(neu: weitere Zitate von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp aus der Telefonkonferenz mit Journalisten, aktualisierte Kursreaktion)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank bleibt auf Rekordkurs und hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr Gewinn erzielt als im gesamten Vorjahr. "Die starke Geschäftsentwicklung belegt, welches Potenzial in der Commerzbank steckt", bilanzierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Donnerstag in Frankfurt. An der Börse wurde der Rekordgewinn mit Kursverlusten quittiert.
Die Commerzbank-Aktie lag um die Mittagszeit nach anfänglich stärkeren Abschlägen zuletzt mit 2,1 Prozent im Minus bei 38,92 Euro und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Dax . Im Vergleich zum Jahreswechsel steht noch ein Kursplus von rund acht Prozent zu Buche.
Analysten hatten sich von dem Geldhaus im dritten Quartal noch etwas mehr Gewinn erwartet. Branchenexpertin Anke Reingen von der kanadischen Bank RBC wertete die Geschäftstrends im dritten Quartal als enttäuschend. Zudem monierte sie das gesenkte Jahresziel für den Zinsüberschuss, der mit rund 8,5 Milliarden Euro nun etwa 100 Millionen niedriger ausfallen soll als noch im Sommer angekündigt.
Orlopp, die sich fast zwei Jahre dagegen gewehrt hat, sagt: "Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen." In einer Telefonkonferenz bekräftigte sie: "Ich bin zuversichtlich, dass innerhalb der Unicredit-Gruppe zusätzliche Gewinne erzielt werden können."
Potenzial gebe es "etwa im Einkauf, bei IT-Themen wie Cybersecurity und KI, im Vertrieb und bei gemeinsamen Produktplattformen", sagte Orlopp in einem Intranet-Video. "Für unsere Kundinnen und Kunden ändert sich im Tagesgeschäft erst mal nichts."
Rekordgewinn nach neun Monaten
Die Geschäfte der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands liefen im dritten Quartal gut: 859 Millionen Euro Gewinn waren gut 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten kletterte der Überschuss um mehr als 40 Prozent auf den Rekordwert von rund 2,7 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Für 2027 und 2028 werde "weiter steigende Profitabilität" erwartet trotz Restrukturierungskosten, sagte Orlopp. 2025 war wegen Kosten für Stellenabbau der Rekord von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) knapp verfehlt worden.
Unicredit treibt Übernahme voran
Die Unicredit hat sich den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Die Großbank, die in Deutschland mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel will das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Die Commerzbank selbst drückt die Kosten. Im Februar 2025 wurde der Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen etwa 3.000 weitere Stellen wegfallen. Es könne darüber hinaus "natürlich noch den einen oder anderen Mitarbeiterabbau geben", sagte Orlopp.
Laut Commerzbank haben etwa 1.800 Mitarbeitende Vereinbarungen für einen Übergang getroffen. Für ein neues Altersteilzeit-Programm haben sich demnach schon mehr als 1.100 Beschäftigte entschieden. Zum 30. September hatte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, 25.091 davon im Inland.
Orcel wirbt um Vertrauen
Der Bund, der noch gut 13 Prozent der Aktien hält, pocht darauf, dass die Commerzbank ihre Rolle für die Finanzierung des Mittelstands weiter erfüllen kann.
Unicredit-Chef Orcel warb um Vertrauen: "Wir bündeln die Stärken beider Banken nicht, um weniger für die deutschen Unternehmen zu leisten." Die Unicredit sei "fest entschlossen, den Mehrwert einer Zusammenführung der Stärken beider Banken unter Beweis zu stellen", betonte Orcel. "Wir bitten unsere Kunden, uns weiterhin ihr Vertrauen zu schenken und uns an unseren tatsächlichen Leistungen zu messen."
Austausch der Commerzbank-Spitze?
In den nächsten Wochen erwartet die Unicredit die ausstehenden Genehmigungen für ihren Übernahme-Plan. Die Commerzbank geht davon aus, dass "im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens bis Anfang des Jahres 2027" die Freigaben vorliegen.
Orcel hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Commerzbank-Führung neu besetzen will. Spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027. Commerzbank-Chefin Orlopp versicherte: "Wir werden auf jeden Fall vorbereitet sein, wenn es ein solches Verlangen geben sollte."/ben/stw/DP/stw




