FESSENHEIM (dpa-AFX) - Frankreichs Umweltbehörde fordert Nachbesserungen an den Plänen für ein Recyclingwerk auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks Fessenheim nahe der deutschen Grenze. Dort soll schwach radioaktiv belasteter Schrott aufbereitet werden.
In einer Umweltverträglichkeitsprüfung wirft die Behörde dem staatlichen Stromkonzern EdF insbesondere eine fehlerhafte Bewertung der Auswirkungen des Projekts auf Feuchtgebiete vor. Es seien zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen nötig, die in einem angemessenen Verhältnis zur Zerstörung von rund zehn Hektar Feuchtgebieten stehen.
Außerdem rät die Umweltbehörde dem Energiekonzern zu präzisieren, dass in dem geplanten Werk auch Abfälle mit höherer radioaktiver Belastung eintreffen werden, aber nur Metalle mit sehr geringer Radioaktivität recycelt werden. Die Spezifikationen und Verfahren, die sicherstellen, dass tatsächlich nur schwach belastete Materialien verarbeitet werden, müssten dargelegt werden.
Bemängelt wird von der Behörde auch, dass die Transporte zu und von dem Werk per Lastwagen erfolgen sollen, obwohl ein Gleisanschluss vorhanden ist und das ehemalige AKW-Gelände direkt an einem Rheinseitenkanal liegt.
Das Kraftwerk Fessenheim südlich von Freiburg war 2020 nach 42 Betriebsjahren stillgelegt worden. Atomkraftgegner auch in Deutschland hatten zuvor jahrelang die Abschaltung des Meilers im Elsass gefordert. Aktuell steht der Rückbau des Kraftwerks an.
EdF will an dem Atomstandort auf einem bisher ungenutzten Areal ab 2027 eine Schmelzanlage für schwach radioaktiv belasteten Schrott errichten, mit der die Umweltbehörde sich jetzt beschäftigt hat. Es können den Plänen zufolge potenziell 500.000 Tonnen Metalle aus ganz Frankreich verwertet werden, etwa Dampferzeuger aus heimischen Atomkraftwerken.
EdF verspricht im sogenannten Technocentre 200 Arbeitsplätze. Die Schrottverwertung soll 2031 in Betrieb gehen, für das Projekt sollen etwa 450 Millionen Euro fließen./evs/DP/zb
