Osnabrück (ots) -
Vor dem Jugend-Protesttag an diesem Samstag hat Jugendforscher Klaus Hurrelmann eine Stigmatisierung durch Unionspolitiker und Sicherheitskreise beklagt. "Die Initiative selbst mag naiv und unerfahren sein. Daraus folgt aber nicht, dass man ihre Teilnehmer unter Generalverdacht stellen darf", sagte der Sozialwissenschaftler im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz, Freitagsausgabe). "Wer vor einem Mob warnt, muss deutlich hinzufügen, dass er selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn junge Menschen für ihre Interessen auf die Straße gehen."
Der Regierungsberater und Professor an der Berliner Hertie School reagierte auf Äußerungen etwa von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) über einen "gewaltbereiten Mob". Der Verfassungsschutz warnte vor Ausschreitungen wie in Frankreich und der Unterwanderung durch linksextreme Gruppen.
Ob tatsächlich Gewalt drohe, "das lässt sich nicht seriös vorhersagen", sagte Hurrelmann zu "noz". "Entscheidend ist, wie professionell die Demonstrationen vor Ort organisiert werden. Fehlen eine erfahrene Leitung und eine gute Absicherung, können radikale Personen eine Veranstaltung schnell an sich reißen."
Der Experte hält es aber auch für möglich, dass gar nicht viele Jugendliche dem Aufruf des Bündnisses "GenZ regelt" folgen. "Die Initiative wirkt aus dem Boden gestampft, fast retortenhaft. Man weiß nicht genau, wer sie trägt und Verantwortung übernimmt. Es fehlt ein Gesicht, dazu kommt ein bunter Themenkatalog", sagte Hurrelmann in dem Interview. "Es kann deshalb durchaus sein, dass die Demonstrationen klein bleiben." Ohne die Vorbilder aus Frankreich und vielleicht auch Italien wären sie in Deutschland vermutlich gar nicht zustande gekommen. "Das heißt aber nicht, dass die junge Generation bei uns zufrieden wäre", betonte der Forscher.
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tob
Die von Klaus Hurrelmann autorisierte Gesprächspassage:
Herr Professor Hurrelmann, am Samstag will "GenZ regelt" junge Menschen auf die Straße bringen. Erwarten Sie einen großen Protesttag?
Das muss nicht so kommen. Die Initiative wirkt aus dem Boden gestampft, fast retortenhaft. Man weiß nicht genau, wer sie trägt und Verantwortung übernimmt. Es fehlt ein Gesicht, dazu kommt ein bunter Themenkatalog. Die Bundesschülerkonferenz hat sich demonstrativ distanziert. Es kann deshalb durchaus sein, dass die Demonstrationen klein bleiben. Ohne die Vorbilder aus Frankreich und vielleicht auch Italien wären sie in Deutschland vermutlich gar nicht zustande gekommen. Das heißt aber nicht, dass die junge Generation bei uns zufrieden wäre.
Politik und Polizei warnen vor Gewalt wie in Frankreich. Wie groß ist die Gefahr?
Das lässt sich nicht seriös vorhersagen. Entscheidend ist, wie professionell die Demonstrationen vor Ort organisiert werden. Fehlen eine erfahrene Leitung und eine gute Absicherung, können radikale Personen eine Veranstaltung schnell an sich reißen. Gerade weil wir so wenig über die Organisatoren, ihre Erfahrungen und Motive wissen, bleibt das schwer einzuschätzen. Auch ein friedlich gemeinter Aufruf kann missbraucht werden.
Werden die jungen Demonstranten schon vor ihrem ersten Protest stigmatisiert?
Wer vor einem Mob warnt, muss deutlich hinzufügen, dass er selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn junge Menschen für ihre Interessen auf die Straße gehen. Eine Demonstration darf laut sein. Entscheidend ist, dass sie friedlich bleibt. Wir müssen unterscheiden zwischen Menschen, die berechtigte Anliegen vortragen, und solchen, die eine Veranstaltung nur als Gelegenheit zur Gewalt betrachten. Das sind zwei verschiedene Gruppen. Die Initiative selbst mag naiv und unerfahren sein. Daraus folgt aber nicht, dass man ihre Teilnehmer unter Generalverdacht stellen darf.
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Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/58964/6380570
Vor dem Jugend-Protesttag an diesem Samstag hat Jugendforscher Klaus Hurrelmann eine Stigmatisierung durch Unionspolitiker und Sicherheitskreise beklagt. "Die Initiative selbst mag naiv und unerfahren sein. Daraus folgt aber nicht, dass man ihre Teilnehmer unter Generalverdacht stellen darf", sagte der Sozialwissenschaftler im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz, Freitagsausgabe). "Wer vor einem Mob warnt, muss deutlich hinzufügen, dass er selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn junge Menschen für ihre Interessen auf die Straße gehen."
Der Regierungsberater und Professor an der Berliner Hertie School reagierte auf Äußerungen etwa von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) über einen "gewaltbereiten Mob". Der Verfassungsschutz warnte vor Ausschreitungen wie in Frankreich und der Unterwanderung durch linksextreme Gruppen.
Ob tatsächlich Gewalt drohe, "das lässt sich nicht seriös vorhersagen", sagte Hurrelmann zu "noz". "Entscheidend ist, wie professionell die Demonstrationen vor Ort organisiert werden. Fehlen eine erfahrene Leitung und eine gute Absicherung, können radikale Personen eine Veranstaltung schnell an sich reißen."
Der Experte hält es aber auch für möglich, dass gar nicht viele Jugendliche dem Aufruf des Bündnisses "GenZ regelt" folgen. "Die Initiative wirkt aus dem Boden gestampft, fast retortenhaft. Man weiß nicht genau, wer sie trägt und Verantwortung übernimmt. Es fehlt ein Gesicht, dazu kommt ein bunter Themenkatalog", sagte Hurrelmann in dem Interview. "Es kann deshalb durchaus sein, dass die Demonstrationen klein bleiben." Ohne die Vorbilder aus Frankreich und vielleicht auch Italien wären sie in Deutschland vermutlich gar nicht zustande gekommen. "Das heißt aber nicht, dass die junge Generation bei uns zufrieden wäre", betonte der Forscher.
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tob
Die von Klaus Hurrelmann autorisierte Gesprächspassage:
Herr Professor Hurrelmann, am Samstag will "GenZ regelt" junge Menschen auf die Straße bringen. Erwarten Sie einen großen Protesttag?
Das muss nicht so kommen. Die Initiative wirkt aus dem Boden gestampft, fast retortenhaft. Man weiß nicht genau, wer sie trägt und Verantwortung übernimmt. Es fehlt ein Gesicht, dazu kommt ein bunter Themenkatalog. Die Bundesschülerkonferenz hat sich demonstrativ distanziert. Es kann deshalb durchaus sein, dass die Demonstrationen klein bleiben. Ohne die Vorbilder aus Frankreich und vielleicht auch Italien wären sie in Deutschland vermutlich gar nicht zustande gekommen. Das heißt aber nicht, dass die junge Generation bei uns zufrieden wäre.
Politik und Polizei warnen vor Gewalt wie in Frankreich. Wie groß ist die Gefahr?
Das lässt sich nicht seriös vorhersagen. Entscheidend ist, wie professionell die Demonstrationen vor Ort organisiert werden. Fehlen eine erfahrene Leitung und eine gute Absicherung, können radikale Personen eine Veranstaltung schnell an sich reißen. Gerade weil wir so wenig über die Organisatoren, ihre Erfahrungen und Motive wissen, bleibt das schwer einzuschätzen. Auch ein friedlich gemeinter Aufruf kann missbraucht werden.
Werden die jungen Demonstranten schon vor ihrem ersten Protest stigmatisiert?
Wer vor einem Mob warnt, muss deutlich hinzufügen, dass er selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn junge Menschen für ihre Interessen auf die Straße gehen. Eine Demonstration darf laut sein. Entscheidend ist, dass sie friedlich bleibt. Wir müssen unterscheiden zwischen Menschen, die berechtigte Anliegen vortragen, und solchen, die eine Veranstaltung nur als Gelegenheit zur Gewalt betrachten. Das sind zwei verschiedene Gruppen. Die Initiative selbst mag naiv und unerfahren sein. Daraus folgt aber nicht, dass man ihre Teilnehmer unter Generalverdacht stellen darf.
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