Nach den jüngsten Kursverlusten bekommen die Anleger aus dem Technologiesektor endlich wieder etwas Balsam auf ihre geschundenen Börsianerseelen. Besser als erwartete Quartalszahlen und ein überzeugender Ausblick auf die weiteren KI-Investitionen haben die Stimmung an der Wall Street und anschließend auch an den asiatischen Börsen spürbar aufgehellt. Die Hoffnung wächst, dass der milliardenschwere Investitionszyklus im KI-Sektor trotz der zuletzt aufgekommenen Zweifel weiterhin intakt ist.
Auch die Ergebnisse von Super Micro Computer stützen die These, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur vorerst hoch bleibt. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Netflix-Zahlen treten dagegen angesichts der wieder aufkeimenden Technologie-Euphorie etwas in den Hintergrund, auch wenn die Aktie nachbörslich deutlich unter Druck geriet. Die Anleger bekommen damit zumindest einen ersten Grund, die jüngste Skepsis gegenüber dem KI-Boom zu überdenken. Eine nachhaltige Trendwende ist das allerdings nicht. Dafür müssen weitere Unternehmen mit ihren Zahlen und vor allem ihren Investitionsausblicken überzeugen.
Der größte Belastungsfaktor für die europäischen Aktienmärkte bleibt unterdessen der hohe Ölpreis. Mit über 111 US-Dollar je Barrel Brent drohen die Energiekosten zunehmend auf die Produktions- und Verbraucherpreise durchzuschlagen. Was die guten Technologiezahlen an Zuversicht zurückbringen, könnten steigende Inflationsängste schnell wieder zunichtemachen. Die heute anstehenden britischen Preisdaten dürften deshalb besondere Aufmerksamkeit erhalten, zumal der übrige Konjunkturkalender kaum Impulse bietet.
Entscheidend bleibt die laufende Berichtssaison. In dieser Woche legen knapp 14 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Quartalszahlen vor, während die Berichtswelle in Deutschland erst in der kommenden Woche richtig an Fahrt gewinnt. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung im Nahen Osten mit ihren Auswirkungen auf die Energiepreise ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Für den DAX zeichnet sich heute eine Handelsspanne zwischen 25 250 und 25 550 Punkten ab.
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