DJ ÜBERBLICK am Mittag/Konjunktur, Zentralbanken, Politik
Die wichtigsten Ereignisse und Meldungen zu Konjunktur, Zentralbanken, Politik aus dem Programm von Dow Jones Newswires
Erholung der deutschen Industrie durch Kernaufträge getrieben
Der Anstieg der deutschen Industrieaufträge im September ist erfreulicherweise durch eine solide Entwicklung bei den Kernaufträgen und nicht durch einmalige Großaufträge getrieben worden, schreibt Ralph Solveen von der Commerzbank in einer Research Note. Insgesamt sind die Aufträge im Monatsvergleich um 4,4 Prozent gestiegen, während die Kernaufträge um 5,1 Prozent kletterten, was darauf hindeutet, dass die zugrunde liegende Nachfrage an Dynamik gewinnen könnte. "Nach diesem kräftigen Zuwachs im September scheint sich nun bei den Kernaufträgen ein leichter Aufwärtstrend abzuzeichnen", schreibt Solveen. Dies sei durch eine Erholung im Automobilsektor nach zwei enttäuschenden Monaten unterstützt worden, notiert er.
EZB/Schnabel mahnt zu geldpolitischer Flexibilität
Die Europäische Zentralbank (EZB) muss sich nach Ansicht von EZB-Direktorin Isabel Schnabel in einem zunehmend unberechenbaren Wirtschaftsumfeld maximale Flexibilität bewahren und starre geldpolitische Festlegungen vermeiden. In einer Grundsatzrede zum Ende ihrer Amtszeit betonte Schnabel in Frankfurt, dass sich Notenbanken auf Instrumente konzentrieren sollten, die eine rasche Anpassung ermöglichen. Rückblickend sei etwa die Forward Guidance während der Pandemie zu bindend gewesen; zudem gelte der Leitzins klar als primäres Instrument, da großvolumige Anleihekäufe die Geldpolitik noch lange nach ihrem Ende lockerten und die Handlungsfähigkeit einengten.
Bank of England hebt Zinsen erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs an
Die Bank of England (BOE) hat ihren Leitzins erstmals seit dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Höhenflug der Ölpreise angehoben. Gleichzeitig signalisierte die Notenbank, dass sie im Kampf gegen die steigende Inflation voraussichtlich nicht so aggressiv vorgehen wird, wie viele Investoren erwartet hatten. Die britische Zentralbank erhöhte ihren Leitzins von 3,75 Prozent, wo er seit Dezember verharrt hatte, auf 4,0 Prozent.
Norges Bank belässt Leitzins auf aktuellem Niveau und signalisiert Bereitschaft zu weiterer Straffung
Norwegens Zentralbank hat am Donnerstag ihren Leitzins unverändert gelassen. Sie hielt sich jedoch die Möglichkeit einer weiteren geldpolitischen Straffung offen, sollte die Inflation hoch bleiben. Die Norges Bank beließ ihren Leitzins wie von Anlegern erwartet bei 4,5 Prozent, nachdem sie ihn bei ihrer letzten Sitzung im September um einen Viertelprozentpunkt angehoben hatte. Die Währungshüter erklärten, eine restriktive Geldpolitik sei weiterhin erforderlich, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeithorizonts auf das Zielniveau zu senken.
Vize-Gouverneur der RBA bestreitet Vorwürfe des Versuchs der Einflussnahme auf das geldpolitische Board
Der Vize-Gouverneur der australischen Zentralbank, Andrew Hauser, hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach seine Äußerungen im Oktober ein Versuch gewesen seien, das geldpolitische Board vor seiner Sitzung diese Woche zu beeinflussen. In einer Rede in Canberra sagte Hauser, um den Ansatz der Zentralbank bei der Zinsfestlegung besser zu vermitteln, sei es notwendig, dass hochrangige Vertreter der Reserve Bank of Australia breit und häufig sprächen.
Blaue Welle wird Chinas Politik nicht wegspülen
Der Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen wird in der amerikanischen Regierungsführung vieles verändern, nicht aber die China-Politik - zumindest nicht auf kurze Sicht, meint Arthur Kroeber von Gavekal Research. Die unruhige Pattsituation zwischen Peking und Washington dürfte fortbestehen, wahrscheinlich bis zum Ende von Trumps Amtszeit. China liege auf der Prioritätenliste der Demokraten weit hinten, hinter Themen wie Inflation, KI-Regulierung und dem Iran-Krieg. "Die Partei hat keine klare Haltung zu China", gespalten durch unterschiedliche Ansichten über Eindämmung versus Kooperation. "Die Demokraten werden wahrscheinlich die nächsten zwei Jahre damit verbringen, herauszufinden, welche China-Politik sie wollen, wenn sie das Weiße Haus zurückerobern, anstatt jetzt große Anpassungen erzwingen zu wollen."
China könnte zu aggressiven Stimulierungsmaßnahmen gezwungen sein
Julius Bär geht davon aus, dass ein sich verschlechternder wirtschaftlicher Ausblick für China im nächsten Jahr die politischen Entscheidungsträger zu aggressiveren Stimulierungsmaßnahmen zwingen könnte, schreibt der China-Stratege der Bank, Richard Tang, in einer E-Mail. Dies könnte laut Tang irgendwann im ersten Halbjahr 2027 zu einer nachhaltigen Erholung des Aktienmarktes führen. Southbound-Investoren haben in drei aufeinanderfolgenden Wochen netto Hongkong-Aktien verkauft, während onshore-chinesische Investmentfonds nach wie vor stark in KI-Infrastruktur positioniert sind, was nur begrenzten Spielraum für weitere Käufe lässt, fügt er hinzu. Der chinesische Markt stieg nach dem Sieg der Demokraten im US-Kongress kräftig an.
DJG/DJN/apo
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November 05, 2026 07:30 ET (12:30 GMT)
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