LONDON (dpa-AFX) - Die Zentralbanken haben ihre Goldreserven nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council (WGC) im dritten Quartal stärker ausgeweitet. In den drei Monaten bis September kauften die Notenbanken weltweit 321 Tonnen Gold, wie aus dem Quartalsbericht des WGC hervorgeht.
Damit seien die Goldkäufe deutlich höher ausgefallen als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Im Vergleich zum dritten Quartal 2025 habe sich das Volumen der Goldkäufe um 42 Prozent erhöht.
"Die Nachfrage der Zentralbanken blieb stark", heißt es in der Mitteilung. Nachdem das Kaufvolumen zu Beginn des Jahres noch verhalten ausgefallen sei, habe es sich im zweiten und dritten Quartal verstärkt und den schwachen Jahresauftakt mehr als ausgeglichen.
Seit Beginn des Jahres ist der Preis für das Edelmetall deutlich gefallen. Nachdem die Notierung für eine Feinunze zu Beginn des Jahres noch ein Rekordhoch bei knapp 5.600 US-Dollar erreicht hatte, wurde Gold zuletzt bei 3.947 Dollar gehandelt und damit etwa 30 Prozent unter dem Jahreshoch.
Mehrere Gründe für Goldkäufe durch Notenbanken
Es gibt mehrere Gründe für steigende Goldkäufe von Notenbanken. Der wichtigste und am häufigsten von Experten genannte Grund ist das Bestreben, die Abhängigkeit von US-Dollar-Reserven zu verringern. Zentralbanken weltweit, insbesondere aus Schwellenländern, stocken ihre Goldreserven auf, um ihre nationalen Reserven unabhängiger vom US-Dollar zu machen.
Die Goldkäufe der Zentralbanken haben auch nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und dem Einfrieren russischer Vermögenswerte im Westen zugenommen. Gold gilt als sicherer Anlagehafen in Zeiten geopolitischer Unsicherheit. Notenbanken nutzen Gold zur Stärkung ihrer Krisenvorsorge und zur Risikostreuung. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen verstärken das Interesse an Gold als stabilem Reservewert.
In der Vergangenheit hatten auch die Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die US-Notenbank Fed Sorgen geschürt, dass diese nicht mehr unabhängig agieren könnte. Dies hat das Vertrauen in Dollar-Reserven geschwächt und die Attraktivität von Gold als Alternative erhöht.
Nachfrage von Investoren nach Barren und Münzen gesunken
Weniger gefragt waren im dritten Quartal Wertpapiere, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Hier habe es im dritten Quartal im Jahresvergleich einen Rückgang um sechs Prozent auf 211,2 Tonnen gegeben, schreiben die WGC-Experten.
Noch weniger Interesse zeigten Investoren bei physischem Gold. Der Verband bezifferte die weltweite Nachfrage nach Barren und Münzen in den Monaten Juli bis September auf 267,8 Tonnen, was einem Rückgang im Jahresvergleich um 19 Prozent entspricht. Dabei gab es in den beiden wichtigen Nachfrageländern China und Indien unterschiedliche Entwicklungen: Während die Nachfrage in China im dritten Quartal gestiegen ist, ging sie in Indien deutlich zurück./jkr/jsl/he/DP/jkr
