BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Gestiegene Personalkosten, der Umbau des China-Geschäfts und ungünstige regulatorische Effekte haben dem Blutwäschespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) im dritten Quartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Der neue Konzernchef Shervin Korangy schraubt daher die Ergebnisziele seiner Vorgängerin Helen Giza für das Gesamtjahr zurück. Auch für 2027 rechnet das Management mit Gegenwind, wie Korangy und Finanzchef Martin Fischer auf einer Analystenkonferenz erläuterten. Der Konzernlenker versprach, mit Hochdruck an einer neuen Vision für FMC zu arbeiten. Die Aktie lag am Nachmittag deutlich im Minus.
Das im Dax notierte Papier verlor als Index-Schlusslicht mehr als viereinhalb Prozent auf 38,73 Euro. Laut Goldman Sachs impliziert die neue Prognose einen deutlichen Ergebnisrückgang im Schlussquartal.
Korangy erwartet nun, dass das bereinigte operative Ergebnis 2026 währungsbereinigt stabil bleibt oder im mittleren einstelligen Prozentbereich sinkt. Dabei steuert das Management die untere Hälfte der bisherigen Spanne an, wie FMC am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte der Konzern einen Rückgang im mittleren einstelligen Bereich zwar nicht ausgeschlossen, die Prognose hatte aber auch einen ebenso großen Zuwachs umfasst. Korangy begründete die Anpassung mit Belastungen im vierten Quartal und der schwachen Ergebnisentwicklung in den ersten neun Monaten.
Im dritten Quartal bis Ende September sank das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 545 Millionen Euro, zu konstanten Wechselkursen um 6 Prozent. Ausschlaggebend war ein Verlust im Produktgeschäft. Dort fielen Kosten von 108 Millionen Euro im Zusammenhang mit einer Neuausrichtung in China an.
Im eigentlichen Dialysegeschäft verbesserte sich das Quartalsergebnis hingegen. Gestiegene Personalkosten und negative Effekte durch das Auslaufen günstiger US-Vergütungsregeln für neue Dialysemedikamente (TDAPA) konnte FMC durch Einsparungen und höhere Vergütungen mehr als ausgleichen. In den USA blieb die Entwicklung bei den Dialysebehandlungen jedoch mau. Das von Analysten stark beachtete organische Behandlungswachstum lag bei minus 1,1 Prozent.
Konzernweit brach der Überschuss hauptsächlich wegen der China-Kosten um mehr als 40 Prozent auf 160 Millionen Euro ein. Der Umsatz stieg dank positiver Währungseffekte zugleich um 1 Prozent auf 4,94 Milliarden Euro. Das Umsatzziel wurde bestätigt: Der Erlös soll währungsbereinigt etwa auf dem Vorjahresniveau bleiben.
Finanzchef Fischer rechnet auch im Schlussquartal mit Gegenwind im operativen Geschäft, vor allem durch Erstattungseffekte in den USA. Hinzu kommen hohe Inflations- und Energiekosten sowie steigende Ausgaben für Rohstoffe, Logistik und Personal. 2027 dürften die jüngsten Anpassungen bei den Vergütungssätzen die erwarteten Kostensteigerungen nicht auffangen, so der Manager.
Korangy steht damit vor der Aufgabe, den Konzern wieder in die Spur zu bringen. Er hatte im Oktober überraschend Giza abgelöst. Zuvor war er Chef des Medizintechnikunternehmens BVI Medical und saß im Aufsichtsrat von FMC.
"Drei Wochen nach meinem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzender sehe ich mit großer Zuversicht auf die vor uns liegenden Chancen", sagte er. Viele Geschäftsbereiche befänden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase und böten Möglichkeiten für grundlegende Verbesserungen. Auch die gute Marktposition und die Technologien eröffneten Chancen.
In den kommenden Monaten will Korangy die Geschäfte genauer unter die Lupe nehmen. Im Fokus stünden unter anderem Patientenströme, Klinikabläufe, Leistungskennzahlen sowie Technologien, Produkte und die Innovationspipeline. Bis zur Vorlage einer konkreten Strategie bat er aber noch um Geduld. Künftig will er vor allem Innovationen beschleunigen, den Zugang zur Nierenversorgung ausbauen und die Behandlungsergebnisse verbessern. Ziel sei es, die operative Entwicklung schrittweise und nachhaltig zu verbessern und so langfristig profitabel zu wachsen.
Das Umbauprogramm seiner Vorgängerin bezeichnet Korangy als "solide Grundlage". Es soll bis 2027 durch Klinikschließungen, Teilverkäufe und Stellenstreichungen Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro bringen. Auch der neue Chef will weiter an der Kostenstruktur arbeiten und die Margen verbessern. Zugleich könnten künftig auch Einsparungen in Bereiche mit kurz- bis langfristigem Wachstumspotenzial reinvestiert werden.
Giza hatte zuletzt mit der flächendeckenden Einführung eines modernen Gerätes für die sogenannte hochvolumige Hämodiafiltrationstherapie (hvHDF) in den USA das Ruder herumreißen wollen. Auch Korangy will den Roll-out weiter vorantreiben. Die Methode soll die Nierenwäsche schneller und besser machen und damit die Überlebenszeit von Nierenpatienten verlängern. Das System ist FMC zufolge inzwischen in fast 350 US-Kliniken im Einsatz./tav/jsl/he




