
© Foto: KI-Support
Von knapp über 89 Euro im Juni auf zeitweise unter 49 Euro. Die Infineon-Aktie hat Anleger nach dem starken Anstieg zuletzt richtig kräftig durchgeschüttelt. Jetzt hellt sich das Bild wieder auf. Die starken Zahlen von SK hynix könnten der ganzen Branche neuen Schub verleihen. Gleichzeitig legt Infineon in Österreich mehr als eine Milliarde Euro auf den Tisch. Doch wie lange kann die Erholung sich fortsetzen? Eine einzige Kursmarke könnte entscheiden, ob es nach oben oder wieder nach unten geht. Und in zwei Wochen wartet schon der nächste große Test. Wir zeigen, was für den Kurs spricht, was dagegen und worauf Investoren jetzt achten sollten.
Milliarden für Villach
Infineon setzt ein dickes Ausrufezeichen. Am Dienstag kündigte der Konzern an, bis 2034 rund 1,1 Milliarden Euro in den Standort Villach zu stecken. Dort entsteht die weltweit erste Großfertigung für Galliumnitrid-Chips auf 300-Millimeter-Wafern. Los geht es schon Ende 2027. Die EU hilft mit 319 Millionen Euro aus dem Chips Act. Aus einem Wafer holt Infineon damit rund 2,3-mal mehr Chips heraus als bisher. Der Hintergrund ist schnell erklärt. KI-Rechenzentren brauchen Unmengen an Strom, und der muss möglichst effizient verteilt werden. Genau da spielt Infineon seine Stärke aus, denn erst vor Kurzem vertiefte der Konzern die Zusammenarbeit mit Nvidia. Dazu kam die Übernahme von C2i. Die Börse reagierte auf die Villach-Nachricht trotzdem nur verhalten. Neue Jobs entstehen dort zwar nicht, die bestehenden Stellen werden aber gesichert.

Charttechnik
Der Kurs hat sich zuletzt berappelt. Die Marke von 50 Euro ist wieder geknackt und zur Wochenmitte lag die Aktie bei knapp 53,30 Euro. Das Hoch vom Juni lag bei über 89 Euro, der Abstand bleibt also auch jetzt noch riesig. Rückenwind kommt aktuell aus Asien. SK hynix meldet dank des KI-Booms einen deutlich höheren operativen Gewinn. Im Sog dieser Zahlen könnte auch Infineon weiter fester gehen, ein Lauf in Richtung 60 Euro scheint drin zu sein. Entscheidend ist aber die Unterstützung bei 48,12 Euro. Solange die Aktie darüber bleibt, ist das Bild intakt. Rutscht sie darunter, wird es ungemütlich. Dann könnte es zurück in Richtung 40 Euro gehen. Anleger sollten diese Marke deshalb genau im Auge behalten. Sie trennt Erholung und neuen Abverkauf. Kurzfristig bleibt die Lage nervös, das zeigen die heftigen Schwankungen der vergangenen Wochen.
Was tun?
Operativ läuft es gute und im Quartal bis Juni erzielte Infineon mit 4,17 Milliarden Euro, was der höchste Umsatz der Firmengeschichte ist. Die Marge stieg auf 19,1 Prozent, die Jahresprognose wurde angehoben. Für das Gesamtjahr peilt der Konzern rund 16,3 Milliarden Euro Umsatz an. Die Deutsche Bank hält den heftigen Rückschlag der vergangenen Wochen für übertrieben, auch viele andere Analysten raten zum Kauf. Das mittlere Kursziel liegt klar über dem aktuellen Kurs, aber trotzdem bleibt Vorsicht angebracht. Das Autogeschäft schwächelt und das könnte auch bei Infineon dämpfen, das KGV ist mit über 50 recht hoch und die KI-Sorgen können jederzeit zurückkehren. Am 10. November neue Zahlen samt Ausblick. Wer einsteigen will, könnte dies gestaffelt tun. Wer schon dabei ist, bleibt mit Blick auf die "48-Euro-Marke" wachsam.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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