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Nach einem zeitweise scharfen Einbruch hat sich die Allianz-Aktie zuletzt gut erholen können, doch die größte technische Herausforderung steht erst noch bevor.
Allianz: Der Kursgarant gerät ins Straucheln
Die Aktie des Versicherungsriesen Allianz gehörte in den vergangenen Jahren zu den unerschütterlichen Kursgaranten im deutschen Leitindex DAX. Mit einer Verdopplung innerhalb der vergangenen 3 Jahre und einer Performance von fast 200 Prozent gegenüber dem letzten Bärenmarkttief im Herbst 2022 hat das Papier entscheidend zum Erfolg des gesamten deutschen Aktienmarktes beigetragen.
Dabei zeigten sich die Münchner von Krisen wie dem Zoll-Crash sowie dem Iran-Krieg nur wenig beeindruckt - die weltweit stark steigenden Anleiherenditen sorgten für höhere Zinserträge auf Einlagen, während Großschäden trotz Klimawandelfolgen, wie den verheerenden Waldbränden in Spanien und Südfrankreich, überwiegend ausblieben.
Aktie erholt, doch die Bewährungsprobe steht erst jetzt bevor
In den vergangenen Wochen ist der Kursmotor jedoch sichtlich ins Stocken geraten. Zum einen zeichnet sich mit dem drohenden Super-El-Nino eine erhöhte Wahrscheinlichkeit auf Extremwetterereignisse und damit entsprechende Folgeschäden ab und zum anderen erreichte der Abverkauf am Anleihemarkt kritische Niveaus, da er zu hohen Buchverlusten bei Anleiheportfolios führte, insbesondere auch bei der Allianz-Tochter PIMCO.
Inzwischen hat sich die Lage hier etwas beruhigt, was sich auch in einer Erholung der Aktie niedergeschlagen hat. Aus der Gefahrenzone ist die Allianz damit aber noch nicht. Im Gegenteil könnte die Aufwärtskorrektur ihr Ziel sogar bereits erreicht haben und das Papier vor neuen Verlusten stehen, wie der Blick auf den Chart und die technischen Indikatoren zeigt.

Allianz unter Druck: Zwischenzeitlich zu heiß gelaufen?
Übergeordnet handelt die Aktie der Allianz in einem langfristigen Aufwärtstrend. Der letzte ebenso nachhaltige wie starke Kursimpuls ging vom Bärenmarkttief im Herbst 2022 bei 156,22 Euro aus und führte das Papier in diesem Jahr zu neuen Rekordnotierungen von fast 455 Euro. Das entspricht einer Performance von fast 200 Prozent. Damit die Aktie der Geschäftsentwicklung allerdings vorausgeeilt, denn der Gewinn pro Aktie legte zwischen dem Geschäftsjahr 2022 von 16,26 Euro auf voraussichtlich 30,72 Euro im laufenden Geschäftsjahr "nur" um 88,9 Prozent zu. Der anhaltende Aufwärtstrend hatte somit auch eine Expansion der Bewertungsvielfache zur Folge.
Das hat die Allianz-Aktie zunehmend anfällig für Korrekturen gemacht. In den vergangenen Wochen war es dann so weit, nachdem es im Relative-Stärke-Index (RSI) sowie im Trendstärkeindikator MACD zu bearishen Divergenzen und im Chart zu einer Top-Bildung im Bereich von 450 Euro gekommen war. Unter dem Druck einer Bewertung über dem historischen Durchschnitt sowie dem Gegenwind vom Anleihemarkt fiel das Papier unter den Unterstützungsbereich bei 440 Euro und damit auch unter die 50-Tage-Linie, was einen Test der im März gestarteten Aufwärtstrendlinie zur Folge hatte.
Der Aktie drohen jetzt weitere Verluste ...
Hier stießen die Münchner auf Kaufinteresse, was in Verbindung mit einer Entspannung am Anleihemarkt zur Verteidigung der Aufwärtstrendlinie und einer korrektiven Erholungsbewegung geführt hat, nachdem die Aktie zeitweise überverkauft war. Im Bereich von 435 Euro sowie der 50-Tage-Linie ist die Erholung allerdings ins Stocken geraten. Gelingt hier kein zügiger Kurserfolg, könnte die Allianz erneut unter Druck geraten und ihre Korrektur verschärfen.
Grundlage für diese These sind die technischen Indikatoren, welche sich zuletzt zwar ebenfalls verbessert haben, die ihre Ende Juni gestarteten Abwärtstrends bislang aber nicht verlassen haben. Das dürfte für neuen Gegenwind sorgen. Insbesondere der MACD notiert dabei in einer kritischen Ausgangslage, denn ihm ist nur mit Mühe der Vorzeichenwechsel und damit das Anzeigen eines neuen kurzfristigen Aufwärtstrends der Aktie gelungen. Es genügt schon ein schwacher Handelstag und der MACD würde erneut unter die Nulllinie rutschen und damit eine Korrekturfortsetzung anzeigen.
Während also zur Oberseite ein rascher Erfolg nötig ist, um mit dem Sprung über die 50-Tage-Linie ein prozyklisches Kaufsignal zu generieren und die Chance auf eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends zu wahren, überwiegen technisch die negativen Tendenzen. Erneuter Verkaufsdruck dürfte in einer Aufgabe der aktuellen Aufwärtstrendlinie und in einem Test der 200-Tage-Linie bei rund 400 Euro münden. Im Bereich von 395 Euro liegt außerdem eine weitere Horizontalunterstützung, die aus früheren Hochs und der Ausbruchslinie gebildet wird. Mehrwöchige Korrekturen sollten hier zum Stehen kommen, sollte sich nicht das Gesamtmarktumfeld erheblich eintrüben.
Fazit: ... und auch die Bewertung ist noch nicht wieder fair
Trotz der jüngsten Erholung haben bei der Allianz-Aktie die Verkäuferinnen und Verkäufer gegenwärtig die etwas besseren Karten. Sollte ein zügiges Kaufsignal daher ausbleiben, dürften die Anteile der Münchner vor einem Test der Marke von 400 Euro stehen. Ein Beinbruch wäre das mit Blick auf die in den vergangenen 12 Monaten zufriedenstellende Bilanz jedoch nicht, erst ein dauerhafter Einbruch unter 400 Euro würde die Aktie auch übergeordnet in Schwierigkeiten bringen.
Trotzdem sollten Anlegerinnen und Anleger gegenwärtig wachsam bleiben. Anhaltend hohe Energiepreise sowie die Aussicht auf weiter steigende Leitzinsen könnten die Krise am Anleihemarkt rasch aufflammen lassen und damit Allianz-Tochter PIMCO wieder unter Druck setzen. Gleichzeitig dürfte die Allianz unverändert anfällig für Bewertungskorrekturen bleiben, denn mit einem KGVe 2026 von 13,9 und von 12,9 für 2027 liegt die Allianz noch immer über dem 10-Jahres-Mittel von 12,0 sowie über dem Branchendurchschnitt von 11,7. Hier ist also einiges an weiterem Wachstum bereits eingepreist.
Gastautor: Max Gross
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