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0,05%. So gering war der Graphenanteil in einem synthetischen Öl, das in einer 2026 veröffentlichten wissenschaftlichen Untersuchung getestet wurde. Unter bestimmten Hochdruckbedingungen sank das gemessene Verschleißvolumen gegenüber dem reinen Basisöl um mehr als 90%.
Noch spektakulärer wird das Ergebnis durch einen zweiten Versuch: Bei einer Graphenkonzentration von 0,08% reduzierte sich die Reibung unter bestimmten Betriebsbedingungen um bis zu 61,5%.
Die Zahlen stammen nicht von First Graphene und auch nicht aus einem kommerziellen Shell- oder ExxonMobil-Produkt. Sie zeigen aber, warum Graphen ausgerechnet in einem der unscheinbarsten Milliardenmärkte interessant werden könnte: Schmierstoffen.
Shell und ExxonMobil investieren seit Jahrzehnten enorme Entwicklungsarbeit in weniger Reibung, geringeren Verschleiß und längere Wartungsintervalle. First Graphene (ISIN: AU000000FGR3) entwickelt parallel neue flüssige Graphenadditive und führt bereits Schmierstoffe als kommerzielles Anwendungsfeld für PureGRAPH.
Die entscheidende Frage lautet: Kann eine Materialmenge, die kaum messbar erscheint, tatsächlich einen relevanten Unterschied in Millionen Maschinen und Motoren erzeugen?
0,05% reichen in einem Test für mehr als 90% weniger Verschleiß
Forscher der Universität Coimbra untersuchten 2026 Graphen-Nanoplatelets als Additiv in verschiedenen Schmierstoffen. Besonders interessant war ein synthetisches Polyalphaolefinöl vom Typ PAO8.
Die Forscher testeten Graphenmengen zwischen 0,025 und 0,15 Gewichtsprozent. Schon diese extrem niedrigen Konzentrationen veränderten das Reibungsverhalten deutlich.
Bei 0,08% Graphen sank der Reibungskoeffizient unter Grenzschmierbedingungen um 21,25%. Im elastohydrodynamischen Bereich lag die Reduktion bei 61,54%. Die Forscher stuften 0,08% deshalb über die untersuchten Betriebszustände hinweg als optimale Konzentration für die Reibungsreduzierung ein.
Beim Verschleiß lag das Optimum in einem anderen Test bei 0,05%. Unter einer Belastung von 100 Newton beziehungsweise einem maximalen Kontaktdruck von 1,3 Gigapascal sank das Verschleißvolumen gegenüber reinem PAO8 um mehr als 90%. Bei höherem Druck verringerte sich der Vorteil allerdings deutlich auf rund 14,3%.
Genau diese Einschränkung ist wichtig. Graphen ist kein magischer Zusatz, der unter allen Bedingungen automatisch 90% weniger Verschleiß erzeugt. Konzentration, Basisöl, Druck, Geschwindigkeit und Dispersion beeinflussen das Ergebnis erheblich. Aber gerade die winzige benötigte Materialmenge macht die Ergebnisse interessant.
Shell verkauft nicht einfach Öl - sondern weniger Reibung
Shell plc (ISIN: GB00BP6MXD84) zeigt, wie groß der wirtschaftliche Wert hinter Schmierung inzwischen ist. Im September wurde Shell zum 20. Mal in Folge als weltweit größter Schmierstoffanbieter bestätigt. Der Konzern führt laut Kline die drei großen Kategorien Consumer Automotive, Commercial Automotive und Industrial Lubricants an.
Das Geschäft dreht sich längst nicht mehr nur darum, zwei Metallflächen voneinander zu trennen. Shell nennt Reibungs- und Wärmemanagement ausdrücklich als zentrale Funktionen seiner Produkte. In seinen Forschungsprogrammen beschäftigt sich der Konzern mit weniger Reibung und Verschleiß, längerer Ölstandzeit und höherer Energieeffizienz.
Wie wertvoll selbst kleine Verbesserungen sein können, zeigt die Zusammenarbeit mit Komatsu. Shell entwickelt Schmierstoffe gemeinsam mit dem Baumaschinenhersteller und ermöglicht bei ausgewählten neuen Maschinen Ölwechselintervalle von bis zu 1.000 Betriebsstunden. Weniger Ölwechsel bedeuten weniger Stillstand und geringere Wartungskosten - ein erheblicher Hebel bei teuren Bergbau- und Baumaschinen.
Genau in solchen Anwendungen zählt nicht der Preis eines Liters Schmierstoff. Entscheidend ist, was dieser Liter für die Maschine leistet.
ExxonMobil zeigt, was wenige Prozent Effizienz bedeuten
Auch Exxon Mobil (ISIN: US30231G1XXX) investiert über die Mobil-Produktfamilie massiv in Hochleistungsschmierstoffe.
Mobil SHC 600 kann nach Unternehmensangaben den Energieverbrauch in Getrieben und Umlaufsystemen gegenüber konventionellen Referenzölen um bis zu 3,6% reduzieren. Gleichzeitig nennt ExxonMobil eine bis zu sechsmal längere Öllebensdauer gegenüber konventionellen Produkten.
3,6% wirken neben den mehr als 90% Verschleißreduktion aus dem Graphen-Labortest zunächst unspektakulär. In einer Produktionsanlage, einem Schiff oder einer Mine können wenige Prozent Energieeinsparung über Tausende Betriebsstunden jedoch erhebliche Beträge ausmachen.
Genau deshalb forscht die Schmierstoffindustrie kontinuierlich an Additivpaketen. Ein modernes Öl besteht nicht nur aus einem Basisöl, sondern enthält eine Kombination aus Verschleißschutz, Reibungsmodifikatoren, Oxidationsschutz, Detergenzien und weiteren chemischen Komponenten.
Graphen müsste sich in dieses hochentwickelte System integrieren und dort einen zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil liefern.
Ein Graphenunternehmen verkauft das Additiv bereits
Dass die Idee nicht mehr ausschließlich im Labor existiert, zeigt Graphene Manufacturing Group.
Das australisch-kanadische Unternehmen verkauft mit G Lubricant bereits einen graphenbasierten Ölzusatz. Das Konzentrat wird im Verhältnis 1:100 in bestehendes Motoröl gemischt. GMG nennt auf Basis eigener und externer Tests bis zu 10% geringeren Kraftstoffverbrauch, bis zu 30% geringere Reibung sowie weitere Verbesserungen bei Emissionen und Verschleiß.
Diese Werte sind nicht unmittelbar mit der wissenschaftlichen Coimbra-Studie vergleichbar. Unterschiedliche Graphenmaterialien, Motoren, Öle und Testbedingungen verhindern einen direkten Vergleich.
Die kommerzielle Bedeutung ist trotzdem bemerkenswert: Graphen als Schmierstoffadditiv ist bereits ein kaufbares Produkt. GMG liefert damit einen praktischen Beleg dafür, dass industrielle Kunden bereit sind, das Material zumindest in realen Anwendungen auszuprobieren.
First Graphene baut genau für diesen Markt neue flüssige Additive
Auch First Graphene beschäftigt sich schon länger mit Schmierstoffen. PureGRAPH AQUA wird vom Unternehmen ausdrücklich für Anwendungen in Schmierstoffen und Fetten geführt. Bereits in früheren kommerziellen Projekten wurde Graphen unter anderem zur Verbesserung von Lagerlubrikation und Wärmemanagement eingesetzt.
2026 wurde dieser Bereich wieder interessanter. Über den langjährigen Vertriebspartner Bisley entwickelt First Graphene eine neue Generation flüssiger Graphenadditive. Die Produkte befanden sich zuletzt in Marktevaluierungen und Kundenversuchen und sollten im zweiten Halbjahr 2026 kommerziell eingeführt werden. Bisley arbeitet bereits mit Anwendungen in Schmierstoffen sowie im Öl- und Gasbereich.
Für First Graphene ist diese Produktform entscheidend. Ein Industrieunternehmen möchte Graphen nicht erst selbst aufwendig in einem Öl dispergieren. Je einfacher ein fertiger Zusatz in bestehende Formulierungen integriert werden kann, desto niedriger wird die Hürde für einen kommerziellen Einsatz.
Die 90% sind nicht das eigentliche Versprechen
Niemand sollte aus einem einzelnen Laborversuch ableiten, dass Maschinen mit Graphen künftig automatisch 90% weniger verschleißen.
Die Studie zeigt sogar sehr deutlich, wie sensibel das System ist. Bei zu hoher Graphenkonzentration verschlechterte sich die Reibung wieder. In einem epoxidierten Pflanzenöl brachte Graphen beim Verschleiß keinen Vorteil. Und bei höheren Belastungen schrumpfte die gemessene Verschleißreduktion deutlich.
Gerade deshalb ist die Zahl wissenschaftlich interessant: Nicht möglichst viel Graphen erzeugte das beste Ergebnis. Extrem kleine, genau abgestimmte Mengen waren entscheidend.
Shell und ExxonMobil zeigen, wie viel wirtschaftlicher Wert bereits heute in kleinen Verbesserungen von Reibung, Verschleiß und Energieverbrauch steckt. GMG zeigt, dass graphenbasierte Schmierstoffzusätze inzwischen tatsächlich verkauft werden. First Graphene entwickelt parallel seine eigene Produktplattform für flüssige Additive.
0,05% Graphen und mehr als 90% weniger Verschleiß sind deshalb noch keine kommerzielle Revolution. Aber die Zahlen erklären ziemlich eindrucksvoll, warum einige Unternehmen genauer hinsehen.
Denn wenn ein winziger Materialanteil selbst nur einen Bruchteil solcher Verbesserungen dauerhaft und wirtschaftlich in realen Maschinen liefern könnte, wäre Graphen ausgerechnet dort interessant, wo man es später überhaupt nicht sieht: zwischen zwei Metalloberflächen, die sich Millionen Male aneinander vorbeibewegen.
Quellen:
Lubricants 2026 - Lubricating Properties of Oil-Based Solutions Containing Graphene as Additive
Shell - weltweit größter Schmierstoffanbieter 2026
ExxonMobil - Mobil SHC 600 Series
Graphene Manufacturing Group - G Lubricant
First Graphene - PureGRAPH AQUA
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