
© Foto: fn Symbolbild
Von 0,18 Euro auf 0,36 Euro. Eine glatte Verdopplung. Wer im Frühjahr bei Nel ASA eingestiegen ist, konnte sich freuen. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Inzwischen steht der Kurs wieder bei rund 0,20 Euro, fast auf dem Niveau von vor der Rally. Und dann kündigt auch noch der CEO seinen Abschied an, mitten in einer schwierigen Übergangsphase. Was ist da eigentlich passiert? Und viel wichtiger ist, ob jetzt der nächste Anstieg kommt, oder war es das mit der Wasserstoff-Fantasie erstmal wieder?
Rally verpufft, CEO geht
Nel ASA wollte eigentlich mit einer großen Geschichte überzeugen. Wasserstoff nicht nur als Klimalösung, sondern als Antwort auf Energiesicherheit und dezentrale Stromversorgung. Im Mai stellte das Unternehmen dazu sein neues Elektrolyseur-System vor, 8 Jahre Entwicklungsarbeit steckten darin. Das Ziel war die Herstellungskosten für grünen Wasserstoff deutlich zu drücken, teils sogar mehr als zu halbieren.
Die Idee kam an der Börse gut an. Der Kurs kletterte bis auf knapp unter 0,37 Euro, eine Verdopplung binnen weniger Wochen. Doch dann kam der Dämpfer. Mitte Juni verkündete CEO Hakon Volldal überraschend seinen Rückzug. Er wechselt zum Verpackungskonzern Elopak. Für Nel ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, mitten im Übergang zur neuen Produktgeneration fehlt jetzt eine feste Hand an der Spitze.
Parallel dazu enttäuschten die Zahlen. Der Auftragseingang brach im ersten Quartal um satte 73 Prozent ein, auf gerade einmal 85 Millionen norwegische Kronen. Der Umsatz sank leicht, der Verlust wuchs. Mit rund 1,4 Milliarden Kronen Liquidität in der Kasse hat Nel jedoch noch etwas Zeit, den Turnaround zu schaffen. Doch die Geduld der Analysten schwindet, aktuell rät kein einziges Haus zum Kauf. Das kann aber auch eine Chance sein, wenn die Stimmung am oder nahe am absoluten Minuspunkt angelangt ist.

Charttechnik
Der Chart erzählt eine Geschichte von Hochfreude und Ernüchterung. Von ca. 0,18 Euro im Februar ging es steil nach oben, bis zum Hoch von knapp unter 0,37 Euro im Mai. Seitdem geht es fast nur noch bergab. Aktuell pendelt die Aktie knapp um die 0,21-Euro-Marke, fast genau auf, bzw. nahe dem 200-Tage-Durchschnitt. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 0,27 Euro deutlich darüber, ein Zeichen für den scharfen kurzfristigen Abwärtstrend. Der RSI nähert sich der überverkauften Zone (ein Wert von 41), ohne dort aber schon richtig angekommen zu sein. Die Volatilität bleibt auch aktuell noch extrem hoch. Sprich, jede Nachricht kann den Kurs kräftig durchschütteln, in beide Richtungen.
Was tun?
Der 15. Juli wird möglicherweise zur Entscheidung. Dann legt Nel ASA die Halbjahreszahlen vor, und der Markt will endlich sehen, ob aus warmen Worten über Energiesicherheit auch echte Bestellungen werden. Die Technologie-Story ist grundsätzlich intakt, der Kostendurchbruch beim neuen Elektrolyseur klingt vielversprechend. Doch solange der Auftragseingang schwach bleibt und die Führungsfrage offen ist, bleibt viel Unsicherheit im Spiel. Wer neu einsteigen will, sollte sich bewusst sein, dass er hier auf eine Zukunftsgeschichte setzt, deren kommerzieller Durchbruch noch aussteht. Hochspekulativ!
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




