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Eigentlich hätte es zuletzt ein guter Tag für Tesla werden sollen. Die Auslieferungszahlen waren stark, deutlich stärker sogar, als die Wall Street erwartet hatte. Vor Jahren wäre die Aktie mit einem Gap-Up in den Markt gestartet und dann weiter nach oben gelaufen. Nun aber zur jetzigen Zeit ging die Aktie auf Tauchstation. Ein Kursminus von über 7 %, einer der schlechtesten Handelstage seit fast einem Jahr. Warum ist das so und wie passt das alles überhaupt noch zusammen? Und was hat es mit den Gerüchten auf sich, wonach Elon Musk seine beiden Konzerne Tesla und SpaceX zu einem gigantischen Technologie-Imperium verschmelzen könnte? Wir schauen für Sie genauer hin und stellen ein paar Sachen klar!
Starke Zahlen, schwacher Kurs
480.126 Fahrzeuge lieferte Tesla im zweiten Quartal aus. Das liegt weit über dem, was Analysten im Schnitt erwartet hatten, nämlich rund 406.600 Stück. Auch der eigene Unternehmenskonsens von etwa 406.000 Einheiten wurde damit klar übertroffen. Im Jahresvergleich bedeutet das ein Plus von 25 %, gegenüber dem ersten Quartal sogar ein Sprung von 34 %. Model 3 und Model Y trugen mit zusammen fast 468.000 Einheiten fast die gesamte Last. Und trotzdem reagierte der Markt nicht gelassen, sondern sogar mit Verkaufsdruck. Ein Grund dürfte sein, dass Tesla die Auslieferungen offenbar mit aggressiven Rabatten und günstigeren Basisvarianten erkauft hat. Wenn das Volumen wächst, die Marge aber leidet, macht das Anleger nervös. Hinzu kommt die harte Konkurrenz aus China, wo BYD, Nio und Xiaomi mit attraktiven E-Autos Boden gutmachen. Auch politisch bläst Tesla Wind ins Gesicht: Schweden bremst gerade die europaweite Zulassung des Fahrassistenzsystems FSD, weil eine Funktion erlaubt, Tempolimits zu überschreiten.
Spannend und auch interessant wird es beim Blick auf die Zukunftsfantasie. Immer wieder kursieren Gerüchte über eine mögliche Fusion von Tesla mit SpaceX. Für Tesla könnte das enorme Chancen bedeuten: Zugriff auf Starlink, eine engere Verzahnung mit der Satelliteninfrastruktur, die künftig für autonomes Fahren und Robotik wichtig werden könnte. Gleichzeitig birgt so ein Schritt aber auch Risiken. SpaceX ist kapitalintensiv, Raketenstarts können scheitern. Regulierungen könnten bremsend wirken. Würde Tesla diese Risiken in die eigene Bilanz holen, könnte aus einer ohnehin schon volatilen Aktie ein noch unberechenbareres Papier werden. Für den Kurs wäre eine Fusion also möglicherweise ein zweischneidiges Schwert: kurzfristig könnte womöglich Euphorie vorherrschen, langfristig aber auch neue Unsicherheit, denn SpaceX ist wie wir ja alle wissen sehr sportlich bewertet, noch sportlicher als Tesla selbst.

Charttechnik
Seit Jahresbeginn bewegt sich die Tesla-Aktie eher in einer Seitwärtsspanne. Nach oben scheint die Marke von rund 450 US-Dollar wie eine Wand zu wirken, die seit Monaten hält. Nach unten fängt eine Zone um 350 US-Dollar den Kurs bislang zuverlässig auf. Mit dem jüngsten Rückschlag rutschte die Aktie aber erneut unter die 50-Tage-Linie und auch unter die 200-Tage-Linie. Das ist ein Signal, dass der kurzfristige Trend und auch der langfristige angeschlagen ist. Ein möglicher Boden zeichnet sich erst wohl im Bereich zwischen 375 und 385 US-Dollar ab. Ohne neue, kräftige Impulse dürfte sich das Hin und Her in diesem Korridor erstmal fortsetzen.
Was tun?
Tesla bleibt ein Spezial- und damit auch Sonderfall. Operativ läuft es besser, als viele dachten, doch die Bewertung hängt kaum noch am klassischen Autogeschäft. Ein Forward-KGV von deutlich über 200 zeigt, wie viel Zukunftsmusik bereits eingepreist ist. Wir sprechen hier über Robotaxis, Optimus und KI. Genau dort hakt es aber noch: Konkurrenten wie Waymo sind im Robotaxi-Geschäft möglicherweise schon weiter vorangeschritten und auch beim Roboter Optimus bleiben handfeste Fortschritte bislang eher rar. Charttechnisch fehlt derzeit ein klarer Ausbruch, fundamental bleibt die Bewertung ambitioniert. Wer schon investiert ist, könnte überlegen die Position mit Blick auf die Zahlen zum 22. Juli halten und evtl. einen Stoppkurs bei 340 oder 345 US-Dollar zu setzen. Wer neu einsteigen will, sollte eher Geduld mitbringen und auf einen klareren Trend oder einen günstigeren Einstiegspunkt warten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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