BERLIN (dpa-AFX) - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält Friedensgespräche mit Kremlchef Wladimir Putin am Telefon für perspektivlos und besteht auf einem Gipfeltreffen. "Per Telefon sprechen? Fraglos wird Russland das als Möglichkeit nutzen, sich nicht mehr zu treffen. Wir verstehen dieses Spiel", sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Berlin.
Er erwarte dabei nur eine weitere "historische Lehrstunde" von Putin ohne "reale Schritte" hin zu einem Frieden. "Darüber kann man nicht einfach plaudern, man muss sich zusammensetzen, sich einigen und beweisen, wo dieses Land unrecht hat, da es der Aggressor ist", unterstrich Selenskyj.
Eine Einladung in die ukrainische Hauptstadt Kiew komme nicht infrage. "Wir laden Putin nicht nach Kiew ein, weil sie 2022 zu uns ohne Einladung gekommen sind", sagte der ukrainische Staatschef. Eine derartige Einladung sei genauso destruktiv wie das russische Beharren auf Selenskyjs Reise nach Moskau.
"Das ist einfach ein Spucken ins Angesicht der gesamten Welt, die möchte, dass der Krieg endet", sagte er. Daher werde niemand eine Fahrt Selenskyjs in die russische Hauptstadt unterstützen. Selenskyj hatte allerdings selbst in einem Interview im September 2025 Putin aufgefordert, nach Kiew zu kommen.
Selenskyj besteht seit längerem auf einem direkten Treffen mit seinem russischen Gegenüber für ein Ende des seit Februar 2022 währenden Krieges. Putin lehnt einen derartigen Gipfel nicht direkt ab, beharrt aber darauf, dass alle strittigen und dabei vor allem die territorialen Fragen vorher geklärt sind. Russland strebt einen neutralen Status des Nachbarlandes und dabei einen Verzicht auf den in der ukrainischen Verfassung verankerten Nato-Beitritt an.
Moskau erhebt zudem Anspruch auf mehr als 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets: die Schwarzmeerhalbinsel Krim, die Gebiete Donezk, Luhansk und zumindest Teile der Regionen Saporischschja und Cherson./ast/DP/zb
