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Jamie Coleman (MFS): Nachlassende Risikobereitschaft zum Wochenende

24. bis 30. Oktober 2026

Internationale Aktien waren diese Woche volatil, bewegten sich aber insgesamt seitwärts. Kleinere Substanzwerte hielten sich besser als Mega Caps. Man befürchtete ein schwächeres Kerngeschäft der Hyperscaler, ohne dass sich die KI-Investitionen bislang voll amortisiert hätten. Die US-Zehnjahresrendite fiel um 5 Basispunkte auf 4,94%. Das Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 3 US-Dollar auf 104,20 US-Dollar. Gemessen an Terminkontrakten auf den CBOE Volatility Index (VIX) fiel die Volatilität diese Woche von 19,9 auf 19,3.

Konjunktur

Fed ändert Leitzins nicht und hält sich bedeckt

Die Fed ließ ihren Leitzins unverändert bei 3,75% bis 4%. Sie sprach von einer guten Konjunktur, einem Beschäftigungsanstieg in Höhe des Erwerbspersonenzuwachses und einer noch immer hohen Inflation. Noch habe man nicht genügend Daten, um die weitere Zinsentwicklung zu prognostizieren. Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland Fed, und Notenbankvorständin Lisa Cook stimmten entgegen der Mehrheit für eine Zinserhöhung.

Notenbankchef Kevin Warsh äußerte sich zuversichtlich zur Konjunktur; er sprach von hoher Produktivität und hohen Investitionen. Das 2%-Inflationsziel gelte weiter, doch wolle er den nächsten Sitzungen nicht vorgreifen. Die jüngste Straffung der Finanzbedingungen zeige, dass die Geldpolitik allmählich wirke. Forward Guidance "außerhalb von Krisenzeiten" lehne er ab.

Außerdem solle der Terminplan für die Offenmarktausschusssitzungen im neuen Jahr geändert werden. Es solle zwar bei acht Sitzungen bleiben, doch hätte eine davon ab nächstem Herbst die generelle geldpolitische Strategie zum Thema. Ab 2028 solle es dann zwei Strategiesitzungen jährlich geben.

Weitere Iranverhandlungen, aber die USA erwägen neue Angriffe

Die Lage zwischen dem Iran und den USA bleibt angespannt. Regionale Vermittler versuchen, neue Kämpfe zu verhindern. Dem Vernehmen nach haben Vertreter der USA mehrere Golfländer aufgefordert, sich auf eine kurze militärische Intervention nach den Zwischenwahlen vorzubereiten. Dabei wollen sich die USA und Israel vor einem möglichen Angriff abstimmen. Laut Wall Street Journal haben leitende Mitarbeiter des Pentagon US-Präsident Trump am Donnerstag über Angriffsmöglichkeiten unterrichtet.

Unterdessen gehen die diplomatischen Bemühungen weiter. Katarische Vermittler legten dem Iran ein neues Konzept vor, und man sprach über ein Treffen in der Türkei noch vor dem 4. November. Es heißt, der Plan sähe die Wiederöffnung der Straße von Hormus, das Ende der amerikanischen Seeblockade iranischer Häfen und internationale Inspektionen der beschädigten iranischen Nuklearanlagen vor. Im Gegenzug könnten die Iransanktionen gelockert werden und das Land wieder Zugriff auf seine eingefrorenen Vermögenswerte bekommen. Iranische Vertreter sind nach eigenen Aussagen offen für eine diplomatische Lösung, doch seien offizielle Friedensverhandlungen weiter an Bedingungen geknüpft. Forciert wurden die Gespräche durch einen Brief von US-Vizepräsident JD Vance an den iranischen Sicherheitschef Mohsen Rezaei mit dem Ziel, neue Friedensverhandlungen zu ermöglichen. Dem Vernehmen nach sind die katarischen Vermittler auf der Suche nach einem Kompromiss am Freitag nach Teheran zurückgekehrt.

EZB lässt Leitzins trotz Energiepreisrisiken unverändert

Die Europäische Zentralbank ließ ihren Leitzins unverändert bei 2,5%. Straffere Finanzbedingungen und der Energiepreisschock könnten die Inflation zwar anheizen, doch sähe man keine ausgeprägten Zweitrundeneffekte. Laut Notenbankchefin Christine Lagarde sei die derzeitige Unsicherheit für die EZB unproblematisch.

Außerdem wurde bekannt gegeben, dass Lagarde am 7. Februar zurücktritt, neun Monate vor dem offiziellen Ende ihrer Amtszeit. Der Europäische Rat wird über ihre Nachfolge entscheiden. Lagarde begründete ihren Rücktritt damit, dass sie sich offen zu politischen Fragen äußern wolle. Angesichts der Lage in Frankreich könne sie nicht neutral bleiben. Allgemein wird erwartet, dass sie nach ihrem Ausscheiden Vorsitzende des World Economic Forum wird.

Am Freitag ließ nach Fed und EZB auch die Bank of Japan ihren Leitzins unverändert.

Steuererhöhungen zur Finanzierung etwas höherer britischer Staatsausgaben

Der erste Haushaltsentwurf seit Amtsantritt des neuen britischen Premiers Andy Burnham enthielt wenig Überraschendes. Die Steuern für Banken und Glücksspielbetreiber wurden angehoben, um etwas höhere Staatsausgaben zu finanzieren. Die Ausgaben stiegen aber nicht so stark wie vom Markt befürchtet. Diese Zurückhaltung könnte einige Mitglieder der Labour Party enttäuschen, die sich eine aktivistischere Regierung wünschen. Die Märkte begrüßten die Entscheidung hingegen. Außerdem schloss Burnham vorgezogene Wahlen in den nächsten zwölf Monaten aus.

Kurz gefasst

Im 3. Quartal ist die US-Wirtschaft mit annualisiert 3,4% überraschend stark gewachsen. Im 2. Quartal waren es noch 2,2%. Der Konsum stieg um 3,8%, die Investitionen um 12,7%. Die reale private Inlandsnachfrage, eine wichtige BIP-Komponente, legte annualisiert um beachtliche 4,6% zu.

Die amerikanische PCE-Kerninflation stieg im September um 0,3% z.Vm. und 3,1% z.Vj. Beides war höher als erwartet, lag aber noch im Rahmen.

Die französischen Staatsanleihenspreads gingen diese Woche wieder zurück, weil Moody's das Länderrating von Aa3 doch nicht gesenkt hatte. Ihren negativen Ausblick behielt die Agentur bei. Als Reaktion auf die Schülerproteste will die Regierung neue Lehrer einstellen, mehr Studienplätze anbieten und mehrere Milliarden Euro für die Renovierung von Schulen ausgeben.

Nach der überraschenden Wiederwahl von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva gaben brasilianische Aktien am Montag um 13,9% nach. In der ersten Wahlrunde hatte Lula noch hinten gelegen. Bei den Kongresswahlen gewann die Rechte hingegen Sitze hinzu, was die Lage für ihn nicht einfacher macht.

Kevin Hassett, Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, sprach von einer neuen Dynamik in den amerikanisch-kanadischen Handelsgesprächen. Laut Reuters arbeiten die beiden Länder an einem Abkommen zur Senkung der Zölle auf Stahl und Autos.

In den USA sind die Bestellungen langlebiger Güter im September um 1,8% gestiegen, so viel wie seit fünf Monaten nicht mehr. Bei Investitionsgütern ohne Verteidigung und Flugzeuge betrug der Anstieg 0,5%.

Der S&P CoreLogic Case-Shiller National Home Price Index stieg im August um 2,09% z.Vj.

Die Verkäufe neuer Immobilien fielen im September um 0,6% und damit nicht so stark wie erwartet.

Diese Woche hat Marine Le Pen offiziell ihre Präsidentschaftskampagne eröffnet. Schwerpunkte sollen Ordnung, Sicherheit und "nationale Erneuerung" sein.

Der Verbraucherpreisindex des Conference Board stieg von nach oben korrigierten 84,2 auf 91,7.

Das amerikanische Handelsbilanzdefizit weitete sich von 132,1 Milliarden US-Dollar im August auf 134,9 Milliarden US-Dollar im September aus, nicht zuletzt wegen der höheren Investitionsgüterimporte für KI.

Laut Fitch steigen die Preise in den USA jetzt auf wesentlich breiterer Front als in anderen Industrieländern. Eine längere Inflation wird damit wahrscheinlicher.

Die Euroraum-Wirtschaft ist im 3. Quartal trotz höherer Energiepreise um 1,3% z.Vj. gewachsen.

In den USA wurden 2026 bislang für 1,76 Billionen US-Dollar Investmentgrade-Unternehmensanleihen begeben, so viel wie noch nie - und das, obwohl am vollen Jahr noch über zwei Monate fehlen. Finanzdienstleister, Unternehmen und staatliche Emittenten warben mit breit syndizierten Investmentgrade- und High-Yield-Anleihen dieses Jahr bislang etwa 6,61 Billionen US-Dollar ein, 15% mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der Börsengang von Anthropic wird für die Woche vom 16. November erwartet. Im Verkaufsprospekt wird vor katastrophalen und existenziellen Risiken für die Menschheit durch Hochleistungs-KI gewarnt.

Südkoreas Wirtschaft wuchs im 3. Quartal um 3,4% z.Vj., weil die KI-gedingte Chipnachfrage für mehr Exporte und Investitionen sorgte.

Die Bank of Canada hat ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5% erhöht. Weitere Zinsschritte könnten nötig sein, so die Bank, doch wolle man behutsam vorgehen.

Laut Finnlands Staatschef Alexander Stubb haben die USA und die Ukraine Finnland und Norwegen um mehr Einsatz zur Beendigung des Ukrainekrieges gebeten. Russlands Präsident Wladimir Putin begrüßte die Initiative seines finnischen Amtskollegen und des norwegischen Premiers Jonas Gahr Støre diese Woche in einem Telefongespräch. Moskau wünsche sich wieder bessere Beziehungen zu Europa nach Jahren der Konfrontation.

Nordkoreanische Hacker haben dem Vernehmen nach die Kryptowährungsbörse Binance angegriffen und enorme 6,4 Milliarden US-Dollar gestohlen.

Weder die Koalition von Premier Benjamin Netanjahu noch die Opposition unter Führung von Gadi Eisenkot gewannen bei den israelischen Parlamentswahlen am Dienstag eine Mehrheit. Netanjahus Koalition erreichte 53 Mandate, die Opposition 48. Die Mehrheit liegt bei 61 Sitzen.

Wie es heißt, wollen die USA und Venezuela Präsidentschaftswahlen vorbereiten, nachdem das Oberste Gericht und der Wahlausschuss des Landes neu besetzt wurden.

GEWINNMELDUNGEN

Bislang haben etwa 60% der S&P-500-Unternehmen die Ergebnisse für das 3. Quartal 2026 vorgelegt. Kombiniert mit Schätzungen für die übrigen 40% sind die Gewinne laut FactSet um 30% z.Vj. gestiegen. Die Umsätze haben im Vorjahresvergleich um 13,4% zugelegt.

Nächste Woche

Montag: Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für das Verarbeitende Gewerbe weltweit

Dienstag: JOLTS-Index und Zwischenwahlen in den USA

Mittwoch: Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor weltweit, Euroraum-Inflation

Donnerstag: Sitzung der Bank of England, Produktivität in den USA

Freitag: US-Arbeitsmarktbericht

Fokussiert und diversifiziert bleiben

Unabhängig vom Marktumfeld halten wir es für sehr wichtig, dass Investoren stark nach Assetklassen diversifizieren. Durch eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Investmentberater können Sie dazu beitragen, dass Ihr Portfolio angemessen diversifiziert ist und zu Ihren Langfristzielen, Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft passt. Diversifikation garantiert aber keine Gewinne und schützt auch nicht vor Verlusten.

Diese Informationen sowie Nennungen von Unternehmen und Einzelwerten dürfen nicht als Anlageberatung, Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Hinweis auf die Kauf- oder Verkaufsabsichten eines MFS-Produkts aufgefasst werden.

Die hier genannten Einzelwerte können, aber müssen nicht in MFS-Fonds enthalten sein. Eine vollständige Liste aller Einzelwerte von MFS-Portfolios finden Sie in deren aktuellen Jahres-, Halbjahres- oder Quartalsberichten. Vollständige Bestandsübersichten finden Sie auch in den Fondsübersichten im Abschnitt "Produkte" auf mfs.com.

Die hier dargestellten Meinungen sind die von MFS und können sich jederzeit ändern. Prognosen sind keine Garantien.

Die Performance der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Quellen: MFS Research, Wall Street Journal, Financial Times, Reuters, Bloomberg News, FactSet Research, S&P Global Market Intelligence, LSEG.

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Der Iran-Krieg hat den globalen Energiemarkt erschüttert. Zerstörte Förderanlagen, ausgefallene Transportwege und fehlende Raffineriekapazitäten sorgen dafür, dass nicht nur Rohöl, sondern vor allem Benzin und Diesel knapp und teuer bleiben könnten. Selbst ein Ende der Kämpfe würde das Problem nicht über Nacht lösen, der Wiederaufbau der Energieinfrastruktur dürfte Jahre dauern.

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