DJ EZB/Schnabel mahnt zu geldpolitischer Flexibilität
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) muss sich nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem zunehmend unberechenbaren Wirtschaftsumfeld maximale Flexibilität bewahren und starre geldpolitische Festlegungen vermeiden. In einer Grundsatzrede zum Ende ihrer Amtszeit betonte Schnabel in Frankfurt, dass sich Notenbanken auf Instrumente konzentrieren sollten, die eine rasche Anpassung ermöglichen. Rückblickend sei etwa die Forward Guidance während der Pandemie zu bindend gewesen; zudem gelte der Leitzins klar als primäres Instrument, da großvolumige Anleihekäufe die Geldpolitik noch lange nach ihrem Ende lockerten und die Handlungsfähigkeit einengten.
Gleichzeitig forderte Schnabel einen pragmatischeren Umgang mit makroökonomischen Erschütterungen: Entscheidend für die geldpolitische Reaktion sei nicht primär die Natur eines Schocks - angebots- oder nachfrageseitig -, sondern dessen konkrete Auswirkung auf die projizierte Inflationsentwicklung. Angesichts überlappender Belastungen durch geopolitische Konflikte, Energiepreise und Klimarisiken könnten auch hartnäckige Angebotsschocks Zweitrundeneffekte über Löhne und Erwartungen auslösen, die ein rechtzeitiges und entschlossenes Gegensteuern erfordern.
Zur Sicherung der geldpolitischen Dominanz gegenüber der Fiskal- und Finanzpolitik mahnte die Notenbankerin solide Haushaltsdisziplin der Mitgliedstaaten und eine strikte Regulierung an. Zunehmende Staatsverschuldung bei gleichzeitig steigenden Refinanzierungskosten sowie das rasante Wachstum des weniger regulierten Nichtbankensektors bergen die Gefahr finanzieller Verwerfungen. Notenbanken dürften nicht gezwungen werden, zur Marktstabilisierung einzuspringen, wenn dies das eigentliche Ziel der Preisstabilität gefährde.
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November 05, 2026 03:54 ET (08:54 GMT)
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