Nicht das operative Geschäft, sondern die Bilanz könnte sich bei B+S Banksysteme in den kommenden Jahren als der eigentliche Werttreiber erweisen. Denn weitgehend unbeachtet von der Börse wächst hier Jahr für Jahr ein immer größeres Finanzpolster heran. Damit stellt sich zunehmend die Frage, wie das Unternehmen dieses Kapital künftig einsetzen will.
Die Ausgangslage ist komfortabel. Zum Ende des dritten Quartals verfügte B+S über liquide Mittel von 7,1 Mio. Euro - fast ein Viertel der Bilanzsumme und rund 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf jede der rund 6,2 Mio. Aktien entfällt damit inzwischen mehr als 1 Euro an Nettoliquidität. Gemessen an einem Aktienkurs von zuletzt unter 2 Euro wird damit ein erheblicher Teil der Marktkapitalisierung allein durch den Kassenbestand gedeckt. Zwar erreicht die Liquidität aufgrund der zum Jahreswechsel fakturierten Wartungs- und Hostingverträge traditionell Ende März ihren saisonalen Höchststand. Der deutliche Anstieg gegenüber dem Vorjahr zeigt aber, dass die Mittelzuflüsse strukturell zunehmen.
Hinzu kommt eine ausgesprochen solide Finanzierung. Abgesehen von einem langfristigen Darlehen für eine vermietete Büroimmobilie in Salzburg bestehen praktisch keine Bankverbindlichkeiten. Zudem dürfte der Verkehrswert der Immobilie spürbar über dem Bilanzansatz liegen. Zusammen mit einer Eigenkapitalquote von zuletzt mehr als 56 Prozent verfügt B+S damit über eine außergewöhnlich robuste Bilanz.
Die starke Liquiditätsentwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines seit Jahren hohen Cashflows. Allein in den beiden vergangenen Geschäftsjahren erwirtschaftete das Unternehmen einen Free Cashflow von 2,4 Mio. bzw. 3,3 Mio. Euro. Angesichts einer Börsenbewertung von lediglich rund 12 Mio. Euro ist das bemerkenswert und erklärt, warum sich die Finanzmittel kontinuierlich erhöhen.
Damit rückt zwangsläufig die Kapitalallokation in den Fokus. Für das operative Geschäft dürfte ein derart hoher Kassenbestand auf Dauer kaum erforderlich sein. Zwar investiert B+S kontinuierlich in die Weiterentwicklung der Software und den Ausbau des Hosting-Geschäfts, bislang konnten diese Ausgaben aber problemlos aus dem laufenden Cashflow finanziert werden. Denkbar wären deshalb Akquisitionen. Der Markt für Bankensoftware ist seit Jahren von Konsolidierung geprägt, sodass sich für finanziell gut ausgestattete Anbieter immer wieder Übernahmegelegenheiten ergeben können.
Ebenso denkbar wäre es, die Aktionäre in Form einer Dividende oder von Aktienrückkäufen stärker zu berücksichtigen. Die rechtliche Grundlage für Letzteres ist bereits vorhanden, nachdem die Hauptversammlung die Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien erneut beschlossen hat. Konkrete Pläne gibt es zwar bislang nicht, doch mit jedem weiteren Jahr steigender Liquidität dürfte die Erwartungshaltung der Investoren wachsen.
Für die Aktie könnte genau hierin ein bislang unterschätzter Kurstreiber liegen. Während die operative Entwicklung mit zuletzt 11 Prozent Umsatzwachstum und einem um 48 Prozent gestiegenen EBIT ohnehin überzeugt, eröffnet die immer stärkere Bilanz zusätzliche strategische Optionen. Früher oder später dürfte sich deshalb die Frage nicht mehr stellen, ob B+S das Kapital einsetzen wird - sondern wofür.
(aktien-global.de, erstellt 27.07.26, 08:23 Uhr, veröffentlicht 27.07.26, 08:35 Uhr, bitte beachten Sie unseren Disclaimer zu potenziellen Interessenkonflikten: https://www.aktien-global.de/impressum/)
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