
© Foto: Bayer AG
Plötzlich dreht sich der Wind bei Bayer. Jahrelang gab es für die Leverkusener vor allem Ärger, Klagen und rote Zahlen. Jetzt legt der Konzern ein Quartal vor, das selbst die Pessimisten überrascht haben dürfte. Der Bayer-Chef spricht von einem Wendepunkt. Die Prognose geht nach oben und die Aktie springt auf über 52 Euro. Die Börse reagierte sofort und schickte den Kurs nach oben, aber im Chart wartet eine Marke, die über den nächsten großen Schritt entscheidet. Schafft Bayer den Ausbruch, ist der Weg Richtung 60 bis 65 Euro nahezu frei. Ein Warnsignal gibt es allerdings auch. Wir zeigen, worauf Anleger jetzt achten sollten.
Pharma zündet den Turbo
Was für ein Quartal für Bayer! Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 4,1 Prozent auf 10,05 Milliarden Euro. Beim bereinigten EBITDA waren es plus 6,9 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro. Die Analysten hatten nur mit rund 1,43 Milliarden gerechnet. Die Pharmasparte war der Motor. Ihr EBITDA legte um fast 24 Prozent zu. Die Blockbuster Nubeqa und Kerendia wachsen kräftig und gleichen schwächelnde Altmedikamente aus. Konzernchef Bill Anderson sieht einen Wendepunkt. Die Zahlen geben ihm Recht und daher hebt Bayer auch die Jahresziele an. Das bereinigte EBITDA soll 2026 bei 9,8 bis 10,3 Milliarden Euro erreichen, bisher waren es 9,6 bis 10,1. Auch Cashflow und Schuldenabbau sehen besser aus. Die Nettoschulden sollen auf 28 bis 29 Milliarden Euro sinken. Ein Wermutstropfen allerdings bleibt, denn die Agrarsparte brach um 41 Prozent ein, und unterm Strich steht ein Verlust.

Charttechnik
Auch der Chart macht derzeit Freude. Bayer steckt in einem intakten Aufwärtstrend und notiert klar über dem 50er und dem 200er SMA. Allein in der letzten Woche ging es um fast 10 Prozent nach oben, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar über 80 Prozent. Der Rücksetzer Ende September wurde an dem 200er SMA aufgefangen. Genau so sieht ein gesunder Trend aus. Die Bullen haben das Kommando und jetzt kommt der spannende Teil. Der RSI steht schon bei 67. Das ist hoch und lässt noch wenig Luft für eine schnelle Fortsetzung (bei 70 fängt ja bekanntlich der überkaufte Bereich an). Eine kleine Verschnaufpause wäre daher normal. Entscheidend ist aber unter dem Strich die Marke von 54,04 Euro. Springt die Aktie darüber, ist der Ausbruch geschafft. Dann rückt das Ziel von 60 bis 65 Euro in Reichweite. Ein Rücksetzer z. B. auf den 50er SMA bei 47,25 Euro aktuell wäre dann eher eine Chance als ein Drama.
Was tun?
Die Lage hat sich spürbar aufgehellt. Operativ läuft es, die Prognose steigt, und im Glyphosat-Streit gab es zuletzt auch Erfolge vor Gericht. Dazu kommt die erste Zulassung für Asundexian in China. Viele Analysten sehen Kursziele zwischen 60 und 70 Euro. Das Forward-KGV von rund 10 wirkt moderat. Doch es gibt auch Risiken, denn der bereinigte Gewinn je Aktie lag unter den Erwartungen, und der Cashflow bleibt noch negativ.
Unterm Strich bleibt Bayer aber dennoch für (mutige) Anleger interessant. Neueinsteiger sollten bei einem RSI von 67 jedoch nicht blind zugreifen. Besser ist es, auf den Ausbruch über 54,04 Euro zu warten oder in Etappen bei einer Konsolidierung einzusteigen. Wichtig bleibt der Aufwärtstrend über dem 50er SMA. Fällt die Aktie nachhaltig darunter, ist zunächst einmal wieder Vorsicht angesagt.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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