
© Foto: SpaceX auf Pexels (Symbolbild)
Vor gerade mal einem Monat war die Welt noch eine andere. SpaceX ging an die Börse, das größte IPO aller Zeiten, Elon Musk plötzlich Billionär auf dem Papier. Die Aktie schoss nach oben, alle wollten dabei sein. Und jetzt? Jetzt ist die Stimmung gekippt. Der Kurs ist zuletzt unter den Ausgabepreis gefallen, zum ersten Mal überhaupt. Was ist passiert, und was bedeutet das für alle, die investiert sind oder noch überlegen jetzt reinzugehen? Wir schauen uns die Lage in Ruhe für Sie an.
SpaceX: Die harte Landung nach dem Höhenflug
Das war ganz schön viel Wind und Aufsehen um eine einzige Aktie. Mitte Juni ging SpaceX an die Nasdaq, mit einem Erlös von 75 Milliarden US-Dollar. Es war der größte Börsengang der Geschichte. Der erste Handelstag lief, damals schon für einige überraschend, blendend, ein Plus von fast 20 Prozent. Wenig später kletterte der Kurs sogar über 200 US-Dollar. In der Spitze lag er bei 225,47 US-Dollar. Doch seither geht es bergab. Am Mittwoch rutschte die Aktie erstmals unter den Ausgabepreis von 135 US-Dollar, zeitweise bis auf 132,21 US-Dollar. Vom bisherigen Hoch bei über 225 Dollar sind das gut 40 Prozent Verlust. Die Gründe dafür sind recht vielschichtig. Zum einen belastet die allgemeine Nervosität an den Technologiebörsen, ausgelöst durch neue geopolitische Spannungen und Zinssorgen. Zum anderen aber wächst (endlich auch mal) die Skepsis an der Bewertung selbst. SpaceX macht Milliardenverluste, wird aber teurer gehandelt als viele profitable Tech-Konzerne. Diese Lücke zwischen Erwartung und Zahlen fällt anscheinend (erst jetzt) vielen Anlegern auf. Dazu kommt ein technischer Faktor, der die Schwankungen naturgemäß verstärkt. Nur ein sehr kleiner Teil der Aktien ist überhaupt frei handelbar, deutlich weniger als bei den meisten Börsengängen üblich. Das sorgt bei jeder Nachricht, ob gut oder schlecht, für heftigere Kursausschläge als sonst. Hinzu kommen frisch ausgegebene Anleihen und neue Aktien für die Übernahme des KI-Start-ups Cursor. Beides sind Schritte, die manche Investoren eher vorsichtig stimmen. Ganz einfach ist die Situation derzeit also nicht.
Aber es gibt auch Käufer, denn genau in dieser schwachen Phase hat der Fonds von Cathie Wood, ARK, noch mehr SpaceX-Aktien gekauft. Laut eigener Meldung hat ARK über mehrere seiner Fonds rund 122.800 SpaceX-Aktien dazugekauft. Das Investment liegt aber im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Charttechnik
Der Chart zeigt seit dem Rekordhoch Ende Juni eine klare Abwärtsbewegung, mittlerweile die vierte Verlustserie in Folge. Da der Chart erst seit kurzem gezeichnet wird, ist er noch nicht so aussagekräftig wie ein Chart mit längerer Historie, dennoch die Marke von 135 US-Dollar, also der Ausgabepreis, galt lange als psychologische Unterstützung. Diese ist nun gerissen. Ob sich der Kurs hier stabilisiert oder weiter nachgibt, ist derzeit offen. Der anstehende Starship-Test gilt als möglicher kurzfristiger Kurstreiber, in die eine wie in die andere Richtung. Es bleibt spannend!
Was tun?
Die Analystenmeinungen gehen bei SpaceX, wie sollte es anders sein, deutlich auseinander. Ein Großteil der großen Banken hält trotz der Kursschwäche an Kaufempfehlungen fest, mit Kurszielen teils deutlich über dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig äußern unabhängige Stimmen wie Morningstar deutlich vorsichtigere Einschätzungen. Fundamental bleibt die Diskrepanz zwischen hoher Bewertung und roten Zahlen bestehen, der nächste Quartalsbericht dürfte hier mehr Klarheit bringen. Wer investiert ist, sollte sich der hohen Volatilität bewusst sein und auch diese aushalten können. Wer neu einsteigen will, könnte aber erst auf eine Bodenbildungsphase warten. Diese kann jetzt kommen, aber auch theoretische erst 30 oder 50 US-Dollar tiefer. Das aber zeigt, wie riskant ein Investment in SpaceX ist, bzw. sein kann.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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