DJ MÄRKTE USA/Zinssorgen und Zweifel an KI-Ausgaben belasten Börsen
DOW JONES--Kräftige Verluste bei den Technologie-Werten haben am Dienstag die Wall Street deutlich ins Minus gedrückt. Der Auslöser für die Verluste waren Bedenken, dass die US-Zinsen länger als erwartet auf einem hohen Niveau bleiben könnten. Dazu kam die Frage, ob sich die enormen Ausgaben für KI-Infrastruktur im aktuellen Tempo fortsetzen werden. Technologie- und Halbleiteraktien gehörten zu den größten Gewinnern der Rally seit dem vergangenen Jahr, was sie besonders anfällig mache, wenn die Stimmung umschlage, so ein Marktbeobachter. Entscheidend werde daher sein, ob die jüngste Schwächephase lediglich eine Konsolidierung im KI-Bereich darstelle oder den Beginn einer umfassenderen Neubewertung des Sektors.
Der Dow-Jones-Index beendete den Handel 0,1 Prozent niedriger bei 51.667 Punkten. Unterstützung erhielt der Index von der IBM-Aktie, die nach einem positiven Analystenkommentar um 5 Prozent zulegte. JP Morgan hatte IBM auf "Overweight" hochgestuft. Für den S&P-500 ging es um 1,4 Prozent nach unten. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes büßten bis zu 3,3 Prozent ein. An der Nyse wurden 1.446 (Montag: 1.142) Kursgewinner gesehen und 1.325 (1.638) Verlierer. Unverändert schlossen 53 (71) Titel.
Teilnehmer verwiesen auch auf die sehr schwachen Vorgaben aus Asien, wo es vor allem für die Halbleiterwerte abwärts gegangen war. So war der technologielastige Kospi in Seoul um 10 Prozent eingeknickt. Daher standen an der Wall Street vor allem die Chipwerte unter Abgabedruck. Unter anderem büßten die Aktien von Nvidia 4,2 Prozent ein. Die Titel von Intel und Micron Technologies, zwei der größten Gewinner des KI-Booms, fielen um 6,2 bzw 13,2 Prozent.
Zur Verunsicherung trugen auch die jüngsten massiven Abgaben bei SpaceX bei. Nach einem Kurseinbruch von gut 16 Prozent am Vortag erholte sich die die Aktie nun um 0,9 Prozent. Die geplante Anleiheemission von SpaceX verstärke die allgemeinen Sorgen der Anleger über das Ausmaß der Kapitalbeschaffungsmaßnahmen von KI-Hyperscalern, kommentierte Marktstratege Joachim Klement von Panmure Liberum.
Zudem dürften Gewinnmitnahmen nach dem fulminanten Börsendebüt die Abwärtsbewegung noch verstärkt haben, heißt es. Die Aktien hatten am Montag bei 154,60 Dollar geschlossen und damit nur knapp über ihrem Eröffnungskurs beim Börsengang am 12. Juni von 150 Dollar. Alleine zu Wochenbeginn wurden so bei SpaceX rund 400 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung eingebüßt. Für die Aktien von Rocket Lab ging es um 5,2 Prozent nach unten.
Kaum Einfluss hatten die etwas besser als erwartet ausgefallenen US-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich, jeweils für Juni. "Bessere Nachrichten aus dem Nahen Osten haben das Vertrauen der US-Unternehmen im Juni etwas gestärkt", so Ökonom Chris Williamson von S&P.
Die Ölpreise zeigten sich schwächer. Der Preis für ein Barrel Brent fiel um 1 Prozent auf gut 77 Dollar. Die USA haben die Sanktionen gegen iranisches Rohöl und petrochemische Produkte für 60 Tage ausgesetzt, was ein Zeichen für die Fortschritte bei den Gesprächen ist. Das US-Finanzministerium kündigte am Montag eine Aussetzung der Sanktionen bis zum 21. August an, die es Teheran zum ersten Mal seit Jahrzehnten erlaubt, Öl gegen Dollar zu verkaufen.
Der Dollar baute seine Vortagesgewinne mit der Erwartung von Zinserhöhungen durch die US-Notenbank weiter aus - der Dollar-Index stieg um 0,4 Prozent. Der US-Dollar könnte in der zweiten Jahreshälfte jedoch nachgeben, da die Erwartungen von US-Zinserhöhungen zu aggressiv erschienen, warnte TD Securities. Die Fed dürfte die Zinsen für einen längeren Zeitraum unverändert lassen, da sich die Geldpolitik in einem neutralen Bereich befinde, der die Wirtschaft weder stimuliere noch bremse. Selbst wenn die US-Notenbank die Zinsen bis zum Jahresende anhebe, müsste der Zinspfad aggressiver sein als die Markterwartungen, um den Dollar nach oben zu treiben, argumentierten die Strategen.
Der festere Dollar belastete den Goldpreis. Die Feinunze reduzierte sich um 1,9 Prozent auf 4.113 Dollar. Auch würden die zunehmenden Erwartungen von Zinserhöhungen durch die Fed die Anzeichen für Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran überschatten, hieß es.
Die Renditen am US-Anleihemarkt büßten einen Teil der Gewinne vom Wochenbeginn wieder ein. Die Rendite zehnjähriger Papiere fiel um 1 Basispunkt auf 4,50 Prozent.
Neben IBM waren auch andere Aktien aus dem Segment Quantencomputer gesucht. Sie profitieren von zwei "Executive Orders" (Präsidialverordnungen) aus dem Weißen Haus zur Förderung der Quantentechnologie. Unter anderem stiegen Infleqtion um 12,2 Prozent und D-Wave Quantum um 2,2 Prozent.
Die Aktien der Kreuzfahrtreederei Carnival sackten um 4,9 Prozent ab. Der Umsatz im zweiten Geschäftsquartal hatte die Erwartungen verfehlt.
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