DJ Ifo: Deutschland schlecht auf KI-Boom vorbereitet
Von Andreas Plecko
DOW JONES--Deutschland droht den Anschluss beim wirtschaftlichen Potenzial Künstlicher Intelligenz (KI) zu verpassen. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts fehlen der größten europäischen Volkswirtschaft entscheidende strukturelle Voraussetzungen, um die Wachstumschancen der Technologie voll auszuschöpfen. Das geht aus einer Studie des Münchner Instituts im Auftrag der IHK für München und Oberbayern hervor.
Experten warnen vor allem vor strukturellen Defiziten in Kernbereichen. "Die Hightech-Branche ist noch zu klein, die Verwaltung ist zu wenig digitalisiert, das Bildungssystem passt sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an", sagte Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation.
Besonders im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) weise der Standort Deutschland erhebliche Lücken auf. Der Sektor steuert laut Ifo lediglich 4,6 Prozent zur heimischen Bruttowertschöpfung bei - ein Wert im unteren EU-Mittelfeld. Zudem ist die Abhängigkeit von internationalen Anbietern gewachsen: Bei IKT-Dienstleistungen importierte Deutschland im Jahr 2025 unter dem Strich Leistungen im Wert von 11 Milliarden US-Dollar mehr, als exportiert wurden.
"Kein anderes EU-Land ist im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland", konstatierte Ifo-Forscher Christian Pfaffl.
Auch bei der Modernisierung des öffentlichen Sektors attestiert das Institut Stillstand. Obwohl KI-Systeme in Verbindung mit vorhandenen Behördendaten Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen deutlich beschleunigen könnten, liege Deutschland weit hinter europäischen Nachbarn wie Dänemark, den Niederlanden, Polen oder Österreich zurück. Selbst grundlegende Services wie vorausgefüllte Formulare befänden sich hierzulande noch im Versuchsstadium.
Gleichzeitig hemme der Mangel an digitalem Know-how die betriebliche Umsetzung: 40 Prozent der Achtklässler erreichen laut Ifo-Daten nicht die zweite Kompetenzstufe im Umgang mit Computern und Daten. Bei weiterführenden digitalen Fähigkeiten rangiere Deutschland unter dem EU-Mittelwert. "KI-Anwendungen verbreiten sich rasant, aber zu vielen fehlt das Wissen, sie produktiv zu nutzen", betonte Falck. Fehlende Fachkompetenz bleibe in der Wirtschaft das Haupthindernis bei der Realisierung geplanter KI-Initiativen.
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November 02, 2026 01:51 ET (06:51 GMT)
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