26.10.2026 -
Obwohl die Energiepreise weiter steigen, werden die US Federal Reserve am 28. Oktober und die Europäische Zentralbank am 29. Oktober vermutlich ihre Geldpolitik nicht erneut straffen. Schließlich haben sie in den vergangenen Monaten bereits auf den Energiekostenschub reagiert, den US-Präsident Trump mit seinem Krieg gegen den Iran ausgelöst hat. Sofern die Ölpreise auf den Weltmärkten in den kommenden Wochen nicht nachgeben oder die Konjunktur sich nicht unerwartet stark abschwächt, werden sie nach dieser Verschnaufpause dann im Dezember ihre Leitzinsen vermutlich erneut um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben.
In der Eurozone ist die Inflation im September auf 3,8 % gestiegen, den höchsten Wert seit drei Jahren. Für sich genommen wird der deutsche Tankrabatt den Preisauftrieb in der Eurozone von Oktober bis Dezember zwar um etwa 0,1 Prozentpunkt senken. Aber der weitere Anstieg der Ölpreise verheißt nichts Gutes. Die Inflationsrate in der Eurozone wird deshalb bis weit in das Jahr 2027 hinein deutlich über 3 % verharren wird.
Aus zwei Gründen sollte das allerdings für die EZB kein Anlass sein, noch stärker auf die geldpolitische Bremse zu treten, als sie es bereits getan hat. Erstens gibt es bisher fast keine Anzeichen, dass der Energiepreisschock sich zu einem allgemeinen Inflationsproblem ausweitet. Die berüchtigten Zweitrundeneffekte über höhere Löhne sind bisher nicht eingetreten. Zudem sind die Anleiherenditen und damit die Finanzierungskosten für die Wirtschaft in den letzten Wochen erheblich gestiegen. Das bremst die Konjunktur und grenzt den hausgemachten Inflationsdruck weiter ein. Zwar ist es nicht die Aufgabe der EZB, den fundamental gerechtfertigten Anstieg der Risikoprämien für französische Staatsanleihen zu bekämpfen. Aber die sich abzeichnende Schwäche der Euro-Konjunktur, zu der die Sorgen um Frankreich beitragen, muss sie für ihre Geldpolitik schon berücksichtigen. Da die EZB im Juni und September bereits zweimal ihre Zinsen als Reaktion auf höhere Ölpreise angehoben hat, steht zu befürchten, dass sie noch einmal an der Zinsschraube drehen wird, wenn sie im Dezember neue Projektionen für Inflation und Wachstum vorlegen wird und die Lage an den Energiemärkten sich bis dahin nicht etwas entspannt hat.
Auch für die US-Notenbank sehen wir keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Die Inflation dort ist zwar weiterhin hoch. Aber der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt etwas abgeschwächt. Deshalb kann die Fed abwarten, bis sie im Dezember auf der Basis weiterer Daten ihre Geldpolitik neu kalibrieren kann. Sollte sich bis dahin gezeigt haben, dass die Konjunktur zumindest vorläufig weiterhin robust geblieben ist, wird sie dann wahrscheinlich ihre Leitzinsspanne noch einmal um einen Viertel Prozentpunkt auf dann 4,0 - 4,25 % anheben.
Für das Jahr 2027 erwarten wir langsam rückläufige Ölpreise: Entweder wird die Straße von Hormus wieder geöffnet, oder die Weltwirtschaft wird diese Engstelle immer weniger brauchen, da Öl und Gas dann vermehrt auf anderen Wegen und aus anderen Quellen auf den Markt kommen werden. Damit gäbe es für die Zentralbanken 2027 weniger Grund, die Geldpolitik weiter zu straffen. Wir rechnen deshalb damit, dass sowohl die EZB als auch die Fed im kommenden Jahr ihre Leitzinsen nicht weiter anheben werden. Da es in der Eurozone kaum hausgemachten Inflationsdruck gibt, wäre es gerade für die EZB ein Fehler, die derzeit labile Konjunktur durch noch höhere Leitzinsen weiter zu schwächen.

