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Jamie Coleman (MFS): Hohe Renditen locken Anleihenkäufer

10. bis 16. Oktober 2026

Internationale Aktien gaben diese Woche nach, weil KI-Werte unter Bonitätszweifeln und den Fortschritten bei Datenspeichern litten. Weil viele Anleger ihre Anleihenpositionen aufstockten, fiel die US-Zehnjahresrendite um 14 Basispunkte auf 5,11%. Wegen der neuen iranischen Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus verteuerte sich das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate um 6,50 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) stieg die Volatilität diese Woche von 17,3 auf 17,7.

Konjunktur

Neue Inflationssorgen nach den Septemberzahlen

Im September war die Inflation in den USA überraschend hoch. Der Kern-Verbraucherpreisindex stieg um 0,3% z.Vm. und 2,6% z.Vj., der Gesamtindex um 0,6% bzw. 3,7%. Dabei legten die Preise auf breiter Front zu; die höhere Teuerung lässt sich kaum mit einigen wenigen volatilen Gütergruppen erklären.

Die Produzentenpreise machten ebenfalls Sorgen. Der Erzeugerpreisindex stieg im September um 1,3% und damit mehr als doppelt so stark wie erwartet; der Kernindex legte um 0,5% zu. Nach Bekanntwerden der Verbraucherpreise am Mittwoch stiegen die US-Staatsanleihenrenditen zunächst kräftig. Erstaunlicherweise fielen sie aber bald wieder und gingen im Tagesverlauf insgesamt zurück. Auch am Donnerstag hielt der Renditerückgang an. Der starke Produzentenpreisanstieg schien Aktienverkäufe auszulösen, weil Anleger die höchsten Anleihenrenditen seit Jahren nutzen wollten. Vor allem KI-Aktien gerieten unter Druck, da man zu hohe Investitionen fürchtete. Im Folgenden gehen wir darauf genauer ein.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Inflationszahlen schätzten Anleger die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch in diesem Monat nicht mehr auf etwa 22%, sondern auf gut 50%. Schnell gingen die Erwartungen aber wieder auf nur noch 14% zurück. Notenbankchef Kevin Warsh hatte eine Zinserhöhung am Freitagmorgen als "nicht dringend" bezeichnet.

Wachsende Zweifel an der KI-Finanzierung

Nach ersten Anzeichen für Probleme an den Anleihen- und Credit-Märkten machten sich Anleger diese Woche Sorgen wegen der hohen KI-Investitionen. Weltweit wurden im September zur KI-Finanzierung nur noch für 23 Milliarden US-Dollar Anleihen begeben, weniger als halb so viel wie im Vormonat und deutlich unter dem Juni-Rekord von 113 Milliarden. In den USA kamen überhaupt keine Investmentgrade-Anleihen mit KI-Bezug mehr an den Markt. Von Januar bis August hatten sich die Technologieriesen noch etwa 306 Milliarden US-Dollar geliehen.

Am Credit-Markt wachsen auch die Zweifel an KI-Infrastrukturanbietern. Die fünfjährigen CDS-Spreads von Oracle, SoftBank und dem Neocloud-Anbieter CoreWeave weiteten sich drastisch aus. Unterdessen kündigte der chinesische Speicherchiphersteller CXMT einen technologischen Durchbruch an, was die Aktien etablierter Anbieter wie Samsung, SK Hynix und Micron unter Druck setzte. Irritiert haben auch die unerwartet schwachen Zahlen von Anthropic, obwohl der Gewinn fast 50% höher war als im Vorquartal. Nach den Kursverlusten sah sich Jensen Huang, CEO von NVIDIA, genötigt, CoreWeave öffentlich zu verteidigen. Hilfen von NVIDIA seien nicht nötig. Und beim Anthropic-Börsengang wiederum rechnen Anleger jetzt nur noch mit einem Börsenwert von 1,5 Billionen US-Dollar, statt der zunächst erwarteten 2 Billionen.

All das kommt zu einer Zeit, in der immer mehr Anleger an Tempo und Erträgen von KI-Investitionen zweifeln. Die hohen Zinsen machen es nicht besser und setzen KI-Werte zusätzlich unter Druck.

Laut Selenskyj will die Ukraine wieder russische Raffinerien angreifen

Nach einem dreitägigen Verzicht auf Angriffe auf russische Raffinerien will Ukraines Staatschef Wolodymyr Selenskyj die Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur wieder aufnehmen. Anfang der Woche sagte US-Präsident Trump, dass sich Russland und die Ukraine auf einen solchen Waffenstillstand verständigt hätten; dennoch hielten die russischen Angriffe auf das ukrainische Energienetz an.

Trumps Idee, russischen Diesel zu importieren, wurde von Politikern beider Parteien heftig kritisiert. Kritik erntete er auch dafür, dass er den ukrainischen Zugang zum Starlink-System des Verteidigungsministeriums offensichtlich eingeschränkt hat.

Kurz gefasst

Im September stiegen die amerikanischen Einzelhandelsumsätze um überraschend starke 0,8%. Der Kernindex ohne Treibstoff und Baustoffe legte hingegen nur um 0,1% zu.

Anfang Oktober kauften Anleger für fast 14 Milliarden US-Dollar amerikanische Staatsanleihen. Schon im 3. Quartal waren die Mittelzuflüsse auf rekordverdächtige 59,3 Milliarden US-Dollar gestiegen.

Die amerikanische Industrieproduktion stieg im September um 0,7% und damit stärker als die erwarteten 0,4%.

Der Internationale Währungsfonds hob seine Prognose für das Weltwirtschaftswachstum in diesem Jahr leicht auf 3,1% an. Für das kommende Jahr rechnet er unverändert mit 3,4%. Der IWF geht davon aus, dass KI der Konjunktur im kommenden Jahr nützt. Er warnte aber zugleich vor den Folgen hoher Energiepreise und Finanzrisiken. Beides würde die Weltwirtschaft auf die Probe stellen.

Die National Retail Federation rechnet damit, dass die amerikanischen Einzelhandelsumsätze im diesjährigen Jahresendgeschäft um 4,2% höher sein werden als im Vorjahr.

Nach dem Beige Book der Fed nimmt der Inflationsdruck in der Hälfte der Notenbankbezirke zu. In den meisten Bezirken bleibt der Konjunkturausblick aber gut.

Weil die höheren Zinsen kleinere Unternehmen überdurchschnittlich belasten, kam es zu einer Korrektur des Russell 2000.

Im September betrug der chinesische Handelsbilanzüberschuss rekordverdächtige 133,5 Milliarden US-Dollar. Ein wesentlicher Grund ist die weltweit hohe Nachfrage nach KI-Technik.

Die Verkäufe amerikanischer Bestandsimmobilien stiegen im September um 1,5%. Beobachter hatten mit 0,8% Rückgang gerechnet. Der Median-Hauspreis stieg um 1,3% auf 417.500 US-Dollar.

In China betrugen die Kredite an Nichtbanken letztes Jahr mehr als 300% des BIP, 60 Prozentpunkte mehr als Ende 2019.

Laut Fitch Ratings ist das französische Länderrating von A+ wegen der steigenden Staatsschulden, des schwachen Wachstums und der politischen Instabilität gefährdet.

EZB-Chefin Christine Lagarde sagte, dass Frankreich seine Haushaltsprobleme selbst lösen müsse. Mit einer Intervention der Notenbank sei nicht zu rechnen.

Katars Flüssigerdgasexporte erreichten Ende September wieder fast ein Drittel des Vorkriegsniveaus. Dadurch stabilisierte sich das weltweite Angebot.

Das amerikanische Oberkommando wies die Behauptung des Iran zurück, er kontrolliere die Straße von Hormus. Es teilte mit, dass die USA und ihre Partner vor Ort am Montag den Transport von über 19 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge ermöglichten.

Dem Vernehmen nach greift der Iran vor den amerikanischen Zwischenwahlen verstärkt Öltanker an.

Laut Präsident Trump will man in Grönland jetzt mit der Erschließung von Lagerstätten für Öl, Gas und andere Rohstoffe beginnen.

Trump kündigte an, dass Taiwan für 70 bis 80 Milliarden US-Dollar Erdgas aus Alaska kaufen und 4,4 Milliarden US-Dollar in eine Pipeline investieren wolle.

Die fast 72 Millionen Sozialleistungsempfänger in den USA sollen wegen der höheren Lebenshaltungskosten im Jahr 2027 um 3,6% höhere Leistungen bekommen.

Laut Reuters könnte EZB-Chefin Christine Lagarde bereits im November den Vorsitz des World Economic Forum übernehmen.

Um das Handelsbilanzdefizit mit China zu senken, plant die Europäische Union neue Maßnahmen, um China vollständig vom gemeinsamen Markt ausschließen zu können.

Nächste Woche

Montag: kanadische Verbraucherpreise

Dienstag: britische Arbeitslosenquote, Baubeginne und schwebende Hausverkäufe in den USA

Mittwoch: britische Verbraucherpreise

Donnerstag: Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA

Freitag: vorläufige Einkaufsmanagerindizes weltweit

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

Diese Informationen sowie Nennungen von Unternehmen und Einzelwerten dürfen nicht als Anlageberatung, Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Hinweis auf die Kauf- oder Verkaufsabsichten eines MFS-Produkts aufgefasst werden.

Die hier genannten Einzelwerte können, aber müssen nicht in MFS-Fonds enthalten sein. Eine vollständige Liste aller Einzelwerte von MFS-Portfolios finden Sie in deren aktuellen Jahres-, Halbjahres- oder Quartalsberichten. Vollständige Bestandsübersichten finden Sie auch in den Fondsübersichten im Abschnitt "Produkte" auf mfs.com.

Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Prognosen sind keine Garantien.

Die Performance der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research, Morgan Stanley, S&P Global Market Intelligence, LSEG.

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Der Iran-Krieg hat den globalen Energiemarkt erschüttert. Zerstörte Förderanlagen, ausgefallene Transportwege und fehlende Raffineriekapazitäten sorgen dafür, dass nicht nur Rohöl, sondern vor allem Benzin und Diesel knapp und teuer bleiben könnten. Selbst ein Ende der Kämpfe würde das Problem nicht über Nacht lösen, der Wiederaufbau der Energieinfrastruktur dürfte Jahre dauern.

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Hier dürfte die zweite Welle des Öl-Booms entstehen. Statt den bereits stark gelaufenen Produzenten hinterherzulaufen, können Anleger auf die Unternehmen setzen, die am milliardenschweren Wiederaufbau der globalen Energieinfrastruktur verdienen.

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