FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank-Aktien sind nach einem Bloomberg-Bericht über regulatorische Fortschritte der Unicredit bei ihrem Übernahmeversuch auf den höchsten Stand seit 2010 geklettert. Der Kurs der Commerzbank-Anteile legte am Dienstag zum Xetra-Handelsende um 2,3 Prozent auf 39,65 Euro zu. Damit bauten die Papiere ihr Jahresplus auf zehn Prozent aus.
Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Nachmittag berichtet, dass Unicredit mit einem Bafin-Bescheid eine wichtige regulatorische Hürde bei der geplanten Übernahme der Commerzbank genommen habe. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin habe den Antrag der italienischen Bank, ihre Beteiligung von mehr als 30 Prozent an der Commerzbank erhöhen zu dürfen, an die Europäische Zentralbank (EZB) weitergeleitet, hieß es in dem Bericht.
Bloomberg berief sich in dem Bericht auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, die wegen der Vertraulichkeit der Informationen nicht namentlich genannt werden wollen. Vertreter von Unicredit, Finanzaufsicht und Commerzbank hätten die Informationen nicht kommentieren wollen. Mit der Freigabe durch die Bafin beginne für die EZB die Frist von 60 Tagen für ihre Prüfung. Falls die Notenbank weitere Unterlagen benötige, könnte sich die Frist um 20 Tage verlängern.
Die Unicredit hatte sich im September 2024 überraschend an der Commerzbank beteiligt und den Anteil schrittweise auf zuletzt fast 50 Prozent ausgebaut. Die Commerzbank-Spitze hatte sich lange vehement gegen eine Übernahme durch die Italiener gewehrt, ist aber in dem zum Teil sehr persönlich und mit harten Bandagen geführten Übernahmekampf zuletzt auf Unicredit zugegangen.
Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte den Italienern Ende Juli Gespräche mit dem Management der zweitgrößten börsennotierten deutschen Bank angeboten. "Auch wenn wir es uns anders gewünscht hätten, die Mehrheitsverhältnisse auf der nächsten Hauptversammlung sind klar", stellte er vor eineinhalb Wochen in einem schriftlich verbreiteten Statement fest. "Jetzt geht es darum, in konstruktiven Gesprächen wichtige Eckpunkte für Mitarbeiter, Aktionäre und die Kunden der Bank festzulegen."
"Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Commerzbank haben mehrfach betont, dass sie dazu bereit sind", sagte Weidmann. "Alle sollten sich jetzt wie Erwachsene verhalten." Diese Gespräche seien auch im Interesse von Unicredit. Dabei werde es "keine Abkürzung über Berlin geben", sagte er mit Blick auf die Bundesrepublik als Großaktionär.
Seit dem Einstieg von Unicredit im September 2024 hat sich der Börsenwert der Commerzbank mehr als verdreifacht und beläuft sich nach der Rally auf knapp 43 Milliarden Euro. Die Unicredit-Aktie legte in diesem Zeitraum ebenfalls kräftig zu. Der Kurs der Anteile der italienischen Großbank zog seit dem Spätsommer 2024 um fast 140 Prozent an. Sie sind damit so teuer wie seit 2009 nicht mehr. Unicredit wird an der Börse derzeit mit knapp 130 Milliarden Euro bewertet und damit fast dreimal so hoch wie die Commerzbank./zb/he




