LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Gute Geschäfte der Pharmasparte mit vergleichsweise neuen Medikamenten stimmen Bayer optimistischer für das laufende Jahr. "Wir haben bei der Wachstumsentwicklung von Pharmaceuticals inzwischen einen Wendepunkt erreicht, und wir sehen, dass es aufwärts geht", sagte der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson am Dienstag zur Vorlage der Resultate des dritten Quartals. An der Börse kamen die Geschäftszahlen und der neue Ausblick gut an. Der Aktienkurs stieg am Vormittag um 5,5 Prozent auf 52,80 Euro.
Nubeqa hat sich schon vor einer Weile zum umsatzstärksten Medikament von Bayer gemausert. Allein im dritten Quartal wuchs der Umsatz mit dem Mittel gegen Prostatakrebs um mehr als die Hälfte auf knapp eine Milliarde Euro. Kerendia, das zum Schutz von Nieren und Herz eingesetzt wird, wuchs noch etwas deutlicher auf Erlöse von 374 Millionen Euro, womit es nur noch knapp hinter dem einstigen Kassenschlager Xarelto liegt. Der Umsatz mit dem Blutgerinnungshemmer bricht wegen auslaufender Patente schon länger Stück für Stück weg.
Derweil bleiben die Perspektiven fürs Pharmageschäft gut. Erst jüngst wurde der Gerinnungshemmer Asundexian zur Sekundärprävention von Schlaganfällen unter dem Markennamen Sunharbo in China zugelassen. In den USA dürfte die Zulassung bald erfolgen. Experten trauen dem Mittel ebenfalls sehr hohe Umsätze zu.
Alles in allem steigerte die Pharmasparte im Berichtszeitraum den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um fast ein Viertel auf 1,29 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftete der Geschäftsbereich den Großteil des operativen Konzerngewinns, der um rund 7 Prozent auf knapp 1,62 Milliarden Euro anzog.
Dagegen fiel das operative Ergebnis in der Agrarsparte im saisonal weniger bedeutenden dritten Jahresviertel um mehr als 40 Prozent auf 101 Millionen Euro. Grund waren höhere Herstellungs- sowie Vertriebskosten. Das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten verzeichnete einen leichten Ergebnisrückgang auf 347 Millionen Euro.
Für das Gesamtjahr rechnet Bayer-Chef Anderson nun mit einem um Sonder- und Währungseffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) von 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro. Das sind an beiden Enden der Spanne jeweils 200 Millionen Euro mehr als zuvor. Inklusive Wechselkurseffekten stehen 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro im Plan nach bisher 9,4 bis 9,9 Milliarden. Analysten rechnen aktuell mit 9,7 Milliarden Euro als operatives Ergebnis im laufenden Jahr.
Zudem erwartet Bayer nun einen Abfluss freier Finanzmittel (Free Cashflow) von 1,5 bis 0,5 Milliarden Euro, statt 2,5 bis 1,5 Milliarden. Damit einhergehend rechnet das Unternehmen zum Jahresende mit einer niedrigeren Nettofinanzverschuldung von 28,0 bis 29,0 Milliarden Euro, das sind jeweils eine Milliarde Euro weniger als bisher angedacht.
Den Umsatzausblick für 2026 bestätigte Bayer. Währungsbereinigt sollen es 45 bis 47 Milliarden Euro werden; inklusive Wechselkurseffekten 44,7 bis 46,7 Milliarden Euro.
In den drei Monaten bis Ende September stiegen die Erlöse im Jahresvergleich nominal um gut 4 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro. Unter dem Strich fiel ein Nettoverlust von 672 Millionen Euro an, nach einem Minus von 963 Millionen Euro vor einem Jahr. Beim Verlust spielen auch Wertminderungen in der Sparte Consumer Health sowie Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten eine Rolle.
Im Fokus bleibt beim Konzern zudem, die finanziellen Risiken durch die US-Rechtsstreitigkeiten rund um mögliche Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter einzudämmen. Kern ist ein breit angelegter Sammelvergleich, dem ein Richter noch zustimmen muss./mis/tav/stk




