FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Ölpreise und Anleiherenditen fahren Achterbahn, während Aktien neue Rekordhochs markieren. Michael Blumenroth erklärt, warum auch Gold zuletzt wieder deutlich zulegen konnte.
6. August 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). Der in diesem Jahr anscheinend Rekordtemperaturen jagende Sommer ist auch die Zeit der Volksfeste und Jahrmärkte. Wenngleich ich zum Beispiel sehr gerne fliege, sei es mit dem Heißluftballon oder Flugzeug, und bereits zig Flüge mit Turbulenzen hinter mir habe, bringen mich doch meist keine zehn Pferde dazu, mich dort auf die Achterbahn zu wagen. Muss man ja vielleicht auch in gesetzterem Alter nicht mehr unbedingt machen.
Ölpreise und Anleiherenditen auf der Achterbahn
Die Finanzmärkte scheinen sich hingegen in den vergangenen Wochen recht wohl damit zu fühlen, im Achterbahnmodus gefangen zu sein. Während die Brent-Ölpreise zuletzt von rund 70 US-Dollar/Barrel auf 102 US-Dollar/Barrel angestiegen waren, setzten sie im Laufe dieser Woche wieder unter die Marke von 80 US-Dollar/Barrel zurück. Grund hierfür waren Hoffnungen auf eine zeitnahe Öffnung der Straße von Hormus - nach deeskalierenden Signalen der beteiligten Parteien. Dies hatte wiederum zur Folge, dass die zuletzt wieder spürbar gestiegenen Inflationserwartungen wieder etwas eingehegt wurden. Und somit gaben auch die in der vergangenen Woche insbesondere im Nachgang der Notenbanksitzung in den USA deutlich angestiegenen Renditen langlaufender Staatsanleihen etwas nach.
Aktienmärkte mit Rekordhochs nach Julikorrektur
Spiegelbildliche Bewegungen auf der Achterbahn gab es an den Aktienmärkten. Hier hatte es im Juli eine spürbare Korrektur gegeben, die nun aufgrund der Hoffnungen auf eine nachhaltige Deeskalation im Nahen Osten und infolge einiger unerwartet guter Quartalsdaten vieler Unternehmen in den USA und in Europa mehr als wettgemacht wurde. Sowohl der DAX als auch die Mehrzahl der US-amerikanischen Leitindizes erzielten Rekordhochs. Ein Indiz für eine durchaus risikofreundliche Stimmung: eitel Sonnenschein, so wie beim Blick aus dem Fenster hier in Frankfurt.
Goldpreise profitieren von risikofreudiger Stimmung
Etwas kontraintuitiv - schließlich wird Gold ja oft als "sicherer Hafen" erworben - profitierten auch die Goldpreise von dieser risikoaffinen Gemengelage. Dies insbesondere aufgrund der etwas niedrigeren Renditen und des moderat schwächeren Kurses des US-Dollars. Da ich am Donnerstagmorgen die Ehre habe, wieder an der Frankfurter Börse mit Manuel Koch zu parlieren - der Link zum Podcast dürfte sich zeitnah auch auf dieser Website finden lassen - schreibe ich diese Zeilen ausnahmsweise bereits am Mittwochnachmittag.
Goldpreisentwicklung: von der Talsohle nach oben
Dies gibt mir aber auch die Gelegenheit, zu verkünden, dass die Goldpreise in dieser Woche aus der Talsohle nach oben geschwungen sind - sie sind zwar noch nicht so weit oben auf der Achterbahn angekommen wie die Aktienleitindizes, aber immerhin einen kleinen Hügel bergauf haben sie erklommen. Notierten die Goldpreise am Donnerstagmorgen vergangener Woche noch bei rund 4.045 US-Dollar je Unze, bewegten sie sich seitdem bis zum heutigen Mittwochmorgen relativ lustlos (die Hitze?) zwischen 4.020 und 4.120 US-Dollar, also innerhalb einer Handelsspanne von 100 US-Dollar. Der guten Stimmung an den Finanzmärkten wollten sich die Goldpreise anscheinend nicht entziehen. Beim Schreiben dieser Zeilen um 16.30 Uhr wurden 4.240 US-Dollar als bisheriges Tageshoch markiert - ein Anstieg um rund 3,9 Prozent vom Tagesschluss am Vortag.
Xetra-Gold-Preis legt deutlich zu
Der Xetra-Gold-Preis legte somit auch insbesondere heute ein ganzes Stück zu. Während der üblichen Handelszeiten sprang er von 113,50 Euro pro Gramm am vergangenen Mittwochnachmittag bzw. einem Wochentief von 112,15 Euro bis auf etwa 117,90 Euro in dieser Minute.
Ausblick: Arbeitsmarktbericht und Nahost-Lage im Fokus
Am Freitag dürften sich die Analysten und Marktbeobachter wieder intensiv mit dem US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juli befassen. Im Großen und Ganzen bleiben die Märkte aber im Bann der - zuletzt vermehrt positiv klingenden - Meldungen hinsichtlich einer potenziellen Deeskalation im Nahen Osten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich funktionierende Ventilatoren und hinreichend kalte Getränke.
Von Michael Blumenroth, 6. August 2026 Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)




