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Bei BioNTech krempelt man gerade wieder ordentlich die Ärmel hoch und lässt auch keinen Stein auf dem anderen. Das Impfstoffgeschäft schwächelt zwar spürbar, doch dahinter formiert sich eine der spannendsten Onkologie-Pipelines der Branche. Mit einem Cashpolster von mehr als 16 Milliarden Euro im Rücken kann sich der Mainzer Konzern die nötige Zeit nehmen, um seine Krebs-Kandidaten zur Marktreife zu bringen. Ein neuer Vorstandschef steht bereits in den Startlöchern, während Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sich künftig einem neuen Projekt widmen wollen. Wir schauen uns an, was Anleger jetzt über Zahlen, Chart und Ausblick wissen sollten.
Umbau mit Substanz
Ja, die Quartalszahlen lesen sich auf den ersten Blick zäh bis weniger gut. Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf gut 105 Millionen Euro ein, unterm Strich stand ein Verlust von rund 820 Millionen Euro. Grund ist die deutlich schwächere weltweite Nachfrage nach Corona-Impfstoffen, auch hierzulande drücken noch volle Lager auf neue Bestellungen. Das Management reagiert konsequent und Standorte werden gestrafft, bis zu 1.860 Stellen könnten wegfallen. Doch genau hier irgendwo liegt auch die Chance, denn BioNTech sitzt auf einer "Kriegskasse" von über 16 Milliarden Euro und kann sich die Transformation in aller Ruhe leisten. Im dritten Quartal winkt zudem eine Meilensteinzahlung von 613 Millionen Euro aus der Kooperation mit Bristol Myers Squibb, gekoppelt an den vielversprechenden Krebs-Kandidaten Pumitamig. Die bisherigen Studiendaten dazu fallen recht positiv aus, die Wirksamkeit zeigt sich über verschiedene Tumorstufen hinweg stabil. Mit aktuell 14 laufenden Phase-3-Studien in der Onkologie hat sich BioNTech breit aufgestellt, um das wegbrechende Impfstoffgeschäft mittelfristig zu kompensieren. Auch der Führungswechsel zu Guido Oelkers, der vom Biopharma-Unternehmen Sobi nach Mainz wechselt, wird von vielen als interessanter Impuls für die neue Konzernphase gewertet. Ein kleiner Trost kommt zudem aus Brüssel. Die EU-Kommission hat den gemeinsam mit Pfizer entwickelten, an die XFG-Variante angepassten Corona-Impfstoff frisch zugelassen. Das bringt zumindest kurzfristig neuen Umsatz ins Spiel, auch wenn es am grundsätzlichen Nachfragerückgang im klassischen Impfgeschäft nichts ändert. Wichtiger für die langfristige Story bleibt ohnehin die Onkologie.

Charttechnik
Der Chart zeigt die Unsicherheit der vergangenen Wochen, bietet aber auch Ansatzpunkte für einen Einstieg an. Die Aktie notiert aktuell etwas unter ihrem 200erSMA, der bei 98,15 US-Dollar notiert, was als ein Zeichen für den noch laufenden Konsolidierungsprozess gesehen werden kann. Dennoch bedeutet das auch, dass der langfristige Trend noch abwärtsgerichtet ist. Der RSI pendelt bei etwa 46 und damit im neutralen Bereich, weder überkauft noch überverkauft. Historisch hat sich die Zone zwischen 80 und 90 US-Dollar immer wieder als solider Einstiegsbereich erwiesen. Wer die aktuelle Schwäche nutzen will, könnte gestaffelte Kauflimits unterhalb von 90 US-Dollar setzen und so von möglichen Rücksetzern profitieren.
Was tun?
Operativ steckt BioNTech mitten im Umbruch, doch die Kombination aus praller Kriegskasse und einer großen Onkologie-Pipeline gibt der Story fundamentalen Rückhalt. Charttechnisch bleibt der Trend zwar angeschlagen, doch die historisch bewährte Zone zwischen 80 und 90 USD lädt zum vorsichtigen, gestaffelten Einstieg ein. Gelingt der Turnaround und liefern die Studien wie erhofft, wäre auf Sicht ein Kursziel von 120 USD durchaus denkbar. Wer Geduld mitbringt und an die Pipeline glaubt, kann die aktuelle Schwächephase im Blick behalten.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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