Gold und Bitcoin bestehen den aktuellen Krisentest nur bedingt. Trotz der geopolitischen Spannungen und des hohen Ölpreises geriet Gold in der Woche bis zum Freitag deutlich unter Druck. Auch Bitcoin verzeichnete am Donnerstag deutliche Verluste. Das überrascht vor allem jene Anleger, die beide Anlagen als Schutz vor Inflation, Währungskrisen und Turbulenzen an den Finanzmärkten betrachten. Tatsächlich erfüllen Gold und Bitcoin sehr unterschiedliche Funktionen.
Bei Gold spielt derzeit das hohe Renditeniveau am Anleihemarkt eine wichtige Rolle. Hohe Renditen amerikanischer Staatsanleihen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen. Besonders wichtig sind die Realzinsen, also die um Inflationserwartungen bereinigten Renditen. Je höher sie ausfallen, desto größer sind die Opportunitätskosten des unverzinsten Edelmetalls. Ein stärkerer Dollar belastet zusätzlich. Zwar profitieren Goldanleger aus dem Euroraum dann vom Wechselkurseffekt. Dieser gleicht die Verluste aber nicht zwangsläufig aus.
Die geopolitischen Spannungen haben derzeit gegenläufige Auswirkungen auf Gold. Einerseits steigt das Interesse an sicheren Anlagen. Andererseits schüren höhere Ölpreise Inflationssorgen und erschweren der US-Notenbank eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Hinzu kommen Verkäufe spekulativer Anleger. Im September gingen die Goldpreise trotz kräftiger Mittelzuflüsse in Gold-ETFs zurück, weil höhere Anleiherenditen, ein stärkerer Dollar und Positionsabbau am Terminmarkt überwogen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Gold als Krisenschutz versagt. Physisches Gold besitzt keinen Schuldner und unterliegt keinem unmittelbaren Ausfallrisiko. Es profitiert langfristig vom Misstrauen gegenüber Papierwährungen und überschuldeten Staaten. Kurzfristig schützt es aber weder zuverlässig vor Inflation noch vor Börsenverlusten. Bei schweren Finanzmarktkrisen wird zeitweise auch Gold verkauft, um Liquidität zu beschaffen.
Bei Bitcoin fällt die Bilanz deutlich kritischer aus. Die Begrenzung auf maximal 21 Mio. Einheiten macht die Kryptowährung zwar knapp. Daraus folgt jedoch kein verlässlicher Inflationsschutz. Anders als Gold verfügt Bitcoin über keine jahrtausendealte Rolle als Wertaufbewahrungsmittel. Der Kurs wird stark von Anlegerstimmung, Liquidität und spekulativen Kapitalströmen bestimmt.
Eine im August veröffentlichte Forschungsarbeit der Federal Reserve Bank of Chicago zeigt, dass sich Bitcoin zunehmend wie eine risikoreiche Aktienanlage verhält. Die Abhängigkeit von der allgemeinen Börsenstimmung hat deutlich zugenommen. Steigende Zinsen, sinkende Risikobereitschaft und der Abbau kreditfinanzierter Positionen belasten deshalb häufig gleichzeitig Aktien und Bitcoin. Das macht die Kryptowährung als Absicherung eines Aktienportfolios wenig geeignet. Langfristig bietet Bitcoin bei wachsender Akzeptanz erhebliches Kurspotenzial. Die damit verbundenen Schwankungen bleiben jedoch außergewöhnlich hoch.
Fazit: Anleger sollten drei Risiken getrennt absichern. Gegen kurzfristige Börsenturbulenzen eignen sich vor allem Tagesgeld und kurzlaufende, hochwertige Euro-Staatsanleihen. Gegen langfristige Währungs- und Vertrauenskrisen ist Gold im Vergleich zu Bitcoin die bessere Wahl. Für ein breit gestreutes Depot ist eine Goldquote von 5 bis 10 % sinnvoll. Angesichts des hohen Realzinsniveaus empfiehlt sich der Aufbau in mehreren Schritten statt eines sofortigen Großeinstiegs.
Bitcoin erfüllt dagegen keine verlässliche Schutzfunktion. Eine Beimischung von höchstens 1 bis 2 % ist ausschließlich als spekulative Anlage vertretbar. Entscheidend ist dabei ein oft übersehener Zusammenhang: Wer bereits stark in Aktien investiert ist, erhöht mit Bitcoin vor allem sein bestehendes Marktrisiko. Gold hat dagegen über längere Zeiträume die Risikostreuung verbessert. Wer in der nächsten Krise tatsächlich handlungsfähig bleiben will, benötigt deshalb zuerst Liquidität, anschließend Gold und allenfalls danach Bitcoin.
Interessieren Sie Themen wie diese? Dann sollten Sie sich den "Aktionärsbrief" ist im Abonnement oder im Einzelabruf erhältlich. In der aktuellen Ausgabe nehmen wir beispielsweise das Thema Kupfer näher unter die Lupe und stellen fünf Aktien vor, die auf unterschiedliche Weise vom Kupferboom profitieren.
Oliver Kantimm, Bernecker-Redaktion
www.bernecker.info

Bei Gold spielt derzeit das hohe Renditeniveau am Anleihemarkt eine wichtige Rolle. Hohe Renditen amerikanischer Staatsanleihen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen. Besonders wichtig sind die Realzinsen, also die um Inflationserwartungen bereinigten Renditen. Je höher sie ausfallen, desto größer sind die Opportunitätskosten des unverzinsten Edelmetalls. Ein stärkerer Dollar belastet zusätzlich. Zwar profitieren Goldanleger aus dem Euroraum dann vom Wechselkurseffekt. Dieser gleicht die Verluste aber nicht zwangsläufig aus.
Die geopolitischen Spannungen haben derzeit gegenläufige Auswirkungen auf Gold. Einerseits steigt das Interesse an sicheren Anlagen. Andererseits schüren höhere Ölpreise Inflationssorgen und erschweren der US-Notenbank eine Lockerung ihrer Geldpolitik. Hinzu kommen Verkäufe spekulativer Anleger. Im September gingen die Goldpreise trotz kräftiger Mittelzuflüsse in Gold-ETFs zurück, weil höhere Anleiherenditen, ein stärkerer Dollar und Positionsabbau am Terminmarkt überwogen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Gold als Krisenschutz versagt. Physisches Gold besitzt keinen Schuldner und unterliegt keinem unmittelbaren Ausfallrisiko. Es profitiert langfristig vom Misstrauen gegenüber Papierwährungen und überschuldeten Staaten. Kurzfristig schützt es aber weder zuverlässig vor Inflation noch vor Börsenverlusten. Bei schweren Finanzmarktkrisen wird zeitweise auch Gold verkauft, um Liquidität zu beschaffen.
Bei Bitcoin fällt die Bilanz deutlich kritischer aus. Die Begrenzung auf maximal 21 Mio. Einheiten macht die Kryptowährung zwar knapp. Daraus folgt jedoch kein verlässlicher Inflationsschutz. Anders als Gold verfügt Bitcoin über keine jahrtausendealte Rolle als Wertaufbewahrungsmittel. Der Kurs wird stark von Anlegerstimmung, Liquidität und spekulativen Kapitalströmen bestimmt.
Eine im August veröffentlichte Forschungsarbeit der Federal Reserve Bank of Chicago zeigt, dass sich Bitcoin zunehmend wie eine risikoreiche Aktienanlage verhält. Die Abhängigkeit von der allgemeinen Börsenstimmung hat deutlich zugenommen. Steigende Zinsen, sinkende Risikobereitschaft und der Abbau kreditfinanzierter Positionen belasten deshalb häufig gleichzeitig Aktien und Bitcoin. Das macht die Kryptowährung als Absicherung eines Aktienportfolios wenig geeignet. Langfristig bietet Bitcoin bei wachsender Akzeptanz erhebliches Kurspotenzial. Die damit verbundenen Schwankungen bleiben jedoch außergewöhnlich hoch.
Fazit: Anleger sollten drei Risiken getrennt absichern. Gegen kurzfristige Börsenturbulenzen eignen sich vor allem Tagesgeld und kurzlaufende, hochwertige Euro-Staatsanleihen. Gegen langfristige Währungs- und Vertrauenskrisen ist Gold im Vergleich zu Bitcoin die bessere Wahl. Für ein breit gestreutes Depot ist eine Goldquote von 5 bis 10 % sinnvoll. Angesichts des hohen Realzinsniveaus empfiehlt sich der Aufbau in mehreren Schritten statt eines sofortigen Großeinstiegs.
Bitcoin erfüllt dagegen keine verlässliche Schutzfunktion. Eine Beimischung von höchstens 1 bis 2 % ist ausschließlich als spekulative Anlage vertretbar. Entscheidend ist dabei ein oft übersehener Zusammenhang: Wer bereits stark in Aktien investiert ist, erhöht mit Bitcoin vor allem sein bestehendes Marktrisiko. Gold hat dagegen über längere Zeiträume die Risikostreuung verbessert. Wer in der nächsten Krise tatsächlich handlungsfähig bleiben will, benötigt deshalb zuerst Liquidität, anschließend Gold und allenfalls danach Bitcoin.
Interessieren Sie Themen wie diese? Dann sollten Sie sich den "Aktionärsbrief" ist im Abonnement oder im Einzelabruf erhältlich. In der aktuellen Ausgabe nehmen wir beispielsweise das Thema Kupfer näher unter die Lupe und stellen fünf Aktien vor, die auf unterschiedliche Weise vom Kupferboom profitieren.
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