Frankreich: Proteste auch am Bondmarkt
Wenn man spöttisch sein will, könnte man sagen: Die Protestler in Frankreich haben nicht nur Rathäuser angezündet, sondern auch den Bondmarkt. Jedenfalls stößt derjenige, der dieser Tage - sinnbildlich - den Markt für europäische Staatsanleihen besucht, auf einen lichterloh brennenden Verkaufsstand für Obligations Assimilables du Trésor, wie französische Schuldpapiere in der Fachsprache heißen. Gleichzeitig finden die Bundesanleihen am Stand gegenüber reißenden Absatz. Warum beherrscht La Grande Nation derzeit die Schlagzeilen und was sollte ein Anleger in diesem Umfeld berücksichtigen? Eine Aufarbeitung.
Viele Anleger dürften aus der Zeit der europäischen Schuldenkrise in den Jahren 2009 bis 2012 noch mit dem Begriff "Spread" vertraut sein. Im Markt für festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet der "Spread" die Renditedifferenz zwischen zwei vergleichbaren Schuldpapieren. Der Spread, auf den dieser Tage alle schauen, ist der Renditeaufschlag französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen im zehnjährigen Laufzeitsegment, bisweilen fast schon liebevoll "Le Spread" genannt.
