit der Einführung des Festpreises habe es gegenüber der zuvor gültigen Abrechnung per Taxameter einen Anstieg bei der Zahl der Fahrten um fünf Prozent und ein Umsatzplus von neun Prozent gegeben, sagte Knie. Mit dem ersten Korridor, bei dem die Festpreise nach oben um bis zu 20 Prozent erhöht werden konnten, sei die Zahl der Fahrten gegenüber dem Taxameter um 14 und der Umsatz um 19 Prozent gestiegen.
Allerdings sei die Anpassung nach oben nur vergleichsweise selten genutzt worden - anders als die dann folgende Ausweitung des Preiskorridors nach unten. Zu 80 Prozent sei die Möglichkeit zur Preisgestaltung für günstigere Angebote genutzt worden - mit dann noch stärkerer Wirkung: "Hier haben wir ein Plus von 24 Prozent bei den Fahrten", sagte Knie.
Wissenschaftler: Fahrten nach Taxameter nicht mehr gefragt
Insgesamt könnte der für das Jahr ermittelte Umsatz laut Studie durch die Korridore um 32,5 Millionen Euro gegenüber dem nicht anpassbaren Festpreis steigen. "Zum Taxameterpreis wären es sogar 46 Millionen", sagte der Berliner Wissenschaftler.
Die Message sei daher klar: "Mehr Korridore, mehr flexible, transparente Tarife schaffen deutlich mehr Umsätze." Die althergebrachte Abrechnung per Taxameter "wird so eben nicht mehr nachgefragt". Denn die Studie zeige, dass das Warten an Halteplätzen oder das ausschließliche Fahren nach Taxameterpreisen trotz Preiserhöhung kein Umsatzplus bringe.
Infolge steigender Kosten und weniger Fahrten waren die Taxipreise in Hamburg in den vergangenen Jahren deutlich angehoben worden.
Plattformbetreiber begrüßen mehr Flexibilität bei Preisen
Die Plattformanbieter FreeNow by Lyft, Uber und Bolt äußerten sich durchweg positiv zu den Studienergebnissen. "Wenn Fahrgäste vorher wissen, was ihre Fahrt kostet und bei geringer Nachfrage günstiger fahren können, steigen mehr Menschen ins Taxi", sagte Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler der dpa. Die Politik sollte daher flexible Taxipreise dauerhaft ermöglichen.
Der Präsident von FreeNow by Lyft betonte die Vorteile für die Taxiunternehmer, für die "jede besetzte Fahrt" zähle. "Mit dem Korridor bringt sie mehr: mehr Fahrten pro Stunde, mehr Umsatz pro Stunde und weniger Kilometer ohne Fahrgast."
Die Ergebnisse bestätigten, "wofür wir seit langem werben", sagte Bolt-Deutschland-Geschäftsführer Christoph Hahn: "Die Zukunft des Taxigewerbes liegt nicht darin, andere Mobilitätsangebote einzuschränken, sondern darin, das eigene Potenzial besser zu nutzen." Dies sollte Anlass sein, die bisherige Debatte neu zu führen.
Anders als in anderen deutschen Städten treten die großen Plattformanbieter in Hamburg nicht als Vermittler der im Vergleich deutlich günstigeren Mietwagen mit Fahrern an, sondern vor allem als Vermittler von Taxifahrten.
Neue Taxenordnung zum Februar 2027
Auch Verkehrssenator Tjarks zog ein positives Fazit: "Auf dieser Grundlage können Taxipreise flexibler und nachvollziehbar zum Vorteil von Fahrgästen und Taxenunternehmen geregelt werden. Dies werden wir jetzt mit dem Gewerbe diskutieren."
Und dieses Gewerbe ist in Hamburg kleinteilig: Die laut Behörde rund 2.700 Taxis der Stadt verteilen sich auf 1.700 Unternehmen, davon sind den Angaben zufolge 1.500 Ein-Wagen-Unternehmen. Und je kleiner der Betrieb, desto schwerer dürften Digitalisierung und flexible Preisgestaltung fallen.
Hamburgs größte klassische Taxi-Vermittlungszentrale, Hansataxi, hatte schon beim Korridor-Test nicht mitmachen wollen. Die Kunden bevorzugten "einen verlässlichen Preis und keine Tagesschwankungen, die vom Wetter abhängig sind", hatte Vorstand Jan Weber im Februar dem "Hamburger Abendblatt" gesagt.
In den kommenden Monaten muss eine Richtungsentscheidung fallen, denn die in der Hamburger Taxenordnung festgeschriebene Erprobung neuer Tarifformen war auf 24 Monate begrenzt und läuft Ende Januar aus. Zum 1. Februar 2027 muss also eine neue Verordnung her./fi/DP/nas
