München (ots) -
Die allgemeinen Konjunkturdaten zeigen inzwischen deutlich nach oben. Von einer verbesserten Stimmung ist in Bayern allerdings nichts zu spüren. Das ist das Ergebnis des aktuellen Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, den der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) am Donnerstag vorgestellt hat. Der Gesamtindex sinkt gegenüber dem Vorjahr leicht um einen Zähler auf 64 Punkte. Gleichzeitig erwarten nur 14,1 Prozent der Befragten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in den kommenden zwei Jahren verbessert. 36 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung.
"Der Heimatindex tritt auf der Stelle. Zwar nimmt der Pessimismus nicht weiter zu, von einer wirklichen Aufbruchstimmung sind wir aber nach wie vor weit entfernt. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Aussichten ist bei den Menschen in Bayern noch nicht angekommen", sagte GVB-Präsident Stefan Müller. "Stabilität ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch Stabilität allein schafft noch keinen neuen Optimismus. Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass aus besseren Prognosen spürbare Verbesserungen für Unternehmen, Beschäftigte und Verbraucher werden."
Die allgemeine Lebenszufriedenheit geht leicht zurück. Die Bayern bewerten diese mit 65 Punkten, zwei Zähler weniger als bei der Erhebung im Vorjahr. Dennoch bleibt der Freistaat vor den übrigen Bundesländern, die auf 61 Punkte kommen. Der Abstand beträgt damit vier Punkte. 2025 hatte er noch fünf Punkte betragen.
Am höchsten ist die allgemeine Lebenszufriedenheit in Niederbayern mit 67 Punkten. Oberbayern und Schwaben erreichen jeweils 66 Punkte, Oberfranken und Unterfranken jeweils 65 Punkte. Die Oberpfalz und Mittelfranken kommen auf jeweils 64 Punkte.
"Die Bayern bleiben zufriedener als die Menschen im übrigen Deutschland. Der Vorsprung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebenszufriedenheit im Freistaat erneut gesunken ist", sagte Stefan Müller. "Bayern kann sich auf seiner weiterhin starken Ausgangslage und seinen Erfolgen aus der Vergangenheit nicht ausruhen. Wohlstand muss jedes Jahr neu erarbeitet werden. Dafür braucht es mehr Wachstum, mehr private Investitionen und bessere Bedingungen für unternehmerisches Handeln."
Im Rahmen der Studie fragte der Verband auch danach, wie die Menschen die künftigen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz beurteilen. Dabei überwiegt die Skepsis: 37,8 Prozent erwarten, dass Künstliche Intelligenz das Leben der Menschen in den kommenden Jahren eher oder eindeutig verschlechtern wird. Lediglich 27,1 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Weitere 35,1 Prozent sind unentschieden. Im Einzelnen erwarten 8,7 Prozent eine eindeutige und 18,4 Prozent eine eher positive Wirkung. Dagegen rechnen 20,5 Prozent mit einer eher negativen und 17,3 Prozent mit einer eindeutig negativen Entwicklung.
"Künstliche Intelligenz wird Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifend verändern. Doch die Technologie wird ihre Chancen nur entfalten können, wenn die Menschen Vertrauen in sie haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Politik und Wirtschaft noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen", sagte Stefan Müller. "Deutschland darf bei einer der wichtigsten Technologien unserer Zeit nicht zum Zuschauer werden. Wir brauchen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, klare Regeln und eine breite Befähigung der Menschen, mit Künstlicher Intelligenz sicher und souverän umzugehen."
Heimatindex: erneuter Rückgang
Der Heimatindex erreicht 2026 insgesamt 64 Punkte. Im Vorjahr waren es 65 Punkte, im Sommer 2023 noch 66 Punkte. Damit bleibt die Zufriedenheit mit dem Leben in Bayern zwar auf einem vergleichsweise hohen Niveau, der Trend geht aber eher nach unten.
Regional fällt der Gesamtindex in Oberbayern mit 66 Punkten am besten aus. Niederbayern und Schwaben erreichen jeweils 64 Punkte. Mittelfranken und Unterfranken kommen auf jeweils 63 Punkte. Die niedrigsten Werte weisen die Oberpfalz und Oberfranken mit jeweils 62 Punkten auf.
Nur 14,1 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation
Die verhaltene Stimmung zeigt sich besonders deutlich beim Blick auf die persönliche wirtschaftliche Zukunft. Nur 14,1 Prozent der Befragten erwarten, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden zwei Jahren verbessert. 49,9 Prozent rechnen mit weitgehend gleichbleibenden Verhältnissen, 36 Prozent mit einer Verschlechterung.
Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Stimmung damit nur geringfügig verbessert. 2025 hatten 11,5 Prozent eine Verbesserung und 37 Prozent eine Verschlechterung erwartet. Für eine wirtschaftliche Trendwende im Erleben der Menschen reichen diese Veränderungen nicht aus.
"Aufbruch sieht anders aus. Wenn mehr als ein Drittel der Menschen eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Situation erwartet und nur jeder Siebte mit einer Verbesserung rechnet, ist das ein deutliches Signal an die Politik", sagte Stefan Müller. "Deutschland braucht endlich eine konsequente Wachstumsagenda. Dazu gehören weniger Bürokratie, eine wettbewerbsfähige Steuerbelastung, bezahlbare Energie, schnellere Genehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Ankündigungen allein verändern noch keine harten Wirtschaftsdaten."
Steigende Preise sind wieder das wichtigste Thema
Die Sorgen der Bayern verschieben sich stärker auf den wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Bei der Frage nach Themen, die sie persönlich bewegen, werden "Preise und Inflation" von 43,3 Prozent der Befragten genannt und stehen damit an erster Stelle. Im Vorjahr lag der Anteil bei 38,2 Prozent. Migration und Integration folgen mit 38,3 Prozent. 2025 hatte dieses Thema mit 50,1 Prozent noch deutlich an der Spitze gelegen.
Stark an Bedeutung gewinnen Energieversorgung und Energiekosten. Sie werden von 32,9 Prozent als besonders wichtig bezeichnet, nach 23,5 Prozent im Vorjahr. Gesundheitsversorgung und Pflege steigen von 27,7 auf 31,2 Prozent. Dahinter folgen innere Sicherheit und Kriminalität mit 26,9 Prozent sowie Klimaschutz und Umwelt mit 20 Prozent.
Weitere Nennungen entfallen auf Wohnungsmarkt und Mietpreise mit 14,1 Prozent, Bildung und Schule mit 12,9 Prozent, wirtschaftliche Entwicklung und Konjunktur mit 12,1 Prozent sowie Arbeitsplatzsicherheit mit 11,6 Prozent. Krieg und Frieden nennen 10,3 Prozent, Altersversorgung und Rente 9,4 Prozent und gesellschaftlichen Zusammenhalt 8,7 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.
"Die Menschen beschäftigen wieder stärker die konkreten Fragen ihres Alltags: Was bleibt nach dem Einkauf im Geldbeutel? Bleibt Energie bezahlbar? Ist eine gute medizinische und pflegerische Versorgung gesichert?", sagte Stefan Müller. "Das sind zentrale Wohlstandsfragen. Sie zeigen, dass sich wirtschaftspolitische Entscheidungen unmittelbar auf das Sicherheitsempfinden und die Lebenszufriedenheit der Menschen auswirken."
Persönliches Umfeld bleibt stärkster Rückhalt
Unter den Teilindices erreicht die Kategorie "Vernetzung mit Freunden und Familie" mit 70 Punkten erneut den höchsten Wert. Gegenüber dem Vorjahr geht sie jedoch um einen Zähler zurück. Die familiäre Situation wird unverändert mit 72 Punkten bewertet, der Freundes- und Bekanntenkreis mit 69 Punkten.
Regional erzielen Oberbayern und Oberfranken bei der Vernetzung mit Freunden und Familie 71 Punkte. Niederbayern, Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben erreichen jeweils 70 Punkte. Die Oberpfalz kommt auf 68 Punkte.
"Familie, Freunde und persönliche Netzwerke bleiben das Fundament von Heimat. Sie geben den Menschen auch in wirtschaftlich und gesellschaftlich unsicheren Zeiten Halt", sagte der GVB-Präsident. "Dieser Zusammenhalt ist eine große Stärke Bayerns. Politik kann ihn nicht verordnen, aber sie kann gute Bedingungen für lebendige und lebenswerte Regionen schaffen."
Wirtschaftliche Situation bleibt Schwachstelle des Index
Der niedrigste Teilindex bleibt "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation". Er sinkt gegenüber dem Vorjahr um einen Punkt auf 59 Punkte. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz beziehungsweise dem regionalen Arbeitsplatzangebot erreicht 61 Punkte.
Auch hier zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Oberbayern erreicht 62 Punkte. Mittelfranken und Schwaben kommen auf jeweils 59 Punkte, Niederbayern auf 58 Punkte. Unterfranken und die Oberpfalz erzielen jeweils 56 Punkte. Schlusslicht ist Oberfranken mit 55 Punkten.
Die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation wird mit lediglich 57 Punkten bewertet. Besonders niedrig fällt die Bewertung in der Oberpfalz mit 53 Punkten aus. In Oberfranken liegt der Wert mit 55 Punkten knapp darüber.
"Der Heimatindex macht ein wirtschaftliches Gefälle innerhalb Bayerns sichtbar. Gute Perspektiven dürfen nicht vom Wohnort abhängen", sagte Stefan Müller. "Die Regierung muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Unternehmen in allen Regionen investieren und Arbeitsplätze sichern können. Dazu gehören eine leistungsfähige Infrastruktur, weniger Bürokratie und eine Wirtschaftspolitik, die den ländlichen Raum nicht aus dem Blick verliert."
Wohnumfeld bleibt stabil, Umweltbewertung geht zurück
Der Teilindex Wohnumfeld erreicht 64 Punkte und verliert gegenüber dem Vorjahr einen Zähler. Das engere Wohnumfeld verbessert sich leicht auf 70 Punkte. Die Zufriedenheit mit der Sicherheit vor Kriminalität und Verbrechen sinkt auf 58 Punkte. Der Zustand der Umwelt wird mit 64 Punkten bewertet und verliert gegenüber dem Vorjahr drei Zähler.
Die höchsten Werte für das Wohnumfeld erreichen Oberbayern und Niederbayern mit jeweils 65 Punkten. Schwaben kommt auf 64 Punkte. Oberpfalz, Oberfranken und Mittelfranken erzielen jeweils 63 Punkte. Unterfranken erreicht 62 Punkte.
Grundversorgung und Infrastruktur werden besser bewertet
Der Teilindex "Technische Infrastruktur und Grundversorgung" steigt um einen Punkt auf 62 Punkte. Besonders deutlich verbessert sich die Gesundheitsversorgung, die von 59 auf 62 Punkte zulegt. Auch Finanzinfrastruktur und Internetanbindung gewinnen jeweils einen Punkt und erreichen 60 beziehungsweise 62 Punkte. Die Einkaufsmöglichkeiten bleiben mit 72 Punkten stabil. Die Verkehrsinfrastruktur verliert einen Punkt und bildet mit 54 Punkten weiterhin den schwächsten Einzelwert der gesamten Erhebung.
Regional erzielen Oberbayern und Schwaben mit jeweils 63 Punkten die besten Ergebnisse beim Teilindex. Mittelfranken erreicht 61 Punkte. Niederbayern, Oberpfalz und Unterfranken kommen auf jeweils 60 Punkte. Oberfranken liegt bei 59 Punkten.
"Leistungsfähige Infrastruktur entscheidet darüber, ob Regionen attraktiv und Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Die bessere Bewertung ist ermutigend. Der weiterhin niedrige Wert der Verkehrsinfrastruktur zeigt aber auch, wo zusätzlicher Handlungsbedarf besteht", so der GVB-Präsident.
Freizeit, Kultur und Bildung legen leicht zu
Der Teilindex "Freizeit, Kultur und Bildung" steigt um einen Punkt auf 66 Punkte. Die Freizeitangebote werden mit 67 Punkten bewertet, die kulturellen Angebote mit 65 Punkten. Die Schul- und Bildungsangebote verbessern sich um zwei Zähler auf 64 Punkte.
Mit 70 Punkten erreicht Oberbayern in diesem Teilindex den höchsten Wert. Die Oberpfalz kommt auf 65 Punkte. Niederbayern und Schwaben erreichen jeweils 64 Punkte. Mittelfranken und Unterfranken erzielen jeweils 63 Punkte. Oberfranken bildet mit 61 Punkten das Schlusslicht.
"Die hohe Lebensqualität Bayerns lebt nicht allein von seiner wirtschaftlichen Stärke. Freizeitangebote, Kultur und Bildung tragen wesentlich dazu bei, dass sich Menschen mit ihrer Region verbunden fühlen", sagte Stefan Müller. "Diese Stärke gilt es in allen Teilen des Freistaats zu erhalten."
Jüngere und Menschen in der Lebensmitte bewerten ihre Heimat kritischer
Auffällige Unterschiede gibt es zwischen den Altersgruppen. Die 18- bis 29-Jährigen und die 40- bis 49-Jährigen erreichen im Heimatindex jeweils 61 Punkte. Deutlich positiver bewerten die 30- bis 39-Jährigen sowie die Menschen ab 65 Jahren ihre Situation mit jeweils 66 Punkten. Die 50- bis 64-Jährigen kommen auf 64 Punkte.
Bei den 40- bis 49-Jährigen fällt insbesondere der Teilindex "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation" mit 54 Punkten niedrig aus. Die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation erreicht in dieser Altersgruppe 53 Punkte, die Zufriedenheit mit Arbeitsplatz und Arbeitsplatzangebot 55 Punkte.
"Gerade jüngere Menschen und Menschen in der Mitte des Lebens brauchen verlässliche Perspektiven. Bezahlbares Wohnen, sichere Arbeitsplätze und eine tragfähige Altersvorsorge sind entscheidend dafür, dass Zuversicht entstehen kann", sagte Stefan Müller. "Politik muss wieder stärker daran gemessen werden, ob sie den Menschen mehr Planbarkeit und wirtschaftlichen Spielraum ermöglicht."
Methodik
Der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken wird jährlich im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage ermittelt. In der Umfrage bewerten die Befragten einzelne Aspekte der Kategorien "Allgemeine Lebenszufriedenheit", "Vernetzung mit Freunden und Familie", "Freizeit, Kultur und Bildung", "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation", "Wohnumfeld" sowie "Technische Infrastruktur und Grundversorgung" auf einer Skala von 0 bis 5. Aus den Teilergebnissen wird der Index berechnet.
Civey hat für den Genossenschaftsverband Bayern e.V. vom 19. August 2026 bis 12. September 2026 online 3.000 Personen in Bayern und 10.000 Personen in Deutschland ohne Bayern befragt.
Pressekontakt:
Dr. Gerald Schneider
Pressesprecher
Telefon: +49 89 / 2868 - 3401
E-Mail: presse@gv-bayern.de
Original-Content von: Genossenschaftsverband Bayern e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/24076/6375950
Die allgemeinen Konjunkturdaten zeigen inzwischen deutlich nach oben. Von einer verbesserten Stimmung ist in Bayern allerdings nichts zu spüren. Das ist das Ergebnis des aktuellen Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken, den der Genossenschaftsverband Bayern (GVB) am Donnerstag vorgestellt hat. Der Gesamtindex sinkt gegenüber dem Vorjahr leicht um einen Zähler auf 64 Punkte. Gleichzeitig erwarten nur 14,1 Prozent der Befragten, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Situation in den kommenden zwei Jahren verbessert. 36 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung.
"Der Heimatindex tritt auf der Stelle. Zwar nimmt der Pessimismus nicht weiter zu, von einer wirklichen Aufbruchstimmung sind wir aber nach wie vor weit entfernt. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Aussichten ist bei den Menschen in Bayern noch nicht angekommen", sagte GVB-Präsident Stefan Müller. "Stabilität ist grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch Stabilität allein schafft noch keinen neuen Optimismus. Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass aus besseren Prognosen spürbare Verbesserungen für Unternehmen, Beschäftigte und Verbraucher werden."
Die allgemeine Lebenszufriedenheit geht leicht zurück. Die Bayern bewerten diese mit 65 Punkten, zwei Zähler weniger als bei der Erhebung im Vorjahr. Dennoch bleibt der Freistaat vor den übrigen Bundesländern, die auf 61 Punkte kommen. Der Abstand beträgt damit vier Punkte. 2025 hatte er noch fünf Punkte betragen.
Am höchsten ist die allgemeine Lebenszufriedenheit in Niederbayern mit 67 Punkten. Oberbayern und Schwaben erreichen jeweils 66 Punkte, Oberfranken und Unterfranken jeweils 65 Punkte. Die Oberpfalz und Mittelfranken kommen auf jeweils 64 Punkte.
"Die Bayern bleiben zufriedener als die Menschen im übrigen Deutschland. Der Vorsprung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lebenszufriedenheit im Freistaat erneut gesunken ist", sagte Stefan Müller. "Bayern kann sich auf seiner weiterhin starken Ausgangslage und seinen Erfolgen aus der Vergangenheit nicht ausruhen. Wohlstand muss jedes Jahr neu erarbeitet werden. Dafür braucht es mehr Wachstum, mehr private Investitionen und bessere Bedingungen für unternehmerisches Handeln."
Im Rahmen der Studie fragte der Verband auch danach, wie die Menschen die künftigen Auswirkungen Künstlicher Intelligenz beurteilen. Dabei überwiegt die Skepsis: 37,8 Prozent erwarten, dass Künstliche Intelligenz das Leben der Menschen in den kommenden Jahren eher oder eindeutig verschlechtern wird. Lediglich 27,1 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Weitere 35,1 Prozent sind unentschieden. Im Einzelnen erwarten 8,7 Prozent eine eindeutige und 18,4 Prozent eine eher positive Wirkung. Dagegen rechnen 20,5 Prozent mit einer eher negativen und 17,3 Prozent mit einer eindeutig negativen Entwicklung.
"Künstliche Intelligenz wird Wirtschaft und Gesellschaft tiefgreifend verändern. Doch die Technologie wird ihre Chancen nur entfalten können, wenn die Menschen Vertrauen in sie haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Politik und Wirtschaft noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen", sagte Stefan Müller. "Deutschland darf bei einer der wichtigsten Technologien unserer Zeit nicht zum Zuschauer werden. Wir brauchen innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, klare Regeln und eine breite Befähigung der Menschen, mit Künstlicher Intelligenz sicher und souverän umzugehen."
Heimatindex: erneuter Rückgang
Der Heimatindex erreicht 2026 insgesamt 64 Punkte. Im Vorjahr waren es 65 Punkte, im Sommer 2023 noch 66 Punkte. Damit bleibt die Zufriedenheit mit dem Leben in Bayern zwar auf einem vergleichsweise hohen Niveau, der Trend geht aber eher nach unten.
Regional fällt der Gesamtindex in Oberbayern mit 66 Punkten am besten aus. Niederbayern und Schwaben erreichen jeweils 64 Punkte. Mittelfranken und Unterfranken kommen auf jeweils 63 Punkte. Die niedrigsten Werte weisen die Oberpfalz und Oberfranken mit jeweils 62 Punkten auf.
Nur 14,1 Prozent erwarten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation
Die verhaltene Stimmung zeigt sich besonders deutlich beim Blick auf die persönliche wirtschaftliche Zukunft. Nur 14,1 Prozent der Befragten erwarten, dass sich ihre wirtschaftliche Situation in den kommenden zwei Jahren verbessert. 49,9 Prozent rechnen mit weitgehend gleichbleibenden Verhältnissen, 36 Prozent mit einer Verschlechterung.
Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Stimmung damit nur geringfügig verbessert. 2025 hatten 11,5 Prozent eine Verbesserung und 37 Prozent eine Verschlechterung erwartet. Für eine wirtschaftliche Trendwende im Erleben der Menschen reichen diese Veränderungen nicht aus.
"Aufbruch sieht anders aus. Wenn mehr als ein Drittel der Menschen eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Situation erwartet und nur jeder Siebte mit einer Verbesserung rechnet, ist das ein deutliches Signal an die Politik", sagte Stefan Müller. "Deutschland braucht endlich eine konsequente Wachstumsagenda. Dazu gehören weniger Bürokratie, eine wettbewerbsfähige Steuerbelastung, bezahlbare Energie, schnellere Genehmigungen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen. Ankündigungen allein verändern noch keine harten Wirtschaftsdaten."
Steigende Preise sind wieder das wichtigste Thema
Die Sorgen der Bayern verschieben sich stärker auf den wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Bei der Frage nach Themen, die sie persönlich bewegen, werden "Preise und Inflation" von 43,3 Prozent der Befragten genannt und stehen damit an erster Stelle. Im Vorjahr lag der Anteil bei 38,2 Prozent. Migration und Integration folgen mit 38,3 Prozent. 2025 hatte dieses Thema mit 50,1 Prozent noch deutlich an der Spitze gelegen.
Stark an Bedeutung gewinnen Energieversorgung und Energiekosten. Sie werden von 32,9 Prozent als besonders wichtig bezeichnet, nach 23,5 Prozent im Vorjahr. Gesundheitsversorgung und Pflege steigen von 27,7 auf 31,2 Prozent. Dahinter folgen innere Sicherheit und Kriminalität mit 26,9 Prozent sowie Klimaschutz und Umwelt mit 20 Prozent.
Weitere Nennungen entfallen auf Wohnungsmarkt und Mietpreise mit 14,1 Prozent, Bildung und Schule mit 12,9 Prozent, wirtschaftliche Entwicklung und Konjunktur mit 12,1 Prozent sowie Arbeitsplatzsicherheit mit 11,6 Prozent. Krieg und Frieden nennen 10,3 Prozent, Altersversorgung und Rente 9,4 Prozent und gesellschaftlichen Zusammenhalt 8,7 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.
"Die Menschen beschäftigen wieder stärker die konkreten Fragen ihres Alltags: Was bleibt nach dem Einkauf im Geldbeutel? Bleibt Energie bezahlbar? Ist eine gute medizinische und pflegerische Versorgung gesichert?", sagte Stefan Müller. "Das sind zentrale Wohlstandsfragen. Sie zeigen, dass sich wirtschaftspolitische Entscheidungen unmittelbar auf das Sicherheitsempfinden und die Lebenszufriedenheit der Menschen auswirken."
Persönliches Umfeld bleibt stärkster Rückhalt
Unter den Teilindices erreicht die Kategorie "Vernetzung mit Freunden und Familie" mit 70 Punkten erneut den höchsten Wert. Gegenüber dem Vorjahr geht sie jedoch um einen Zähler zurück. Die familiäre Situation wird unverändert mit 72 Punkten bewertet, der Freundes- und Bekanntenkreis mit 69 Punkten.
Regional erzielen Oberbayern und Oberfranken bei der Vernetzung mit Freunden und Familie 71 Punkte. Niederbayern, Mittelfranken, Unterfranken und Schwaben erreichen jeweils 70 Punkte. Die Oberpfalz kommt auf 68 Punkte.
"Familie, Freunde und persönliche Netzwerke bleiben das Fundament von Heimat. Sie geben den Menschen auch in wirtschaftlich und gesellschaftlich unsicheren Zeiten Halt", sagte der GVB-Präsident. "Dieser Zusammenhalt ist eine große Stärke Bayerns. Politik kann ihn nicht verordnen, aber sie kann gute Bedingungen für lebendige und lebenswerte Regionen schaffen."
Wirtschaftliche Situation bleibt Schwachstelle des Index
Der niedrigste Teilindex bleibt "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation". Er sinkt gegenüber dem Vorjahr um einen Punkt auf 59 Punkte. Die Zufriedenheit mit dem eigenen Arbeitsplatz beziehungsweise dem regionalen Arbeitsplatzangebot erreicht 61 Punkte.
Auch hier zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Oberbayern erreicht 62 Punkte. Mittelfranken und Schwaben kommen auf jeweils 59 Punkte, Niederbayern auf 58 Punkte. Unterfranken und die Oberpfalz erzielen jeweils 56 Punkte. Schlusslicht ist Oberfranken mit 55 Punkten.
Die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation wird mit lediglich 57 Punkten bewertet. Besonders niedrig fällt die Bewertung in der Oberpfalz mit 53 Punkten aus. In Oberfranken liegt der Wert mit 55 Punkten knapp darüber.
"Der Heimatindex macht ein wirtschaftliches Gefälle innerhalb Bayerns sichtbar. Gute Perspektiven dürfen nicht vom Wohnort abhängen", sagte Stefan Müller. "Die Regierung muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Unternehmen in allen Regionen investieren und Arbeitsplätze sichern können. Dazu gehören eine leistungsfähige Infrastruktur, weniger Bürokratie und eine Wirtschaftspolitik, die den ländlichen Raum nicht aus dem Blick verliert."
Wohnumfeld bleibt stabil, Umweltbewertung geht zurück
Der Teilindex Wohnumfeld erreicht 64 Punkte und verliert gegenüber dem Vorjahr einen Zähler. Das engere Wohnumfeld verbessert sich leicht auf 70 Punkte. Die Zufriedenheit mit der Sicherheit vor Kriminalität und Verbrechen sinkt auf 58 Punkte. Der Zustand der Umwelt wird mit 64 Punkten bewertet und verliert gegenüber dem Vorjahr drei Zähler.
Die höchsten Werte für das Wohnumfeld erreichen Oberbayern und Niederbayern mit jeweils 65 Punkten. Schwaben kommt auf 64 Punkte. Oberpfalz, Oberfranken und Mittelfranken erzielen jeweils 63 Punkte. Unterfranken erreicht 62 Punkte.
Grundversorgung und Infrastruktur werden besser bewertet
Der Teilindex "Technische Infrastruktur und Grundversorgung" steigt um einen Punkt auf 62 Punkte. Besonders deutlich verbessert sich die Gesundheitsversorgung, die von 59 auf 62 Punkte zulegt. Auch Finanzinfrastruktur und Internetanbindung gewinnen jeweils einen Punkt und erreichen 60 beziehungsweise 62 Punkte. Die Einkaufsmöglichkeiten bleiben mit 72 Punkten stabil. Die Verkehrsinfrastruktur verliert einen Punkt und bildet mit 54 Punkten weiterhin den schwächsten Einzelwert der gesamten Erhebung.
Regional erzielen Oberbayern und Schwaben mit jeweils 63 Punkten die besten Ergebnisse beim Teilindex. Mittelfranken erreicht 61 Punkte. Niederbayern, Oberpfalz und Unterfranken kommen auf jeweils 60 Punkte. Oberfranken liegt bei 59 Punkten.
"Leistungsfähige Infrastruktur entscheidet darüber, ob Regionen attraktiv und Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben. Die bessere Bewertung ist ermutigend. Der weiterhin niedrige Wert der Verkehrsinfrastruktur zeigt aber auch, wo zusätzlicher Handlungsbedarf besteht", so der GVB-Präsident.
Freizeit, Kultur und Bildung legen leicht zu
Der Teilindex "Freizeit, Kultur und Bildung" steigt um einen Punkt auf 66 Punkte. Die Freizeitangebote werden mit 67 Punkten bewertet, die kulturellen Angebote mit 65 Punkten. Die Schul- und Bildungsangebote verbessern sich um zwei Zähler auf 64 Punkte.
Mit 70 Punkten erreicht Oberbayern in diesem Teilindex den höchsten Wert. Die Oberpfalz kommt auf 65 Punkte. Niederbayern und Schwaben erreichen jeweils 64 Punkte. Mittelfranken und Unterfranken erzielen jeweils 63 Punkte. Oberfranken bildet mit 61 Punkten das Schlusslicht.
"Die hohe Lebensqualität Bayerns lebt nicht allein von seiner wirtschaftlichen Stärke. Freizeitangebote, Kultur und Bildung tragen wesentlich dazu bei, dass sich Menschen mit ihrer Region verbunden fühlen", sagte Stefan Müller. "Diese Stärke gilt es in allen Teilen des Freistaats zu erhalten."
Jüngere und Menschen in der Lebensmitte bewerten ihre Heimat kritischer
Auffällige Unterschiede gibt es zwischen den Altersgruppen. Die 18- bis 29-Jährigen und die 40- bis 49-Jährigen erreichen im Heimatindex jeweils 61 Punkte. Deutlich positiver bewerten die 30- bis 39-Jährigen sowie die Menschen ab 65 Jahren ihre Situation mit jeweils 66 Punkten. Die 50- bis 64-Jährigen kommen auf 64 Punkte.
Bei den 40- bis 49-Jährigen fällt insbesondere der Teilindex "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation" mit 54 Punkten niedrig aus. Die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation erreicht in dieser Altersgruppe 53 Punkte, die Zufriedenheit mit Arbeitsplatz und Arbeitsplatzangebot 55 Punkte.
"Gerade jüngere Menschen und Menschen in der Mitte des Lebens brauchen verlässliche Perspektiven. Bezahlbares Wohnen, sichere Arbeitsplätze und eine tragfähige Altersvorsorge sind entscheidend dafür, dass Zuversicht entstehen kann", sagte Stefan Müller. "Politik muss wieder stärker daran gemessen werden, ob sie den Menschen mehr Planbarkeit und wirtschaftlichen Spielraum ermöglicht."
Methodik
Der Heimatindex der bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken wird jährlich im Rahmen einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage ermittelt. In der Umfrage bewerten die Befragten einzelne Aspekte der Kategorien "Allgemeine Lebenszufriedenheit", "Vernetzung mit Freunden und Familie", "Freizeit, Kultur und Bildung", "Arbeitsplatz und persönliche finanzielle Situation", "Wohnumfeld" sowie "Technische Infrastruktur und Grundversorgung" auf einer Skala von 0 bis 5. Aus den Teilergebnissen wird der Index berechnet.
Civey hat für den Genossenschaftsverband Bayern e.V. vom 19. August 2026 bis 12. September 2026 online 3.000 Personen in Bayern und 10.000 Personen in Deutschland ohne Bayern befragt.
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