Osnabrück (ots) -
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor "unerträglichen" Zuständen bei der Gesundheitspflege Minderjähriger gewarnt, sollte Gesundheitsminister Carsten Linnemann nicht rasch eingreifen. "Es hat noch niemand so richtig verstanden, was da läuft. Schon etliche Stationen müssen schließen, weil die Häuser nicht genug Personal finden. In der Spezialpflege für Frühgeborene, Schwerstkranke und Intensivpatienten ist der Mangel schon himmelschreiend", sagte BVKJ-Bundessprecher Jakob Maske im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz, Montagsausgabe). "Ich fürchte, dass es da bald einen großen Knall gibt. Es wird nicht mehr lange dauern. Die einen gehen weg, die anderen kommen nicht nach, in den kommenden drei, vier Jahren wird es unerträglich."
Maske erinnerte an die Lage vor zwei Jahren, als es noch keine Impfungen gegen den RS-Virus gab: "Kinder mussten aus Berlin über hunderte Kilometer nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verlegt werden, weil die Kliniken voll waren oder Stationen wegen fehlender Fachkräfte gar nicht aufmachen konnten. Solche Situationen werden wiederkehren, die Politik läuft hier sehenden Auges in die Katastrophe."
Als wichtigsten Grund für die Personalnot nannte der BVKJ-Sprecher die Umstellung auf eine generalistische Pflegeausbildung vor sechseinhalb Jahren. "Wer Kinder und Jugendliche pflegen möchte, muss vorher zwei Jahre mit Erwachsenen arbeiten. Das schreckt sehr viele ab, für die der Fokus klar auf Kindern liegen soll. Sie werden dann Lehrer oder Erzieher", erläuterte Maske. "16-Jährige, 18-Jährige gehen nicht in den Beruf, weil sie nicht mit Erwachsenen arbeiten wollen, das wissen wir aus Befragungen."
Der Kinderarzt und Verbandssprecher appellierte an den neuen Gesundheitsminister, die Pflegereform aus dem Jahr 2020 zurückzudrehen: "Würde sich Carsten Linnemann da rantrauen, wäre das ein unglaublich großes Verdienst!", sagte er noz. "Denn kehren wir zurück zu einer Kinder- und Jugendgesundheitspflege außerhalb der Generalistik, wäre der Zulauf groß, jede Wette. Dafür müssten natürlich auch wieder Ausbildungskapazitäten geschaffen werden. Mit der Einführung der Generalistik ist leider unglaublich viel kaputt-zerstört worden."
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Originalmeldung: https://www.presseportal.de/pm/58964/6329931
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat vor "unerträglichen" Zuständen bei der Gesundheitspflege Minderjähriger gewarnt, sollte Gesundheitsminister Carsten Linnemann nicht rasch eingreifen. "Es hat noch niemand so richtig verstanden, was da läuft. Schon etliche Stationen müssen schließen, weil die Häuser nicht genug Personal finden. In der Spezialpflege für Frühgeborene, Schwerstkranke und Intensivpatienten ist der Mangel schon himmelschreiend", sagte BVKJ-Bundessprecher Jakob Maske im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz, Montagsausgabe). "Ich fürchte, dass es da bald einen großen Knall gibt. Es wird nicht mehr lange dauern. Die einen gehen weg, die anderen kommen nicht nach, in den kommenden drei, vier Jahren wird es unerträglich."
Maske erinnerte an die Lage vor zwei Jahren, als es noch keine Impfungen gegen den RS-Virus gab: "Kinder mussten aus Berlin über hunderte Kilometer nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verlegt werden, weil die Kliniken voll waren oder Stationen wegen fehlender Fachkräfte gar nicht aufmachen konnten. Solche Situationen werden wiederkehren, die Politik läuft hier sehenden Auges in die Katastrophe."
Als wichtigsten Grund für die Personalnot nannte der BVKJ-Sprecher die Umstellung auf eine generalistische Pflegeausbildung vor sechseinhalb Jahren. "Wer Kinder und Jugendliche pflegen möchte, muss vorher zwei Jahre mit Erwachsenen arbeiten. Das schreckt sehr viele ab, für die der Fokus klar auf Kindern liegen soll. Sie werden dann Lehrer oder Erzieher", erläuterte Maske. "16-Jährige, 18-Jährige gehen nicht in den Beruf, weil sie nicht mit Erwachsenen arbeiten wollen, das wissen wir aus Befragungen."
Der Kinderarzt und Verbandssprecher appellierte an den neuen Gesundheitsminister, die Pflegereform aus dem Jahr 2020 zurückzudrehen: "Würde sich Carsten Linnemann da rantrauen, wäre das ein unglaublich großes Verdienst!", sagte er noz. "Denn kehren wir zurück zu einer Kinder- und Jugendgesundheitspflege außerhalb der Generalistik, wäre der Zulauf groß, jede Wette. Dafür müssten natürlich auch wieder Ausbildungskapazitäten geschaffen werden. Mit der Einführung der Generalistik ist leider unglaublich viel kaputt-zerstört worden."
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