München (ots) -
Wer kennt die Satzfetzen von überforderten Kindern nicht: Will ich nicht, keinen Bock, brauche Me-Time. Doch sind Rückzug, Leistungsverlust und stetige Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen große Alarmsignale an das Lebensumfeld; seien es Kindergarten, Hort, Schule, Hobbies und / oder die Familie. Wenn der Nachwuchs sich dauerhaft so verhält, ist rasches Handeln geboten. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt sollte so bald wie möglich die Analyse von Ursachen beginnen. Eine Diagnostik durch Kinder- und Jugendpsychologen beziehungsweise -psychiater sollte lieber zu früh als zu spät aufgenommen werden. Auch aufgrund langer Wartezeiten für professionelle Diagnostik und Begleitung ist schnelles Handeln geboten. Denn es geht um die mentale Gesundheit und damit die Zukunft der eigenen Kinder.
Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen benötigt professionelle Hilfe
Laut der im Jahr 2025 erhobenen 8. COPSY Studie der Universität Hamburg-Eppendorf (UKE) legen 22% der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten an den Tag und 23% berichten von einer in ihrer Wahrnehmung geminderten Lebensqualität. Diese Werte liegen bei der Altersgruppe noch immer um etwa fünf Prozentpunkte über dem Niveau vor der Covid-19-Pandemie (ca. 18 %). Für unsere Gesellschaft ist dies ein sehr hohes Niveau von psychischen Belastungen, die in einem überlasteten Therapiesystem nicht ausreichend aufgefangen werden können.
Ein Beispiel: Der zehnjährige Tim war früher ein fröhliches Kind, spielte begeistert Fußball und verbrachte gern Zeit mit anderen Kindern. Nachdem bei ihm im Alter von fünf Jahren Diabetes festgestellt worden war, veränderte sich sein Verhalten zunehmend. Er zog sich zurück, sprach und spielte weniger mit anderen. Neben Traurigkeit zeigte er auch Wut und aggressives Verhalten.
In der Schule belasteten ihn Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Wegen seiner Diabeteserkrankung wurde er zudem von anderen Kindern geärgert und konnte an manchen gemeinsamen Aktivitäten nicht teilnehmen. Tim entwickelte zunehmend Versagensängste und wandte sich vom Unterricht ab. Sein Selbstwertgefühl litt unter den wiederholten Erfahrungen von Ausgrenzung.
Seine Depression wurde erst spät erkannt. Zu Beginn seiner psychotherapeutischen Behandlung wirkte er bedrückt und zurückhaltend; zugleich fiel es ihm schwer, ruhig zu sitzen und zuzuhören. Im Verlauf der Behandlung wurde er wieder zugänglicher und fröhlicher. Nach Abschluss der Therapie spielte er erneut Fußball und erhielt Unterstützung bei schulischen Schwierigkeiten. *)
Der Weg zur Therapie
In der Regel beginnt ein Weg für das Kind beim Kinder- und Jugendarzt beziehungsweise dem Hausarzt. Er oder sie kennt die bisherige gesundheitliche Entwicklung des betroffenen Kindes gut. Eine Bewertung, ob es eine anlassbezogene negative Phase ohne Gefahr einer psychischen Dauerbelastung oder eine ernstzunehmende psychische Erkrankung droht, treffen Sorgeberechtigte, Ärzte sowie gegebenenfalls das Kind selbst und weitere Betreuungspersonen (Kindergarten, Hort, Schule oder Hobby) gemeinsam.
Wenn die Bewertung die Notwendigkeit einer weitergehenden Abklärung zum Ergebnis hat, ist der nächste Schritt die Überweisung des Kindes an eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie sind die richtigen Ansprechpartner für eine umfassende, störungsbezogene Diagnostik und eine mögliche Therapie.
Eine umfassende Behandlung beinhaltet häufig mehrere Bausteine: Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen und in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung. Auch ein ambulanter oder stationärer Klinikaufenthalt kann infrage kommen.
Je nach Alter, Charakter und Diagnose des zu behandelnden Kindes wird ein individueller Therapieplan und -mix aufgestellt. Da manchmal auch mehrere kritische Faktoren zu behandeln sind, kann ein Psychotherapeut gemeinsam mit ärztlicher Unterstützung mehrere Therapieansätze und Behandlungsformen gleichzeitig oder nacheinander einsetzen. Hierzu kann auch die Gabe von Medikamenten gehören.
In jedem Fall ist rasches Reagieren auf die Alarmsignale des Kindes geboten. Die gute Botschaft ist: Wenn zeitnah die Behandlung und Therapie einsetzt, sinkt die Gefahr einer Wiedererkrankung als Erwachsener deutlich, und die Lebensqualität der Betroffenen sowie der Familien und des Umfelds steigt dauerhaft.
* Quelle des Beispiels: Euen, C., & Arnold, R. (2015, 18. Juni). Depression im Kindesalter: Wenn Lachen nicht mehr möglich ist. Deutschlandfunk Kultur.
Lesen Sie das Dossier von Dr. Christine Amrhein und Angelika Völkel zu Psychischen Störungen bei Kindern:
https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/kinder/warnsignale/
Therapeutensuche
https://www.therapie.de/therapeutensuche/
Akute Hilfe
Wenn dieser Artikel bei Ihnen Ängste, Beklemmungen oder weitere Probleme auslöst, holen Sie sich bitte rasch externe Hilfe bei der Hausärztin oder dem Hausarzt. Kassenpatienten können rund um die Uhr die Nummer 116 117 wählen.
Falls Ihnen ein Trauma akut Beschwerden verursacht, rufen Sie eine der Hilfenummern an oder schreiben im Chat. Es gibt auch regionale Trauma-Akutzentren, die Ihnen in Ihrem Bundesland oder Stadtstaat rasch weiterhelfen.
Die Telefonseelsorge ist online und unter den Telefonnummern (0800) 111 0 111, (0800) 111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar.
https://www.telefonseelsorge.de/chat/
Akute Hilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gibt es bei der "Nummer gegen Kummer" unter der Telefonnummer 116 111.
Für Menschen bis 24 Jahre hilft auch www.krisenchat.de weiter.
Über Pro Psychotherapie e.V.
Der Verband Pro Psychotherapie e.V. setzt sich für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen, verständlichere Informationen über Psychotherapie und den Austausch unter Fachleuten ein. Der Verband wurde im Jahr 2004 in München gegründet. Das Online-Portal therapie.de richtet sich an Hilfesuchende, interessierte Laien und an Experten, die fachlichen Austausch suchen. Knapp 20.000 qualifizierte Psychotherapeuten, Psychologen und psychotherapeutische Heilpraktiker bieten dort ihre professionelle Hilfe an. Mehr Informationen unter www.therapie.de
Pressekontakt:
Pressesprecherin:
Ulrike Propach
Kommunikationsmanagement
Mobil 0178 - 41 55 391
presse@therapie.de
Ansprechpartner therapie.de:
pro psychotherapie e.V.
Dipl.-Psych. Fritz Propach
Landwehrstr. 35
80336 München
Tel. 089 - 72 99 75 36
psyche@therapie.de
www.therapie.de
Original-Content von: pro psychotherapie e.V., übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/66044/6380367
Wer kennt die Satzfetzen von überforderten Kindern nicht: Will ich nicht, keinen Bock, brauche Me-Time. Doch sind Rückzug, Leistungsverlust und stetige Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen große Alarmsignale an das Lebensumfeld; seien es Kindergarten, Hort, Schule, Hobbies und / oder die Familie. Wenn der Nachwuchs sich dauerhaft so verhält, ist rasches Handeln geboten. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendarzt oder Hausarzt sollte so bald wie möglich die Analyse von Ursachen beginnen. Eine Diagnostik durch Kinder- und Jugendpsychologen beziehungsweise -psychiater sollte lieber zu früh als zu spät aufgenommen werden. Auch aufgrund langer Wartezeiten für professionelle Diagnostik und Begleitung ist schnelles Handeln geboten. Denn es geht um die mentale Gesundheit und damit die Zukunft der eigenen Kinder.
Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen benötigt professionelle Hilfe
Laut der im Jahr 2025 erhobenen 8. COPSY Studie der Universität Hamburg-Eppendorf (UKE) legen 22% der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten an den Tag und 23% berichten von einer in ihrer Wahrnehmung geminderten Lebensqualität. Diese Werte liegen bei der Altersgruppe noch immer um etwa fünf Prozentpunkte über dem Niveau vor der Covid-19-Pandemie (ca. 18 %). Für unsere Gesellschaft ist dies ein sehr hohes Niveau von psychischen Belastungen, die in einem überlasteten Therapiesystem nicht ausreichend aufgefangen werden können.
Ein Beispiel: Der zehnjährige Tim war früher ein fröhliches Kind, spielte begeistert Fußball und verbrachte gern Zeit mit anderen Kindern. Nachdem bei ihm im Alter von fünf Jahren Diabetes festgestellt worden war, veränderte sich sein Verhalten zunehmend. Er zog sich zurück, sprach und spielte weniger mit anderen. Neben Traurigkeit zeigte er auch Wut und aggressives Verhalten.
In der Schule belasteten ihn Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Wegen seiner Diabeteserkrankung wurde er zudem von anderen Kindern geärgert und konnte an manchen gemeinsamen Aktivitäten nicht teilnehmen. Tim entwickelte zunehmend Versagensängste und wandte sich vom Unterricht ab. Sein Selbstwertgefühl litt unter den wiederholten Erfahrungen von Ausgrenzung.
Seine Depression wurde erst spät erkannt. Zu Beginn seiner psychotherapeutischen Behandlung wirkte er bedrückt und zurückhaltend; zugleich fiel es ihm schwer, ruhig zu sitzen und zuzuhören. Im Verlauf der Behandlung wurde er wieder zugänglicher und fröhlicher. Nach Abschluss der Therapie spielte er erneut Fußball und erhielt Unterstützung bei schulischen Schwierigkeiten. *)
Der Weg zur Therapie
In der Regel beginnt ein Weg für das Kind beim Kinder- und Jugendarzt beziehungsweise dem Hausarzt. Er oder sie kennt die bisherige gesundheitliche Entwicklung des betroffenen Kindes gut. Eine Bewertung, ob es eine anlassbezogene negative Phase ohne Gefahr einer psychischen Dauerbelastung oder eine ernstzunehmende psychische Erkrankung droht, treffen Sorgeberechtigte, Ärzte sowie gegebenenfalls das Kind selbst und weitere Betreuungspersonen (Kindergarten, Hort, Schule oder Hobby) gemeinsam.
Wenn die Bewertung die Notwendigkeit einer weitergehenden Abklärung zum Ergebnis hat, ist der nächste Schritt die Überweisung des Kindes an eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie sind die richtigen Ansprechpartner für eine umfassende, störungsbezogene Diagnostik und eine mögliche Therapie.
Eine umfassende Behandlung beinhaltet häufig mehrere Bausteine: Psychotherapie, psychosoziale Maßnahmen und in einigen Fällen auch eine medikamentöse Behandlung. Auch ein ambulanter oder stationärer Klinikaufenthalt kann infrage kommen.
Je nach Alter, Charakter und Diagnose des zu behandelnden Kindes wird ein individueller Therapieplan und -mix aufgestellt. Da manchmal auch mehrere kritische Faktoren zu behandeln sind, kann ein Psychotherapeut gemeinsam mit ärztlicher Unterstützung mehrere Therapieansätze und Behandlungsformen gleichzeitig oder nacheinander einsetzen. Hierzu kann auch die Gabe von Medikamenten gehören.
In jedem Fall ist rasches Reagieren auf die Alarmsignale des Kindes geboten. Die gute Botschaft ist: Wenn zeitnah die Behandlung und Therapie einsetzt, sinkt die Gefahr einer Wiedererkrankung als Erwachsener deutlich, und die Lebensqualität der Betroffenen sowie der Familien und des Umfelds steigt dauerhaft.
* Quelle des Beispiels: Euen, C., & Arnold, R. (2015, 18. Juni). Depression im Kindesalter: Wenn Lachen nicht mehr möglich ist. Deutschlandfunk Kultur.
Lesen Sie das Dossier von Dr. Christine Amrhein und Angelika Völkel zu Psychischen Störungen bei Kindern:
https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/kinder/warnsignale/
Therapeutensuche
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Akute Hilfe
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Falls Ihnen ein Trauma akut Beschwerden verursacht, rufen Sie eine der Hilfenummern an oder schreiben im Chat. Es gibt auch regionale Trauma-Akutzentren, die Ihnen in Ihrem Bundesland oder Stadtstaat rasch weiterhelfen.
Die Telefonseelsorge ist online und unter den Telefonnummern (0800) 111 0 111, (0800) 111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr anonym und kostenfrei erreichbar.
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Über Pro Psychotherapie e.V.
Der Verband Pro Psychotherapie e.V. setzt sich für eine bessere Versorgung von Menschen mit psychischen Problemen, verständlichere Informationen über Psychotherapie und den Austausch unter Fachleuten ein. Der Verband wurde im Jahr 2004 in München gegründet. Das Online-Portal therapie.de richtet sich an Hilfesuchende, interessierte Laien und an Experten, die fachlichen Austausch suchen. Knapp 20.000 qualifizierte Psychotherapeuten, Psychologen und psychotherapeutische Heilpraktiker bieten dort ihre professionelle Hilfe an. Mehr Informationen unter www.therapie.de
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Kommunikationsmanagement
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