DJ Bundesbank-Präsident fordert stärkere Finanzmarktintegration
DOW JONES--Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hat eine rasche Vertiefung der europäischen Finanzmarktintegration gefordert, um den enormen Transformationsbedarf der EU zu stemmen. Um den jährlichen Investitionsbedarf von 750 bis 800 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz (KI), Energie und Dekarbonisierung zu decken, reichten öffentliche Mittel allein nicht aus, sagte Nagel in einer Rede. Obwohl Europas Banken kapital- und liquiditätsstark aufgestellt seien, gerieten sie gegenüber US-Konkurrenten durch den nach wie vor fragmentierten Binnenmarkt und komplexe Regulierungsvorschriften strukturell ins Hintertreffen.
Als entscheidenden Hebel bezeichnete der Nagel die Spar- und Investitionsunion. Laufende EU-Initiativen - wie die Reform des Verbriefungsmarktes, die Harmonisierung der Kapitalmarktaufsicht und das geplante einheitliche Unternehmensrecht ("28. Regime") - müssten zügig umgesetzt werden, um Ersparnisse effizienter in produktive Investitionen zu lenken. Ein funktionierender Verbriefungsmarkt und ein vollendeter Bankenbinnenmarkt samt grenzüberschreitender Kapital- und Liquiditätssteuerung könnten Banken zudem entlasten und neue Kreditspielräume schaffen.
Zugleich sprach sich Nagel für eine spürbare Vereinfachung der Bankenregulierung aus, ohne dabei die Widerstandsfähigkeit des Sektors aufs Spiel zu setzen. Die Vorschläge einer EZB-Task-Force zur Komplexitätsreduzierung - darunter ein vereinfachtes Regime für kleinere Banken mit Fokus auf die Leverage Ratio statt aufwendiger Risiko Gewichtungen - sollten rasch aufgegriffen werden. Der Ball liege nun bei der EU-Kommission, die für das erste Quartal 2027 überarbeitete Gesetzesvorschläge zum Bankenregelwerk angekündigt hat.
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