FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Commerzbank hat im zweiten Quartal fast doppelt so viel verdient wie ein Jahr zuvor und sucht auf dieser Basis nun das Gespräch mit ihrer Großaktionärin Unicredit . Der Überschuss im Zeitraum April bis Juni legte auf 898 Millionen Euro zu, wie der Dax-Konzern in Frankfurt mitteilte. Das war noch mehr als von Analysten erwartet. Ein Jahr zuvor hatten Kosten für den Abbau Tausender Jobs den Gewinn auf 462 Millionen gedrückt. Nach einem Rekordergebnis im ersten Halbjahr sieht sich die Commerzbank nun "voll auf Kurs, ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen".
Die Bank will weitere bis zu 1,2 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien stecken. Mit Aktienrückkäufen und höheren Gewinnen wollte der Vorstand um Bettina Orlopp die Aktionäre bei der Stange halten und so die Unabhängigkeit der zweitgrößten börsennotierten Bank Deutschlands sichern. Doch die italienische Großbank Unicredit hat knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg bei der Commerzbank inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel erwartet nach jüngsten Aussagen eine baldige Kontrollübernahme bei dem Frankfurter Institut.
"Auch wenn die Unicredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden", bekräftigte Orlopp. "Das ist ein klarer Gestaltungsauftrag für beide Seiten. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder."
Der Bund, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die Unicredit wurde, hat mit seinen verbliebenen gut zwölf Prozent Anteil ein Wort mitzureden. Die Beteiligung ist eine Folge der Finanzkrise 2008/2009 als der Staat das Institut mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrte./ben/stw/jha/




