
© Foto: Viktorya Sergeeva auf Pexels (Symbolbild)
Die Rheinmetall-Aktie befindet sich auf dem Weg nach unten und die Realität ist deutlich düsterer als viele Anleger es vielleicht wirklich wahrhaben wollen. Das prestigeträchtige F126-Fregattenprojekt wurde gestrichen. Das ist ein Schlag, der dem Konzern bis zu 300 Millionen Euro Umsatz kostet. Analysten senken ihre Kursziele, der Kurs gibt immer weiter nach, und niemand weiß so ganz genau, wann das Fiasko endlich endet. Während Lobbyisten noch von glänzenden Raketendeals träumen, kämpft die Aktie täglich um jeden Euro. Was Anleger jetzt wirklich erwartet und warum Geduld das teuerste Kapital sein kann.
Der Kollaps der Hoffnungen
Lange Zeit wirkte Rheinmetall wie ein Gewinngarant. Die Rüstungsindustrie boomt, Europa rüstet auf, all das sollte ein Selbstläufer sein. Doch dann kam die bittere Realität: Das Fregattenprojekt F126 wurde einfach gestrichen. Nicht verschoben, nicht geplant neu: Sondern gestrichen. Das sind 300 Millionen Euro Umsatz, die wegfallen und nicht durch schnelle Alternativen ersetzt werden. Der deutsche Staat findet für solche Prestigeprojekte auch plötzlich kein Geld mehr. Pech gehabt!
Die Unsicherheit ist seither zum ständigen Begleiter geworden. MWB Research hat das Kursziel kürzlich von 1.400 auf 1.150 Euro gesenkt. Analysten versuchen, so hat es den Anschein, ihre Modelle zu retten, während die Realität aktuell völlig anders aussieht. Die Frage lautet nicht mehr, ob die Projekte passen, sondern ob es Geld im Haushalt gibt. Das ist ein fundamentales Problem für jeden Rüstungszulieferer.
Der ATACMS-Deal mit Lockheed Martin klingt zwar spannend und groß, doch ehrlich gesagt: Die Börse interessiert es nicht wirklich. Die erste Produktionsstätte außerhalb der USA ja, sehr schön. Nur kommt die nicht vor 2027 und das ist aktuell noch zu weit weg. Zu viele Probleme sind eben aktuell und sofort.

Charttechnik
Das Chartbild ist längst zu einem Trauerspiel geworden. Die Aktie pendelt zwischen 1.000 und 1.100 Euro herum und wirkt komplett kräftelos. Alle wichtigen Unterstützungen sind nach unten weggebrochen und umgefallen wie Dominosteine. Die 1.200er-Marke, die 1.150er-Schwelle, alles Schnee von gestern. Jetzt fokussieren sich Trader derzeit auf die psychologische 1.000er-Grenze. Sollte diese fallen, wird es erneut richtig eng. Dann geht es Richtung 900 Euro.
Das Schlimmste? Es gibt offene Gaps weiter unten bei um die 880 Euro und noch tiefer bei 830 Euro. Das sind magnetische Punkte, zu denen die Aktie regelrecht gezogen werden kann. Der RSI zeigt mit einem RSI von 36 noch keine akute Überverkauftsituation, was bedeutet, dass technisch noch Platz nach unten ist. Der 200er-Durchschnitt liegt bei 1.542 Euro, der 50er bei 1.176 Euro. Wer sich jetzt einredet, die Kurse könnten schnell wieder nach oben schießen, belügt sich selbst. Die Kraft zum schnellen Ansteigen ist einfach weg.
Was tun?
Für geduldige Langfristanleger könnte Rheinmetall irgendwann wieder interessant werden, nämlich dann, wenn es zuvor unten angekommen ist. Bodenbildung braucht Zeit und vor allem Überzeugung. Das sieht hier aber derzeit nirgendwo danach aus. Die operative Geschäftsentwicklung ist noch immer solide, ja, die Auftragsbücher sind voll. Aber zwischen Auftrag und realer Gewinnerzielung liegen Welten.
Das harte aber ehrliche aktuelle Fazit: Wer noch Positionen hält, sollte sich überlegen was er machen möchte: Jetzt dem Markt folgen und verkaufen oder durchhalten! Die Chancen, dass die 1.000er-Marke bricht, sind real. Das könnte dann einen neuerlichen Rutsch bis 800 Euro oder vielleicht sogar knapp darunter bedeuten. Erst dann könnte eine echte Bodenbildung beginnen. Bis dahin bleibt Rheinmetall ein "Auslaufmodell" in der aktuellen Marktphase. Neue Positionen einzuleiten ist unter diesen Bedingungen hoch riskant. Warten bis zur echten Stabilisierung ist der wohl bessere, rationalere Weg.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
Haftungsausschluss/Disclaimer
Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen. Finanznachrichten.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Finanznachrichten.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Finanznachrichten.de und/oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.




