HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat im zweiten Quartal wie erwartet seine Profitabilität verbessern können. Der Konzern will zudem weiter sparen und weitet in Deutschland sein Altersteilzeitprogramm aus, um rund 1.300 Stellen abzubauen. Unternehmenschef Klaus Rosenfeld bestätigte am Mittwoch die Jahresprognose, hatte aber Ende Juli bereits die Investoren mit gesenkten Mittelfristzielen verschreckt wegen mauer Aussichten in der Elektroautozulieferung in den kommenden Jahren. Die im MDax notierte Aktie legte zu.
Das Papier notierte bei 7,64 Euro und damit gut ein Prozent im Plus. Seit dem Zwischenhoch Ende Mai hat der Kurs rund ein Drittel eingebüßt, auch seit Jahresbeginn stehen in etwa 10 Prozent weniger auf dem Kurstableau. Vor allem der gestutzte Mittelfristausblick auf 2028 hatte zuletzt die Anleger trüber in die Zukunft blicken lassen.
Das zweite Quartal sei den Erwartungen entsprechend ausgefallen, bemerkte Analystin Vanessa Jeffriess von der US-Investmentbank Jefferies. Das Management hatte bereits Mitte Juli in einer Informationsrunde mit Analysten angedeutet, wie es im Tagesgeschäft gelaufen war.
Während der Umsatz leicht auf 5,9 Milliarden Euro zurückging, stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um mehr als ein Viertel auf 264 Millionen Euro, wie die Herzogenauracher mitteilten. Die entsprechende operative Marge stieg damit um einen Prozentpunkt auf 4,5 Prozent.
Eine deutliche Verbesserung in der Sparte mit Wälz- und Kugellagern, ein weiter stark laufendes Ersatzteilgeschäft sowie weniger Verlust in der Elektroautozulieferung trugen dazu bei. Unter dem Strich erzielte Schaeffler einen Gewinn von 34 Millionen Euro nach 40 Millionen Verlust ein Jahr zuvor.
In Deutschland will Schaeffler nun weiter Kosten senken und Stellen streichen. So hat der Vorstand eine Ausweitung des Angebots zur Altersteilzeit beschlossen. Grund sei einerseits eine hohe Nachfrage nach solchen Verträgen. Zudem wolle man damit die Kosten an deutschen Standorten weiter senken und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, hieß es.
Schaeffler erwartet, dass rund ein Fünftel der betroffenen Beschäftigten aus den Jahrgängen bis einschließlich 1971 das Angebot in Anspruch nehmen. Das wären rund 1.300 Mitarbeitende aus Produktion und Verwaltung. Damit sei ein Aufwand von rund 51 Millionen Euro verbunden, der in diesem Jahr als Sondereffekt erfasst werde, hieß es. Erste Einspareffekte würden ab dem Jahr 2027 wirksam. Details nannte Schaeffler dazu zunächst nicht.
Im November 2024 hatte Schaeffler bereits den Abbau von 4.700 Stellen in Europa bekanntgegeben, mit den neuen Maßnahmen wird dieses Programm aufgestockt.
Weil die Auftragslage bei Elektroautozulieferteilen weniger rosig aussieht als ursprünglich erwartet, hatte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld Ende Juli die Mittelfristplanungen für 2028 zusammengestrichen und damit die Investoren schockiert. So wird in dem Bereich, den Schaeffler zuletzt mit dem Zukauf des Antriebsspezialisten Vitesco deutlich ausgebaut hat, bis 2028 wohl auch nicht die operative Gewinnschwelle erreicht wie zunächst geplant./men/err/mis



