MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Triebwerksbauer MTU profitiert weiter von der starken Nachfrage nach Flugzeugen und der Wartung der Turbinen. Im zweiten Quartal legten Umsatz und Gewinn im Tagesgeschäft überraschend stark zu. Vorstandschef Johannes Bussmann und Finanzchefin Katja Garcia Vila sehen den Dax-Konzern daher auf gutem Weg zu seinen Jahreszielen. Der freie Barmittelzufluss soll sogar etwas höher ausfallen als bisher gedacht. An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an.
Die MTU-Aktie legte am Donnerstagvormittag um 0,9 Prozent auf 359,30 Euro zu. Das Rekordhoch von gut 400 Euro vom Februar ist noch ein Stück entfernt, nachdem der Iran-Krieg und der dadurch verursachte steile Anstieg der Kerosinpreise Aktien aus der Luftfahrtbranche kräftig nach unten geschickt hatte.
"Trotz der hochvolatilen Situation im Nahen Osten haben wir im ersten Halbjahr starke Ergebnisse erzielt", sagte Bussmann. "Der Nahost-Konflikt hatte keine Auswirkungen auf unsere Geschäftszahlen." Vielmehr sei die Nachfrage nach neuen Triebwerken und der Wartung von Turbinen weiterhin hoch. Es gebe "keinerlei strukturelle Änderungen oder Stornierungen von Aufträgen".
Am Vorabend hatte bereits der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus seine Geschäftszahlen vorgelegt. MTU baut zusammen mit dem größeren US-Triebwerkshersteller Pratt & Whitney sowie Japanese Aero Engines den sogenannten Getriebefan-Antrieb, der den kleinsten Airbus-Passagierjet A220 und etwa jedes zweite Exemplar der Modellfamilie A320neo antreibt, der meistgefragten Flugzeugreihe der Welt. Auch an Antrieben für Großraumjets des US-Herstellers Boeing ist MTU beteiligt.
Wegen der großen Nachfrage baut Airbus die Jet-Produktion weiter aus und will in diesem Jahr insgesamt rund 870 Verkehrsflugzeuge ausliefern. Dass es nicht deutlich mehr werden, liegt laut Airbus-Chef Guillaume Faury vor allem an der RTX-Tochter Pratt & Whitney. Der Hersteller muss seit dem Jahr 2023 tausende bereits ausgelieferte Triebwerke reparieren, in denen er ein mangelhaftes Pulvermetall verarbeitet hat. Die Produktion der Ersatzteile verstopft Kapazitäten für den Bau neuer Turbinen.
Dieser Triebwerksrückruf dürfte wie geplant Ende 2026 abgearbeitet sein, sagte MTU-Chef Bussmann am Morgen. Möglicherweise werde das eine oder andere überholte Triebwerk aber erst Anfang 2027 fertig. MTU liefert wichtige Teile des Antriebs und betreibt in München eine eigene Endmontagelinie.
Im zweiten Quartal wuchs MTUs Umsatz im Jahresvergleich um knapp 17 Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) kletterte um vier Prozent auf 372 Millionen Euro. Damit übertraf der Konzern die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten.
Während die Triebwerkswartung und das Militärgeschäft deutlich mehr abwarfen als ein Jahr zuvor, gingen Erlös und operativer Gewinn im Geschäft mit neuen Triebwerken und Ersatzteilen für zivile Flugzeuge zurück. Dies lag dem Vorstand zufolge einerseits am veränderten Euro-Dollar-Wechselkurs. Andererseits habe MTU vor einem Jahr von einer hohen Nachfrage nach Ersatztriebwerken profitiert, erklärte Garcia Vila. Dies habe sich jetzt nicht wiederholt.
Anders als der bereinigte Gewinn ging der tatsächliche Überschuss des Konzerns um 14 Prozent auf 248 Millionen Euro zurück. Garcia Vila erklärte dies mit der Neubewertung von Rückstellungen für den laufenden Triebwerksrückruf. Das Triebwerksbündnis um Pratt & Whitney muss betroffene Fluggesellschaften für den Ausfall ihrer Maschinen entschädigen. Wegen der Rückstellungen hatte MTU 2023 den ersten Jahresverlust in der Unternehmensgeschichte verbucht.
Derweil sieht die MTU-Spitze den Triebwerksbauer damit auf Kurs zu seinen Jahreszielen für Umsatz und Gewinn. So soll der bereinigte Umsatz auf 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro wachsen. Der bereinigte operative Gewinn soll auf bis zu 1,45 Milliarden zulegen, könnte mit 1,35 Milliarden aber auch stagnieren.
Etwas optimistischer wurde der Vorstand mit Blick auf den freien Barmittelzufluss. Dieser soll nun 50 bis 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns erreichen. Bisher hatte sich der Vorstand 45 bis 55 Prozent vorgenommen.
Deutliche Zuwächse verbuchte MTU auch im Militärgeschäft, das von der Aufrüstung europäischer Staaten profitiert. Bei dem Münchner Hersteller betrifft dies vor allem die Antriebe für den Militärtransporter A400M, den Kampfjet Eurofighter und den Transporthubschrauber CH-53K von Sikorsky.
Nachdem die Pläne für ein neues europäisches Kampfflugzeug als gemeinsames Projekt der Hersteller Airbus und Dassault geplatzt sind, hofft die MTU-Spitze auf eine Einigung der Regierungen auf eine alternative Lösung./stw/mne/jha/




