Karlsbad (ots) -
Rheuma mit seinen über 400 Formen zählt zu den Volkskrankheiten in Deutschland. "Häufig kündigt sich Rheuma durch ein verändertes Empfinden in den Händen oder Morgensteifigkeit an: es fällt Betroffenen schwer, aus dem Bett aufzustehen", spiegelt Luisa Bollermann wider, was Patient:innen ihr berichten und fährt fort: "Auch zunehmende Schwere, Erschöpfung und Energielosigkeit können eine der zahlreichen rheumatischen Erkrankungen ankündigen". Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) arbeitet in einer Praxis, die die stationäre ergotherapeutische Versorgung einer Rheumafachklinik ermöglicht. Sie und ihre Kolleg:innen, die im klinischen Setting mitwirken, sorgen für Linderung der akuten Symptome und geben Input für Maßnahmen, die Rheumapatient:innen zuhause selbst durchführen können. Außerdem planen sie gemeinsam mit den Betroffenen, wie sich die Impulse aus der Klinik alltagstauglich und verpflichtend in deren täglichen Routinen verankern lassen.
Rheuma ist keineswegs ausschließlich ein alte-Leute-Problem. So beispielsweise das Sjögren-Syndrom, welches in der Mehrzahl Frauen, im Verhältnis 19:1, betrifft. Bei einigen zeigt sich Sjögren bereits in deren zwanzigstem bis dreißigstem Lebensjahr. Bei anderen beginnt es mit der Menopause oder - dann gilt Sjögren als Sekundärsyndrom - es tritt zusammen mit Formen wie beispielsweise einer rheumatoiden Arthritis auf. Typisch für Sjögren ist, dass es oft lange unerkannt bleibt. "Die wenigsten Frauen messen Symptomen wie Mundtrockenheit, gleichzeitiger Trockenheit der Augen, Beschwerden beim Schlucken und einem zunehmenden Gefühl von Abgeschlagenheit eine Bedeutung bei; auch ahnen sie nicht, dass diese verschiedenen Erscheinungen auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen und Anzeichen einer Erkrankung sein könnten", bestätigt die Ergotherapeutin Bollermann, weshalb diese Patient:innen oft sehr spät eine Diagnose und Hilfe bekommen. Oder eine Odyssee bei Ärzt:innen erleben. Leider nachvollziehbar, wenn sie den jeweiligen Fachärzt:innen nur eines ihrer Symptome nennen, das aus ihrer Sicht für dieses Fachgebiet in Betracht kommt.
Ergotherapeut:innen sind die Fachdisziplin für das Bewältigen des Alltags
Die Ergotherapeutin bestärkt jede und jeden, der dauerhafte Veränderungen bemerkt: "Bitte den Arzt oder die Ärztin konsultieren und ein möglichst umfassendes Bild sämtlicher, auch vermeintlich unbedeutender Veränderungen aufzeigen; das ermöglicht, Zusammenhänge besser zu erkennen und erleichtert die Diagnose". Und ebenso, sofern es daraufhin Handlungsbedarf gibt: den zeitnahen Beginn einer Behandlung, die je nach Schwere der Probleme beispielsweise in einer Rheumafachklinik startet. Menschen mit der Diagnose Rheuma oder dem Verdacht auf Rheuma erwartet dort ein straffes Programm. Durch weitere umfängliche und intensive Untersuchungen wird bei denen mit Verdacht auf Rheuma verstärkt und in alle Richtungen nach dem Grund für ihre Schmerzen und Beschwerden gesucht. Diejenigen, die die Diagnose Rheuma gerade erhalten haben, werden dort medikamentös eingestellt; bei denen, die zum wiederholten Mal in die Klinik kommen, überprüfen die Ärzt:innen die aktuelle Medikation und nehmen, sofern nötig, Anpassungen vor. Rheumapatient:innen kommen meist regelmäßig, etwa einmal im Jahr, in die Rheumafachklinik. Dort finden Untersuchungen, auch durch bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT, ebenso statt, wie Gespräche und Behandlungen durch Ärzt:innen, Physio- und Ergotherapeut:innen. Das Ziel eines solchen Aufenthalts: Die Betroffenen im Rahmen einer sogenannten Rheumakomplexbehandlung fitmachen, damit sie ihren Alltag wieder besser bewerkstelligen können.
Ergotherapeut:innen erklären, warum Überlastung bei Rheuma kontraproduktiv wirkt
Für die Belange des Alltags ist vor allem eine Disziplin zuständig: Ergotherapeut:innen. Auch sie mobilisieren, so wie Physiotherapeut:innen, die Gelenke motorisch-funktionell. Allerdings richten sie ihren Fokus dabei auf den Alltag der Rheumapatient:innen. Ergotherapeut:innen fragen unter anderem nach den Abläufen und Gewohnheiten im Alltag und den Tätigkeiten, die die Patient:innen ausführen müssen oder möchten. Bollermann beschreibt ihr Vorgehen so: "Gemeinsam und im Schulterschluss arbeiten Ergotherapeut:innen und die an Rheuma Erkrankten Strategien aus, wie diese gelenkschonendes Verhalten und weitere Maßnahmen, die den Einschränkungen durch die Erkrankung entgegenwirken, in ihren Alltag einbauen können". Gleichzeitig vermitteln Ergotherapeut:innen Ansätze wie Pacing als zielführendes Energiemanagement. Mit diesem Instrument lernen von Rheuma Betroffene, wie es gelingt, sich bis kurz vor die Schmerzgrenze zu belasten und dieses Zeitfenster schmerzfreier Bewegung sukzessive auszudehnen. Pacing spielt im Übrigen auch bei Fatigue, den Erschöpfungserscheinungen, die oftmals mit Rheuma einhergehen, eine wichtige Rolle: Die Kontrolle über den eigenen Energiehaushalt ist das A & O, um sich nicht zu überlasten, sondern genügend Energie für die Dinge zu haben, die an Rheuma Erkrankte für sich selbst als wichtig erachten. Ergotherapeut:innen erklären auch die Zusammenhänge ihres Vorgehens, etwa, dass sie bei der manuellen Therapie Gelenke nur in dem Maß bewegen, dass die Produktion von Synovia angeregt, Überlastung hingegen vermieden wird. Synovia ist eine körpereigene Flüssigkeit mit hoher Viskosität, die wie ein natürliches Schmiermittel wirkt und für die Geschmeidigkeit von Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnenscheiden sorgt.
Ergotherapeut:innen entstigmatisieren Hilfsmittel und fördern Partizipation
Rheuma kann den Alltag auch dann drastisch negativ verändern, wenn es um Aspekte wie Partizipation und Teilhabe geht. Nicht alle Formen von Rheuma sind sichtbar. Betroffene lehnen in diesen Fällen häufig den Gebrauch von Hilfsmitteln, vor allem in der Öffentlichkeit, ab. "Aussagen wie "Brille macht alt, Rollator sowieso" sind Klischees, die Betroffene im Zusammenhang mit Rheuma besser aus ihren Gedanken verbannen sollten", findet die Ergotherapeutin Bollermann und verdeutlicht dies an einem Beispiel: "Ab einem bestimmten Zeitpunkt benötigen Menschen mit rheumatoider Arthritis, einer der am weitesten verbreiteten Formen von Rheuma, zum selbstständig essen eine Griffverdickung, weil sie Messer und Gabel mit ihren Händen nicht mehr umschließen können. Dies sollte sie jedoch nicht davon abhalten, weiterhin an Treffen oder gemeinsamen Veranstaltungen mit Freund:innen wie Essen gehen teilzunehmen und dabei die benötigen Hilfsmittel einzusetzen". Die Ergotherapeutin spricht mit ihren Patient:innen im Vorfeld über die Vorteile von Hilfsmitteln und unter anderem auch darüber, wie sie die Veränderungen durch ihre Erkrankung anderen gegenüber humorvoll verpacken können. Sie weiß, dass es manchmal einen "Trendsetter" benötigt, der andere aus der Runde - meist sind es Gleichaltrige, die ebenfalls gesundheitliche Schwierigkeiten haben - inspiriert, sich ebenfalls um passende Hilfsmittel zu bemühen. Hilfsmittel sind vor allem deshalb wichtig, weil sie Bewegung und dadurch Selbstständigkeit ermöglichen. Wer zu viel "machen lässt", riskiert, dass Gelenke und Muskulatur weiter abbauen und versteifen und sich dadurch die Krankheitssymptome schneller verschlechtern als bei einem möglichst aktiven Lebensstil. Dank ergotherapeutischer Aufklärung haben Rheumapatient:innen einen Wissensvorsprung, der ihnen zu einer verzögerten Krankheitsentwicklung und vor allem mehr Lebensqualität verhelfen kann.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche.
Zum Podcast gerne hier entlang: https://dve-podcast.podigee.io/.
Außerdem: https://www.instagram.com/dve_ergotherapie/ und Deutscher Verband Ergotherapie e.V. - DVE | Facebook
Pressekontakt:
Angelika Reinecke, Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE),
a.reinecke@dve.info
Original-Content von: Deutscher Verband Ergotherapie e.V. (DVE), übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/106910/6376394
Rheuma mit seinen über 400 Formen zählt zu den Volkskrankheiten in Deutschland. "Häufig kündigt sich Rheuma durch ein verändertes Empfinden in den Händen oder Morgensteifigkeit an: es fällt Betroffenen schwer, aus dem Bett aufzustehen", spiegelt Luisa Bollermann wider, was Patient:innen ihr berichten und fährt fort: "Auch zunehmende Schwere, Erschöpfung und Energielosigkeit können eine der zahlreichen rheumatischen Erkrankungen ankündigen". Die Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie e.V.) arbeitet in einer Praxis, die die stationäre ergotherapeutische Versorgung einer Rheumafachklinik ermöglicht. Sie und ihre Kolleg:innen, die im klinischen Setting mitwirken, sorgen für Linderung der akuten Symptome und geben Input für Maßnahmen, die Rheumapatient:innen zuhause selbst durchführen können. Außerdem planen sie gemeinsam mit den Betroffenen, wie sich die Impulse aus der Klinik alltagstauglich und verpflichtend in deren täglichen Routinen verankern lassen.
Rheuma ist keineswegs ausschließlich ein alte-Leute-Problem. So beispielsweise das Sjögren-Syndrom, welches in der Mehrzahl Frauen, im Verhältnis 19:1, betrifft. Bei einigen zeigt sich Sjögren bereits in deren zwanzigstem bis dreißigstem Lebensjahr. Bei anderen beginnt es mit der Menopause oder - dann gilt Sjögren als Sekundärsyndrom - es tritt zusammen mit Formen wie beispielsweise einer rheumatoiden Arthritis auf. Typisch für Sjögren ist, dass es oft lange unerkannt bleibt. "Die wenigsten Frauen messen Symptomen wie Mundtrockenheit, gleichzeitiger Trockenheit der Augen, Beschwerden beim Schlucken und einem zunehmenden Gefühl von Abgeschlagenheit eine Bedeutung bei; auch ahnen sie nicht, dass diese verschiedenen Erscheinungen auf ein und dieselbe Ursache zurückzuführen und Anzeichen einer Erkrankung sein könnten", bestätigt die Ergotherapeutin Bollermann, weshalb diese Patient:innen oft sehr spät eine Diagnose und Hilfe bekommen. Oder eine Odyssee bei Ärzt:innen erleben. Leider nachvollziehbar, wenn sie den jeweiligen Fachärzt:innen nur eines ihrer Symptome nennen, das aus ihrer Sicht für dieses Fachgebiet in Betracht kommt.
Ergotherapeut:innen sind die Fachdisziplin für das Bewältigen des Alltags
Die Ergotherapeutin bestärkt jede und jeden, der dauerhafte Veränderungen bemerkt: "Bitte den Arzt oder die Ärztin konsultieren und ein möglichst umfassendes Bild sämtlicher, auch vermeintlich unbedeutender Veränderungen aufzeigen; das ermöglicht, Zusammenhänge besser zu erkennen und erleichtert die Diagnose". Und ebenso, sofern es daraufhin Handlungsbedarf gibt: den zeitnahen Beginn einer Behandlung, die je nach Schwere der Probleme beispielsweise in einer Rheumafachklinik startet. Menschen mit der Diagnose Rheuma oder dem Verdacht auf Rheuma erwartet dort ein straffes Programm. Durch weitere umfängliche und intensive Untersuchungen wird bei denen mit Verdacht auf Rheuma verstärkt und in alle Richtungen nach dem Grund für ihre Schmerzen und Beschwerden gesucht. Diejenigen, die die Diagnose Rheuma gerade erhalten haben, werden dort medikamentös eingestellt; bei denen, die zum wiederholten Mal in die Klinik kommen, überprüfen die Ärzt:innen die aktuelle Medikation und nehmen, sofern nötig, Anpassungen vor. Rheumapatient:innen kommen meist regelmäßig, etwa einmal im Jahr, in die Rheumafachklinik. Dort finden Untersuchungen, auch durch bildgebende Verfahren wie Röntgen und MRT, ebenso statt, wie Gespräche und Behandlungen durch Ärzt:innen, Physio- und Ergotherapeut:innen. Das Ziel eines solchen Aufenthalts: Die Betroffenen im Rahmen einer sogenannten Rheumakomplexbehandlung fitmachen, damit sie ihren Alltag wieder besser bewerkstelligen können.
Ergotherapeut:innen erklären, warum Überlastung bei Rheuma kontraproduktiv wirkt
Für die Belange des Alltags ist vor allem eine Disziplin zuständig: Ergotherapeut:innen. Auch sie mobilisieren, so wie Physiotherapeut:innen, die Gelenke motorisch-funktionell. Allerdings richten sie ihren Fokus dabei auf den Alltag der Rheumapatient:innen. Ergotherapeut:innen fragen unter anderem nach den Abläufen und Gewohnheiten im Alltag und den Tätigkeiten, die die Patient:innen ausführen müssen oder möchten. Bollermann beschreibt ihr Vorgehen so: "Gemeinsam und im Schulterschluss arbeiten Ergotherapeut:innen und die an Rheuma Erkrankten Strategien aus, wie diese gelenkschonendes Verhalten und weitere Maßnahmen, die den Einschränkungen durch die Erkrankung entgegenwirken, in ihren Alltag einbauen können". Gleichzeitig vermitteln Ergotherapeut:innen Ansätze wie Pacing als zielführendes Energiemanagement. Mit diesem Instrument lernen von Rheuma Betroffene, wie es gelingt, sich bis kurz vor die Schmerzgrenze zu belasten und dieses Zeitfenster schmerzfreier Bewegung sukzessive auszudehnen. Pacing spielt im Übrigen auch bei Fatigue, den Erschöpfungserscheinungen, die oftmals mit Rheuma einhergehen, eine wichtige Rolle: Die Kontrolle über den eigenen Energiehaushalt ist das A & O, um sich nicht zu überlasten, sondern genügend Energie für die Dinge zu haben, die an Rheuma Erkrankte für sich selbst als wichtig erachten. Ergotherapeut:innen erklären auch die Zusammenhänge ihres Vorgehens, etwa, dass sie bei der manuellen Therapie Gelenke nur in dem Maß bewegen, dass die Produktion von Synovia angeregt, Überlastung hingegen vermieden wird. Synovia ist eine körpereigene Flüssigkeit mit hoher Viskosität, die wie ein natürliches Schmiermittel wirkt und für die Geschmeidigkeit von Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnenscheiden sorgt.
Ergotherapeut:innen entstigmatisieren Hilfsmittel und fördern Partizipation
Rheuma kann den Alltag auch dann drastisch negativ verändern, wenn es um Aspekte wie Partizipation und Teilhabe geht. Nicht alle Formen von Rheuma sind sichtbar. Betroffene lehnen in diesen Fällen häufig den Gebrauch von Hilfsmitteln, vor allem in der Öffentlichkeit, ab. "Aussagen wie "Brille macht alt, Rollator sowieso" sind Klischees, die Betroffene im Zusammenhang mit Rheuma besser aus ihren Gedanken verbannen sollten", findet die Ergotherapeutin Bollermann und verdeutlicht dies an einem Beispiel: "Ab einem bestimmten Zeitpunkt benötigen Menschen mit rheumatoider Arthritis, einer der am weitesten verbreiteten Formen von Rheuma, zum selbstständig essen eine Griffverdickung, weil sie Messer und Gabel mit ihren Händen nicht mehr umschließen können. Dies sollte sie jedoch nicht davon abhalten, weiterhin an Treffen oder gemeinsamen Veranstaltungen mit Freund:innen wie Essen gehen teilzunehmen und dabei die benötigen Hilfsmittel einzusetzen". Die Ergotherapeutin spricht mit ihren Patient:innen im Vorfeld über die Vorteile von Hilfsmitteln und unter anderem auch darüber, wie sie die Veränderungen durch ihre Erkrankung anderen gegenüber humorvoll verpacken können. Sie weiß, dass es manchmal einen "Trendsetter" benötigt, der andere aus der Runde - meist sind es Gleichaltrige, die ebenfalls gesundheitliche Schwierigkeiten haben - inspiriert, sich ebenfalls um passende Hilfsmittel zu bemühen. Hilfsmittel sind vor allem deshalb wichtig, weil sie Bewegung und dadurch Selbstständigkeit ermöglichen. Wer zu viel "machen lässt", riskiert, dass Gelenke und Muskulatur weiter abbauen und versteifen und sich dadurch die Krankheitssymptome schneller verschlechtern als bei einem möglichst aktiven Lebensstil. Dank ergotherapeutischer Aufklärung haben Rheumapatient:innen einen Wissensvorsprung, der ihnen zu einer verzögerten Krankheitsentwicklung und vor allem mehr Lebensqualität verhelfen kann.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche.
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