DJ MARKT-AUSBLICK/KI liefert starke Performance, die kostet
Von Thomas Leppert
DOW JONES--Das erste Halbjahr 2026 endet kommende Woche. Daher ist es ein guter Zeitpunkt, die Performance der großen Aktienindizes einzuordnen. Unter den größten Gewinnern sind alte Bekannte aus Asien zu finden, der Chipschmiede der Welt. Nach der starken Performance der vergangenen Jahre ging es für den Kospi aus Südkorea, den TAIEX aus Taiwan sowie den Nikkei-225 aus Japan in den ersten sechs Monaten des Jahres wieder steil nach oben. Dabei profitierten die extremen Renditen in Südkorea mit Samsung und SK Hynix sowie in Taiwan mit TSMC fast ausschließlich von einzelnen Schwergewichten der Halbleiterindustrie. Taiwan allein fertigt über 50 Prozent aller weltweiten Halbleiter, bei fortschrittlichen Hochleistungschips liegt der Prozentsatz noch höher. Samsung und SK Hynix dominieren den Markt für Speicherchips.
Aber auch in Europa gab es Outperformer, der OSEBX aus Norwegen sowie der MIB aus Italien lagen beim Plus seit Jahresbeginn noch vor dem S&P-500 Index - in Euro gerechnet. Wer dagegen in den DAX-Kursindex investierte, besitzt aktuell weniger als Anfang des Jahres. Und schaut man auf die aktuellen Schlagzeilen aus Wirtschaft und Politik, scheint patriotischer Optimismus am Aktienmarkt wohl fehl am Platz.
Im europäischen Stoxx-600 lieferten auf Branchenebene die Technologiewerte mit der KI-Fantasie im ersten Halbjahr die beste Performance ab. Energie- wie auch Öl-Werte legten zudem auf Sektorebene stark zu, was zum Teil dem Nahost-Konflikt geschuldet war. Im Mittelfeld hielt sich der Sektor der Reise- und Freizeit-Unternehmen im schwierigen Umfeld mit einem Plus von 4 Prozent vergleichsweise gut. Nicht überraschend war der Sektor der Automobilhersteller und auch der Zulieferer der Schwächste, hier ist Deutschland prominent vertreten.
KI und Inflation gehen Hand in Hand
Künstliche Intelligenz (KI() ist inzwischen Teil des täglichen Lebens. Sie macht in vielen Bereichen das Leben einfacher. Doch das hat seinen Preis. Dieser schlägt sich erst langsam in den Preisen der Produkte und Dienstleistungen nieder. Der neueste Begriff heißt "Chipflation" und setzt sich aus den Begriffen Chip und Inflation zusammen. Es beschreibt das Phänomen, dass die Verknappung und die extrem steigenden Preise von Halbleitern und Mikrochips die Endprodukte wie Laptops, Smartphones und Elektronik verteuern und die Inflation anheizen.
Wer an der Börse darauf gesetzt hat, dass die großen Notenbanken nach dem jüngsten Ölpreisschock nun wieder auf eine expansive Geldpolitik umschwenken, was am Aktienmarkt wie auch bei den hochbewerteten Technologiewerten stützend wirken dürfte, muss wohl umdenken. Denn die starke Preisentwicklung bei Produkten und Dienstleistungen im Bereich der Informationstechnologie hat inzwischen einen Namen an der Börse - "Chipflation". So heißt es bei Morgan Stanley, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass der starke Preisanstieg bei unbespielten Aufzeichnungsmedien die "Chipflation" widerspiegele. Dieses Phänomen dürfte auch zur Trendwende bei den Preisen für IT- und Mobilfunkgeräte beigetragen. Die "Chipflation" habe die Preise im Bereich der Kerngüter bereits nach oben getrieben.
Wer aktuell die Zeitungen gelesen hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Apple die Engpässe und damit die Preissteigerungen bei Speicherchips dafür verantwortlich macht, die Preise für Macbooks und iPads anzuheben. Microsoft wiederum will wegen der gestiegenen Preise für Arbeitsspeicher den Preis für die Spielekonsole Xbox anheben. Dies sind nur zwei Beispiele innerhalb der vergangenen 24 Stunden.
Welche Dimension die Investitionen der Hypescaler inzwischen erreicht haben, schaut nach Südkorea. Dort hat Samsung angekündigt, in den kommenden zehn Jahren umgerechnet rund 648 Milliarden Dollar in die Bereiche Halbleiter, KI-Rechenzentren, Batterien und Displays zu investieren. Um diese Zahl einzuordnen: Der deutsche Bundeshaushalt 2025 umfasste Ausgaben bei einem Wechselkurs von ca. 1,08 bis 1,10 Dollar von rund 550 Milliarden US-Dollar. Dies alles muss bezahlt werden.
Während sich in der kommenden Woche die Saison der Hauptversammlungen langsam dem Ende zu neigt, rücken erste Pre-Close-Calls sowie Aussagen zur Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal 2026 langsam in den Fokus. BMW warnte bereits, dass die Erwartungen an die EBIT-Marge zu hoch seien, die Aktie von Wettbewerber Mercedes-Benz wurde an dem Tag gleich mitverkauft. An der Wall Street endet der Handel kommende Woche bereits früher. So gibt es am Donnerstag einen verkürzten Handel am Anleihemarkt, am Freitag bleibt die Wall Street wegen des "vorgezogenen Feiertages" Independence Day geschlossen. Damit kommen die US-Arbeitsmarktdaten bereits geballt am Donnerstag.
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