Dresden (ots) -
Seit zehn Jahren wird Männergewaltschutz in Sachsen staatlich finanziert. Damit nimmt der Freistaat eine Vorreiterrolle in Deutschland ein und hat frühzeitig Verantwortung für eine bislang wenig beachtete Gruppe von Betroffenen häuslicher Gewalt übernommen. Die staatliche Förderung ermöglicht es, Männern, die von Gewalt in ihrem häuslichen oder sozialen Umfeld betroffen sind, Schutz und Unterstützung anzubieten. Auch ihre Kinder können in den Schutzeinrichtungen aufgenommen werden.
Wie wichtig diese Angebote sind, zeigen die aktuellen Zahlen der Nutzungsstatistik der Männerschutzeinrichtungen für das Jahr 2025, die von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) herausgegeben wird. Bundesweit hat sich die Zahl der Meldungen bei den Einrichtungen innerhalb von vier Jahren nahezu verdoppelt: von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025. Gleichzeitig ist die Zahl der verfügbaren Schutzplätze nur geringfügig gestiegen. Die Folge: Die Zahl der Abweisungen aufgrund von Platzmangel hat sich von 61 im Jahr 2022 auf 230 im Jahr 2025 nahezu vervierfacht.
Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt: "Die vor zehn Jahren getroffene Entscheidung war richtig, Männergewaltschutz als Teil des Systems beim Schutz vor häuslicher Gewalt aufzubauen und damit auch die Vorgaben der Istanbul-Konvention im Kontext häuslicher Gewalt umzusetzen. Alle Menschen, unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit, können Opfer von Gewalt im häuslichen Kontext werden. Sachsen bleibt Vorreiter: In dieser Woche soll der Landtag das Sächsische Gewalthilfegesetz beschließen. Darin ist vorgesehen, dass alle Betroffenen von häuslicher Gewalt unabhängig von ihrem Geschlecht umfasst sind. Damit gehen wir über das Bundesgesetz hinaus. Männergewaltschutz ist ebenso wichtig wie der Schutz queerer Personen und ist für mich selbstverständlich Teil des gesamten Gewaltschutzsystems."
Auch die Erfahrungen aus den sächsischen Männerschutzeinrichtungen verdeutlichen die Bedeutung der Angebote. Mirko Luckau von der Männerschutzeinrichtung des Männernetzwerk Dresden e.V. berichtet aus zehn Jahren praktischer Arbeit: "Warum ist Männergewaltschutz weiterhin so wichtig? Die kurze Antwort: Weil Betroffene unsere Hilfe brauchen! Die Männer, die sich an uns wenden, stehen oft mitten im Leben. In den letzten zehn Jahren fanden 76 Männer im Alter zwischen 24 und 60 Jahren Schutz in unserer Wohnung. Dabei mussten wir 250 Männern eine Abweisung erteilen. Rund 1.300 weitere Männer im Alter zwischen 17 und 84 Jahren holten sich bei uns Rat ein. Etwa 90 Prozent der Bewohner erarbeiteten sich mit unserem Angebot eine völlig neue Lebensperspektive - mit Wohnungssuche, Arbeitssuche und dem Aufbau sozialer Kontakte."
Die Nutzungsstatistik 2025 der BFKM bestätigt diese Entwicklung auch auf Bundesebene. Jana Peters, die die Statistik erstellt hat, erklärt: "Die Nutzungsstatistik 2025 zeigt sehr deutlich, dass der Bedarf an Schutz und Unterstützung für gewaltbetroffene Männer wächst. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Meldungen bei den Männerschutzeinrichtungen nahezu verdoppelt - von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025. Gleichzeitig ist die Zahl der verfügbaren Schutzplätze nur geringfügig gestiegen. Besonders alarmierend ist, dass sich die Abweisungen aufgrund von Platzmangel im selben Zeitraum fast vervierfacht haben. Hinter diesen Zahlen stehen Männer, die dringend Schutz benötigen, diesen aber nicht immer bekommen können. Die Statistik macht damit deutlich, wie wichtig es ist, bestehende Angebote auszubauen und verlässlich abzusichern, damit Spiralen häuslicher Gewalt wirkungsvoll unterbrochen werden."
Die Erweiterung des Männergewaltschutzes darf dabei nicht als Konkurrenz zum Schutz für Frauen verstanden werden. Frauen sind weiterhin deutlich häufiger von häuslicher Gewalt betroffen und erleben insbesondere schwere und lebensbedrohliche Gewaltformen wesentlich häufiger. Auch die Schutzangebote für Frauen und ihre Kinder müssen deshalb dringend ausgebaut und verlässlich finanziert werden. Ein bedarfsgerechtes Gewalthilfesystem muss die unterschiedlichen Betroffenheiten berücksichtigen und allen von Gewalt betroffenen Menschen wirksamen Schutz und Unterstützung ermöglichen.
Aus Sicht der BFKM muss der Ausbau des Männergewaltschutzes deshalb konsequent vorangetrieben werden. Annalena Schmidt von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz fordert ein flächendeckendes und verlässlich finanziertes Hilfesystem: "Wir brauchen ein flächendeckendes und verlässlich finanziertes Hilfesystem, das auch gewaltbetroffenen Männern und ihren Kindern Schutz und Unterstützung bietet, dazu verpflichtet auch die EU-Gewaltschutzrichtlinie die Bundesländer ab 2027. Unsere Forderung ist deshalb klar: Mittelfristig sollte es mindestens einen Familienplatz in einer Männerschutzeinrichtung pro 200.000 Einwohner*innen geben. Ergänzend braucht es eine spezialisierte Beratungsstelle für Männer pro 200.000 Einwohner*innen. Die Nutzungsstatistik zeigt, dass dort, wo Schutzangebote vorhanden und bekannt sind, Männer diese auch in Anspruch nehmen. Schutz darf aber nicht davon abhängen, in welcher Region jemand lebt oder ob gerade zufällig ein Platz frei ist. Männergewaltschutz muss deshalb als selbstverständlicher Bestandteil einer bedarfsgerechten Gewalthilfestruktur etabliert werden."
Die BFKM sieht in den zehn Jahren staatlich finanzierten Männergewaltschutzes in Sachsen einen wichtigen Meilenstein. Gleichzeitig zeigen die bundesweiten Zahlen, dass der bisherige Ausbau nicht ausreicht. Neun der Bundesländer verfügten 2025 noch über keine Männerschutzeinrichtung. Ein flächendeckendes Hilfenetz ist jedoch notwendiger denn je. Sachsen hat mit seinem frühzeitigen Engagement gezeigt, dass staatlich finanzierter Männergewaltschutz möglich ist. Diese Entwicklung sollte bundesweit aufgegriffen und konsequent fortgesetzt werden.
Pressekontakt:
Dr. Annalena Schmidt
Fachreferentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz
Telefon: 0351 309 164 16
Mobil: 0173 535 9 215
annalena.schmidt@maennergewaltschutz.de
Original-Content von: LAG Jungen- und Männerarbeit Sachsen e.V. - Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/150782/6382644
Seit zehn Jahren wird Männergewaltschutz in Sachsen staatlich finanziert. Damit nimmt der Freistaat eine Vorreiterrolle in Deutschland ein und hat frühzeitig Verantwortung für eine bislang wenig beachtete Gruppe von Betroffenen häuslicher Gewalt übernommen. Die staatliche Förderung ermöglicht es, Männern, die von Gewalt in ihrem häuslichen oder sozialen Umfeld betroffen sind, Schutz und Unterstützung anzubieten. Auch ihre Kinder können in den Schutzeinrichtungen aufgenommen werden.
Wie wichtig diese Angebote sind, zeigen die aktuellen Zahlen der Nutzungsstatistik der Männerschutzeinrichtungen für das Jahr 2025, die von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz (BFKM) herausgegeben wird. Bundesweit hat sich die Zahl der Meldungen bei den Einrichtungen innerhalb von vier Jahren nahezu verdoppelt: von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025. Gleichzeitig ist die Zahl der verfügbaren Schutzplätze nur geringfügig gestiegen. Die Folge: Die Zahl der Abweisungen aufgrund von Platzmangel hat sich von 61 im Jahr 2022 auf 230 im Jahr 2025 nahezu vervierfacht.
Petra Köpping, Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt: "Die vor zehn Jahren getroffene Entscheidung war richtig, Männergewaltschutz als Teil des Systems beim Schutz vor häuslicher Gewalt aufzubauen und damit auch die Vorgaben der Istanbul-Konvention im Kontext häuslicher Gewalt umzusetzen. Alle Menschen, unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit, können Opfer von Gewalt im häuslichen Kontext werden. Sachsen bleibt Vorreiter: In dieser Woche soll der Landtag das Sächsische Gewalthilfegesetz beschließen. Darin ist vorgesehen, dass alle Betroffenen von häuslicher Gewalt unabhängig von ihrem Geschlecht umfasst sind. Damit gehen wir über das Bundesgesetz hinaus. Männergewaltschutz ist ebenso wichtig wie der Schutz queerer Personen und ist für mich selbstverständlich Teil des gesamten Gewaltschutzsystems."
Auch die Erfahrungen aus den sächsischen Männerschutzeinrichtungen verdeutlichen die Bedeutung der Angebote. Mirko Luckau von der Männerschutzeinrichtung des Männernetzwerk Dresden e.V. berichtet aus zehn Jahren praktischer Arbeit: "Warum ist Männergewaltschutz weiterhin so wichtig? Die kurze Antwort: Weil Betroffene unsere Hilfe brauchen! Die Männer, die sich an uns wenden, stehen oft mitten im Leben. In den letzten zehn Jahren fanden 76 Männer im Alter zwischen 24 und 60 Jahren Schutz in unserer Wohnung. Dabei mussten wir 250 Männern eine Abweisung erteilen. Rund 1.300 weitere Männer im Alter zwischen 17 und 84 Jahren holten sich bei uns Rat ein. Etwa 90 Prozent der Bewohner erarbeiteten sich mit unserem Angebot eine völlig neue Lebensperspektive - mit Wohnungssuche, Arbeitssuche und dem Aufbau sozialer Kontakte."
Die Nutzungsstatistik 2025 der BFKM bestätigt diese Entwicklung auch auf Bundesebene. Jana Peters, die die Statistik erstellt hat, erklärt: "Die Nutzungsstatistik 2025 zeigt sehr deutlich, dass der Bedarf an Schutz und Unterstützung für gewaltbetroffene Männer wächst. Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Meldungen bei den Männerschutzeinrichtungen nahezu verdoppelt - von 421 im Jahr 2022 auf 798 im Jahr 2025. Gleichzeitig ist die Zahl der verfügbaren Schutzplätze nur geringfügig gestiegen. Besonders alarmierend ist, dass sich die Abweisungen aufgrund von Platzmangel im selben Zeitraum fast vervierfacht haben. Hinter diesen Zahlen stehen Männer, die dringend Schutz benötigen, diesen aber nicht immer bekommen können. Die Statistik macht damit deutlich, wie wichtig es ist, bestehende Angebote auszubauen und verlässlich abzusichern, damit Spiralen häuslicher Gewalt wirkungsvoll unterbrochen werden."
Die Erweiterung des Männergewaltschutzes darf dabei nicht als Konkurrenz zum Schutz für Frauen verstanden werden. Frauen sind weiterhin deutlich häufiger von häuslicher Gewalt betroffen und erleben insbesondere schwere und lebensbedrohliche Gewaltformen wesentlich häufiger. Auch die Schutzangebote für Frauen und ihre Kinder müssen deshalb dringend ausgebaut und verlässlich finanziert werden. Ein bedarfsgerechtes Gewalthilfesystem muss die unterschiedlichen Betroffenheiten berücksichtigen und allen von Gewalt betroffenen Menschen wirksamen Schutz und Unterstützung ermöglichen.
Aus Sicht der BFKM muss der Ausbau des Männergewaltschutzes deshalb konsequent vorangetrieben werden. Annalena Schmidt von der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz fordert ein flächendeckendes und verlässlich finanziertes Hilfesystem: "Wir brauchen ein flächendeckendes und verlässlich finanziertes Hilfesystem, das auch gewaltbetroffenen Männern und ihren Kindern Schutz und Unterstützung bietet, dazu verpflichtet auch die EU-Gewaltschutzrichtlinie die Bundesländer ab 2027. Unsere Forderung ist deshalb klar: Mittelfristig sollte es mindestens einen Familienplatz in einer Männerschutzeinrichtung pro 200.000 Einwohner*innen geben. Ergänzend braucht es eine spezialisierte Beratungsstelle für Männer pro 200.000 Einwohner*innen. Die Nutzungsstatistik zeigt, dass dort, wo Schutzangebote vorhanden und bekannt sind, Männer diese auch in Anspruch nehmen. Schutz darf aber nicht davon abhängen, in welcher Region jemand lebt oder ob gerade zufällig ein Platz frei ist. Männergewaltschutz muss deshalb als selbstverständlicher Bestandteil einer bedarfsgerechten Gewalthilfestruktur etabliert werden."
Die BFKM sieht in den zehn Jahren staatlich finanzierten Männergewaltschutzes in Sachsen einen wichtigen Meilenstein. Gleichzeitig zeigen die bundesweiten Zahlen, dass der bisherige Ausbau nicht ausreicht. Neun der Bundesländer verfügten 2025 noch über keine Männerschutzeinrichtung. Ein flächendeckendes Hilfenetz ist jedoch notwendiger denn je. Sachsen hat mit seinem frühzeitigen Engagement gezeigt, dass staatlich finanzierter Männergewaltschutz möglich ist. Diese Entwicklung sollte bundesweit aufgegriffen und konsequent fortgesetzt werden.
Pressekontakt:
Dr. Annalena Schmidt
Fachreferentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz
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