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Für SpaceX und Elon Musk steht der bislang wichtigste Börsentermin an: Am Dienstag, dem 4. August 2026, legt der Raumfahrtkonzern nach US-Börsenschluss erstmals Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Um 22:30 Uhr will das Management die Ergebnisse in einem Webcast erläutern. Nach dem spektakulären Börsengang und dem anschließenden Kurseinbruch könnten die Zahlen darüber entscheiden, ob die SpaceX-Aktie endlich einen Boden findet - oder ihre Talfahrt fortsetzt.
Die Ausgangslage ist brisant. Nach einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar stieg die SpaceX-Aktie zunächst bis auf ein Intraday-Rekord von 225,64 US-Dollar. Am Montagabend notierte sie jedoch nur noch bei rund 110 US-Dollar. Damit liegt der Kurs etwa 19 Prozent unter dem IPO-Preis und mehr als 50 Prozent unter seinem bisherigen Höchststand. Trotz dieses Absturzes bleibt die Bewertung ambitioniert - entsprechend hoch ist der Druck auf Elon Musk, überzeugende Zahlen und vor allem einen glaubwürdigen Ausblick zu liefern.
Starlink muss die Milliardenmaschine bleiben
Im Zentrum des Quartalsberichts steht Starlink. Das Satelliteninternetgeschäft ist inzwischen der wichtigste Umsatz- und Ergebnistreiber des Konzerns und soll die enormen Investitionen in Starship, künstliche Intelligenz und weitere Zukunftsprojekte finanzieren. Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem Starlink-Umsatz von rund 3,82 Milliarden US-Dollar und einem operativen Gewinn von etwa 1,42 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal hatte der operative Gewinn des Segments noch bei 1,19 Milliarden US-Dollar gelegen.
Ende März verfügte Starlink bereits über 10,3 Millionen Kunden - ungefähr doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Umsatz je Kunde allerdings um fast 25 Prozent. Anleger werden deshalb genau darauf achten, ob SpaceX weiterhin stark wachsen kann, ohne durch günstigere Tarife, neue Märkte und hohe Ausbaukosten zunehmend auf die Profitabilität zu drücken.
Analysten erwarten Milliardenverlust
Für den Gesamtkonzern erwartet der Markt einen Quartalsumsatz von rund 6,93 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig dürfte SpaceX vor Zinsen und Steuern einen Verlust von etwa 1,55 Milliarden US-Dollar ausweisen. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Umsatzwachstum, sondern vor allem die Frage, wie viel Geld der Konzern für seine ehrgeizigen Projekte verbrennt.
Besonders aufmerksam beobachten Investoren die rasant steigenden Ausgaben für künstliche Intelligenz. Die gesamten Investitionen könnten im zweiten Quartal laut Analystenschätzungen auf rund 14,05 Milliarden US-Dollar steigen. Davon sollen allein etwa 10,2 Milliarden US-Dollar auf den KI-Bereich entfallen. Dem steht ein erwarteter KI-Umsatz von lediglich rund 2,33 Milliarden US-Dollar gegenüber.
Damit wird die zentrale Frage des Abends lauten: Kann Starlink tatsächlich genügend Gewinne erwirtschaften, um gleichzeitig die KI-Offensive und die weitere Entwicklung von Starship zu finanzieren? Kritiker bezweifeln, dass das Satellitengeschäft dauerhaft eine derart kapitalintensive Expansion schultern kann. Anleger dürften deshalb auf Aussagen zum Höhepunkt der Investitionen, zum künftigen freien Cashflow und zur Profitabilität des KI-Geschäfts achten.
Starship zwischen Durchbruch und Kostenfalle
Auch beim Raketen- und Startgeschäft muss SpaceX Fortschritte präsentieren. Analysten erwarten hier einen Quartalsumsatz von rund 871 Millionen US-Dollar, gleichzeitig aber einen operativen Verlust von etwa 773 Millionen US-Dollar. Die Entwicklung von Starship verschlingt weiterhin enorme Summen, gilt aber zugleich als Schlüssel für die nächste Generation der Starlink-Satelliten, künftige Mondmissionen und mögliche Rechenzentren im Weltraum.
Beim jüngsten Testflug gelang erstmals das Aussetzen der weiterentwickelten Starlink-V3-Satelliten. Die Super-Heavy-Erststufe verfehlte allerdings ihre geplante kontrollierte Wasserung. Jeder weitere technische Fortschritt könnte die Fantasie der Anleger neu entfachen - weitere Verzögerungen würden dagegen Zweifel an Musks Zeitplan und den langfristigen Renditeaussichten verstärken.
Droht nach den Zahlen die nächste Verkaufswelle?
Selbst gute Quartalszahlen könnten kurzfristig von einem weiteren Risikofaktor überschattet werden. Ab dem 6. August laufen erste Haltefristen aus dem Börsengang aus. Dadurch könnten bis zu rund 911,5 Millionen zusätzliche Aktien von Mitarbeitern, frühen Investoren und Insidern für den Handel freigegeben werden. Ein deutlich größeres Aktienangebot könnte den Kurs weiter unter Druck setzen.
Hinzu kommen Spekulationen über eine mögliche engere Verbindung oder sogar einen Zusammenschluss von Tesla und SpaceX. Elon Musk hat entsprechende Medienberichte teilweise zurückgewiesen, die grundsätzliche Möglichkeit einer stärkeren Verzahnung der Unternehmen jedoch nicht vollständig aus der Welt geschafft. Auch hierzu könnten Investoren im Webcast neue Hinweise erwarten.
Das müssen Anleger bei den SpaceX-Zahlen beachten
Für die erste Bilanzvorlage nach dem IPO stehen damit fünf Punkte im Mittelpunkt: das Wachstum und die Marge von Starlink, die Höhe der KI-Investitionen, die Entwicklung des freien Cashflows, der Fortschritt bei Starship und der Ausblick für das Gesamtjahr. Entscheidend dürfte weniger sein, ob SpaceX einzelne Analystenschätzungen knapp übertrifft oder verfehlt. Viel wichtiger ist, ob Elon Musk erklären kann, wann aus seinen gigantischen Zukunftsinvestitionen ein tragfähiges und profitables Geschäftsmodell entstehen soll.
Die Zahlen könnten zugleich neue Impulse für den gesamten Raumfahrtsektor liefern. Unternehmen wie Rocket Lab, AST SpaceMobile, Intuitive Machines, Planet Labs und BlackSky profitieren zwar von unterschiedlichen Wachstumstreibern, werden an der Börse aber häufig gemeinsam mit SpaceX als Teil der Space Economy wahrgenommen. Eine starke SpaceX-Prognose könnte daher das Interesse am gesamten Sektor neu entfachen. Enttäuschende Zahlen könnten dagegen auch bei anderen hoch bewerteten Raumfahrtaktien für Druck sorgen.
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