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TKMS hat nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 erneut ein überzeugendes Zahlenwerk vorgelegt.
Der Umsatz wächst deutlich, das bereinigte EBIT steigt und vor allem der Blick auf die kommenden Quartale macht die Aktie interessant. Denn während der Auftragseingang wegen eines außergewöhnlich starken Vorjahres deutlich niedriger ausfällt, bleibt der Auftragsbestand mit 20,1 Milliarden Euro auf einem sehr hohen Niveau.
Gleichzeitig hat TKMS die Jahresprognose erneut angehoben. Und auch auf der Auftragsseite gibt es inzwischen einige Entwicklungen, die in den Neunmonatszahlen noch gar nicht enthalten sind.
Umsatz und Ergebnis legen weiter zu
In den ersten neun Monaten steigerte TKMS den Umsatz um 19 Prozent auf rund 1,89 Milliarden Euro. Das Bruttoergebnis erhöhte sich um 22 Prozent auf 335 Millionen Euro. Beim bereinigten EBIT ging es um 13 Prozent auf 110 Millionen Euro nach oben. Damit lag das operative Ergebnis sogar über der durchschnittlichen Analystenerwartung von 101 Millionen Euro.
Besonders interessant ist die Entwicklung im U-Boot-Geschäft. Hier verbessert sich die Profitabilität spürbar. Der Hochlauf neuer Projekte wirkt sich zunehmend positiv aus, während gleichzeitig die Belastungen aus älteren und weniger profitablen Legacy-Projekten zurückgehen. Bereits im ersten Halbjahr hatte TKMS im U-Boot-Segment einen deutlichen Anstieg des bereinigten EBIT von 2 auf 21 Millionen Euro gemeldet.
Genau dieser Übergang ist für mich einer der wichtigsten Punkte der aktuellen TKMS-Story: Das Unternehmen arbeitet sich schrittweise aus den alten Projekten heraus und bringt gleichzeitig neue, attraktivere Programme in die Fertigung. Wenn dieser Effekt anhält, sollte sich das zunehmend in den Margen bemerkbar machen.
Der Auftragsbestand bleibt das große Plus
Noch wichtiger als die aktuellen Ergebniszahlen ist der Blick auf den Auftragsbestand. Ende Juni lag dieser bei 20,1 Milliarden Euro. Damit liegt TKMS weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau, auch wenn der Wert gegenüber dem Rekordstand von 20,6 Milliarden Euro Ende März leicht zurückgegangen ist.
Gegenüber Ende September 2025 hat sich der Auftragsbestand damit dennoch deutlich erhöht. Damals waren es 18,2 Milliarden Euro.
Der Auftragseingang lag in den ersten neun Monaten dagegen mit rund 3,6 Milliarden Euro deutlich unter dem Vorjahreswert von 8,6 Milliarden Euro. Auf den ersten Blick sieht das schwach aus. Der Vergleich hinkt allerdings etwas, denn das Vorjahr war durch außergewöhnlich große Einzelaufträge geprägt.
Bereits im ersten Halbjahr hatte TKMS unter anderem zwei zusätzliche 212CD-U-Boote für Norwegen sowie einen großen Torpedoauftrag verbucht. Der Auftragseingang lag deshalb schon nach sechs Monaten bei 3,4 Milliarden Euro.
Für die Bewertung der Aktie ist deshalb der Auftragsbestand derzeit wesentlich aussagekräftiger als der reine Jahresvergleich beim Auftragseingang.
Neue Großaufträge sorgen für zusätzlichen Rückenwind
Und genau hier wird es spannend. Einige wichtige Entwicklungen, die nach dem Ende des dritten Quartals bekannt wurden, sind in den Neunmonatszahlen noch nicht beziehungsweise noch nicht vollständig im Auftragseingang enthalten.
Deutschland: Vier MEKO A-200 Fregatten
Im Juli hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Beschaffung von vier MEKO A-200 DEU Fregatten für die Deutsche Marine gebilligt. Gleichzeitig wurde eine Option auf weitere Schiffe vorgesehen.
TKMS bezeichnet das Projekt als den größten Überwasser-Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Die Entscheidung schafft den Weg für die formale Vertragsunterzeichnung; die erste Fregatte soll bereits 2029 ausgeliefert werden.
Für TKMS ist das gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen sorgt der Auftrag für zusätzliche Visibilität im Überwassergeschäft. Zum anderen dürfte der geplante Ausbau der europäischen Marinekapazitäten in den kommenden Jahren für weitere Nachfrage sorgen.
Kanada: Ein potenzieller Gamechanger
Noch größer ist das Potenzial des kanadischen U-Boot-Programms.
Kanada hat Team 212CD Anfang Juli als bevorzugten Lieferanten für das Canadian Patrol Submarine Project ausgewählt. Im Raum stehen bis zu zwölf U-Boote des Typs 212CD. Der endgültige Vertrag ist allerdings noch nicht abgeschlossen.
Für TKMS wäre das dennoch ein außergewöhnlicher Erfolg. Das Unternehmen selbst geht davon aus, dass die potenzielle Ausweitung des 212CD-Programms den aktuellen Auftragsbestand um mehr als 50 Prozent stützen könnte. Das erste kanadische Boot soll bis 2033 ausgeliefert werden.
Damit könnte Kanada langfristig zu einem der wichtigsten zusätzlichen Wachstumstreiber für TKMS werden. Gleichzeitig würde ein solcher Auftrag die internationale Bedeutung des 212CD-Programms weiter erhöhen.
Wichtig ist aber: Noch handelt es sich um eine Preferred-Supplier-Auswahl und nicht um einen final unterschriebenen Großauftrag. Das sollte bei jeder Bewertung berücksichtigt werden.
Indien bleibt eine weitere Option
Auch in Indien ist TKMS weiterhin aktiv. Gemeinsam mit Mazagon Dock Shipbuilders arbeitet das Unternehmen am indischen Project 75(I), bei dem es um sechs moderne U-Boote geht. Das Programm beinhaltet darüber hinaus Optionen für weitere Einheiten. Indien gehört damit zu den weiteren großen internationalen Kampagnen, die langfristig zusätzliches Potenzial für TKMS bieten. Der entscheidende Punkt ist allerdings, dass diese Projekte noch nicht mit bereits verbuchten Aufträgen gleichgesetzt werden dürfen. Für Anleger bedeutet das: Ein Teil der TKMS-Fantasie steckt bereits im Auftragsbestand, ein weiterer Teil liegt in der umfangreichen Pipeline.
Atlas Electronics entwickelt sich ebenfalls stark
Neben dem klassischen Plattformgeschäft liefert auch Atlas Electronics einen wichtigen Wachstumsbeitrag. Der Umsatz stieg in den ersten neun Monaten um 28 Prozent auf 612 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT erhöhte sich um 31 Prozent auf 59 Millionen Euro. Besonders stark entwickelte sich der Auftragseingang: Mit rund 1,95 Milliarden Euro lag er mehr als achtmal so hoch wie im Vorjahreszeitraum.
Ein wesentlicher Treiber war ein Rahmenvertrag mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr über Schwergewichtstorpedos und entsprechendes Equipment für die 212CD-U-Boote.
Das ist für TKMS strategisch interessant, weil damit nicht nur die großen Plattformen selbst wachsen. Auch Sensorik, Sonar, Elektronik und Waffensysteme gewinnen an Bedeutung.
Die Marge bleibt der nächste Hebel
Ganz ohne Baustellen ist das Zahlenwerk allerdings nicht.Die bereinigte EBIT-Marge lag nach neun Monaten bei rund 5,8 Prozent und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 6,1 Prozent. Hier wirken unter anderem die zusätzlichen Kosten der Verselbstständigung und der Aufbau eigener Governance-, Reporting- und Compliance-Strukturen. Bereits im ersten Halbjahr hatte TKMS einen deutlichen Anstieg der Verwaltungskosten im Zusammenhang mit der Abspaltung von thyssenkrupp ausgewiesen.
Für mich ist das weniger ein strukturelles Problem als vielmehr ein Punkt, den Anleger im Auge behalten sollten. Wenn die neuen Projekte stärker zum Umsatz beitragen und gleichzeitig die mit der Abspaltung verbundenen Zusatzkosten nachlassen, besteht durchaus Spielraum für eine weitere Margenverbesserung. Das Unternehmen selbst strebt mittelfristig eine bereinigte EBIT-Marge von mehr als 7 Prozent an.
Der schwache Cashflow braucht Erklärung
Auch der Free Cashflow fällt auf den ersten Blick enttäuschend aus. Nach neun Monaten lag er bei rund minus 204 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein sehr hoher positiver Wert erzielt worden war.
Der Vergleich ist allerdings stark verzerrt. TKMS hatte im Vorjahr außergewöhnlich hohe Kundenvorauszahlungen erhalten, unter anderem im Zusammenhang mit dem großen 212CD-Programm. Bereits im ersten Halbjahr hatte das Unternehmen deshalb darauf hingewiesen, dass der niedrigere Cashflow vor allem mit geplanten Mittelabflüssen aus der Projektabwicklung und dem außergewöhnlich hohen Vorjahresvergleich zusammenhängt. Der negative Cashflow sollte deshalb nicht ignoriert werden. Er ist bei einem projektgetriebenen Geschäftsmodell aber anders zu bewerten als bei einem klassischen Industrieunternehmen mit gleichmäßigem Cashflow.
Prognose erneut angehoben
Der vielleicht wichtigste Punkt für die Aktie ist die erneute Anhebung der Jahresprognose.TKMS erwartet für das Geschäftsjahr 2025/26 nun ein Umsatzwachstum von 10 bis 12 Prozent. Zuvor hatte die Prognose lediglich bei 2 bis 5 Prozent gelegen.Auch beim Ergebnis wird TKMS konkreter: Die bereinigte EBIT-Marge soll nun bis zu 6,5 Prozent erreichen. Reuters zufolge liegt damit auch die neue Prognose über der bisherigen Erwartung des Marktes.Das Management begründet den optimistischeren Ausblick unter anderem mit der steigenden Nachfrage nach Fregatten, Sonarsystemen und Minenabwehrtechnologien. Gleichzeitig profitiert TKMS von den weltweit steigenden Verteidigungsbudgets.
Mein Fazit
Für mich zeigt TKMS nach neun Monaten vor allem eines: Das operative Wachstum gewinnt an Dynamik - und die eigentliche Fantasie liegt weiterhin vor dem Unternehmen.
Der Umsatz steigt deutlich, das bereinigte EBIT verbessert sich und der Auftragsbestand liegt mit 20,1 Milliarden Euro weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Gleichzeitig hat TKMS die Jahresprognose deutlich angehoben. Besonders interessant ist die Kombination aus einem bereits sehr hohen Auftragsbestand und einer Pipeline weiterer Großprojekte. Der deutsche MEKO-A-200-Auftrag steht vor der formalen Unterzeichnung, während Kanada TKMS als bevorzugten Lieferanten für potenziell bis zu zwölf 212CD-U-Boote ausgewählt hat. Hinzu kommen weitere internationale Programme wie Indien.
Natürlich bleiben Risiken. Die Marge ist noch nicht dort, wo sie mittelfristig hin soll, der Cashflow schwankt projektbedingt stark und einige der größten Zukunftschancen sind noch keine endgültig unterschriebenen Aufträge. Trotzdem gefällt mir das Gesamtbild. TKMS hat bereits einen sehr hohen Auftragsbestand, verbessert die Profitabilität im wichtigen U-Boot-Geschäft und erhält gleichzeitig immer mehr Rückenwind von der europäischen und internationalen Aufrüstung.
Wenn das Unternehmen die neuen Projekte wie geplant hochfahren kann und weitere Großaufträge aus der Pipeline hinzukommen, könnte TKMS vor einer mehrjährigen Wachstumsphase stehen.
Für mich bleibt die Aktie damit einer der interessanteren europäischen Werte im maritimen Verteidigungssektor. Die Story ist nach den Neunmonatszahlen jedenfalls keineswegs zu Ende - sie nimmt gerade erst richtig Fahrt auf.
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Technische Lage:

Die TKMS-Aktie macht heute einen gewaltigen Sprung und legt aktuell über 14 Prozent zu. Dabei nimmt sie die Widerstandszone um 90 Euro eindeutig heraus und klopft oben an die 100-Euro-Marke an. Das ist auch das Verlaufsoch vom 7.7. Dieser Widerstand dürfte ein harter Brocken werden. Jetzt kommt es darauf an, wie der Markt die Zahlen aufnimmt und ob weitere Folgekäufe und Heraufstufungen die Aktie auf ein neues Allzeithoch treiben können.
Natürlich sind jederzeit zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen möglich. Das ändert aber nichts an den mittelfristig hervorragenden Aussichten für die TKMS-Aktie.
Enthaltene Werte: DE000TKMS001
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