August 2026 -
Benzin, Diesel und Heizöl werden immer teurer. Das lässt Inflationsängste aufkommen und schürt Konjunktursorgen. Aber es muss nicht so kommen. Und falls doch, spricht dies nicht gegen eine langfristig ausgerichtete Vermögensstrategie.
Der Blick auf die Preisanzeige an der Tankstelle verheißt nichts Gutes. Erdöl und die daraus gewonnenen Produkte sind wieder knapp. Das hat vielfältige Gründe. nicht zuletzt sorgt die On-Off-Kriegsführung der USA im Iran dafür, dass der Ölpreis nicht zur Ruhe kommt. Gleichzeitig führt die Drohnen-Strategie der Ukraine, die offensichtlich erfolgreich auf russische Raffinerien und Erdölinfrastruktur zielt, zu Benzin- und Dieselmangel beim Ölexportland. Zeitweise hat Russland die Ausfuhr von Kraftstoffen komplett eingestellt, und es scheint lange Schlangen an den Tankstellen zu geben. Die Sorgen wachsen bei uns in Europa und auch in Amerika. Denn sollte das schwarze Gold wirklich wieder langfristig deutlich teurer werden, könnte das die Inflation insgesamt anheizen und damit die Notenbanken zwingen, mit Zinssteigerungen gegenzusteuern, was erfahrungsgemäß weder die Konjunktur antreibt noch die Aktienmärkte besonders zu schätzen wissen. Aber ist die Preisspirale bei Erdöl wirklich so eindeutig?
Vielschichtiges BildTatsächlich ist es keine gute Nachricht, dass die Straße von Hormus wohl noch auf längere Zeit mehr oder weniger geschlossen bleiben wird. Immerhin wurden durch diese Engstelle bisher rund 20 Prozent des weltweiten Erdölverbrauchs geschleust. Gleichzeitig attackiert der Iran mit Drohnen als Reaktion auf US-Angriffe immer wieder Ölinfrastruktur in den ölexportierenden Nachbarstaaten wie Kuwait oder Saudi-Arabien. Schon die bisher dadurch verursachten Schäden dürften die Produktionskapazitäten in manchen Bereichen auf Jahre reduziert haben. Wie erfolgreich so eine Strategie sein kann. beweist die Ukraine gerade in Russland. Die Langstreckendrohnenangriffe auf Raffinerien und Co. machen die Kriegsfolgen durch Spritmangel für die breite Bevölkerung spürbar. Kurzfristig spricht wenig dafür, dass deutsche Autofahrer bald wieder günstig Sprit zapfen können, aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn gleichzeitig gibt es auch Faktoren, die den Preisanstieg in Grenzen halten könnten. Zum Beispiel haben die Ölförderstaaten der OPEC beschlossen, die Fördermenge im August erneut leicht anzuheben. Zudem sollte die schwächelnde Konjunktur in China für eine eher sinkende globale Nachfrage sorgen. Außerdem, auch wenn die Strategien von US-Präsident Trump oft kaum vorhersagbar sind, dürfte er sehr motiviert sein, den Krieg im Iran in absehbarer Zeit zu beenden. Denn bei den Midterm-Wahlen im November stehen seine Mehrheiten in Kongress und Senat auf dem Spiel. Der Konflikt im Nahen Osten löst selbst unter Trump-Anhängern wenig Begeisterung aus, und auch in den USA führt die Hormus-Blockade zu spürbaren Preisanstiegen. Der Druck auf die US-Regierung sollte folglich verhältnismäßig groß sein, doch noch eine schnelle Lösung herbeizuführen. Die Mehrheit der Analysten erwartet deswegen in Richtung Jahreswechsel und für 2027 eher einen Ölpreisrückgang im Vergleich zu heute. Doch ob das Fass Erdöl wirklich bald wieder weniger als 70 Dollar kostet oder eher die 100 Dollar Marke überspringt, kann niemand sicher vorhersagen. Was bedeutet das für deutsche Anleger?
Solide aufstellen, aber Chancen nutzen!Investmententscheidungen sollten nicht vom Blick auf Zapfsäulenpreisanzeigen abhängig sein. Die dürften wohl noch eine ganze Weile schwanken, auch wenn die Richtung nicht so eindeutig sein dürfte, wie viele im Moment glauben. Es gibt keine Garantie, dass eine weitere Eskalation etwa rund um den Iran nicht doch noch für einen erneuten Ölpreisschock mit Inflationsdruck und Zinsfolgen sorgt. Denn wer weiß zum Beispiel, was ein Trump nach dem 3. November tut, wenn er nichts mehr zu verlieren hat? Wenn einen die zurückliegenden Jahre etwas gelehrt haben, dann dass es gut ist, mit wirklich allem zu rechnen. Trotzdem war es keine erfolgreiche Taktik, Anlageentscheidungen immer weiter zu vertagen, nur um auf Zeiten ohne Unwägbarkeiten zu warten, denn die kamen einfach nicht. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich gerade in unsicheren Zeiten vor allem auf eines verlassen kann: die Anpassungsfähigkeit von gut aufgestellten Unternehmen. Denn natürlich leiden die unter Zollkapriolen, Inflationsdruck, Lieferkettenproblemen, Energiepreissteigerungen, Bürokratiewahnsinn und was in jüngster Zeit noch so alles zu verkraften war. Aber es ist auch immer wieder faszinierend zu beobachten, wie die wirtschaftlichen Kräfte die Herausforderungen annehmen, sich anpassen und es ihnen gelingt, unter den veränderten Bedingungen Wertschöpfungschancen zu nutzen. Eine solide Vermögenstrategie sollte immer auf verschiedene starke Säulen aufgebaut sein. Dabei ist es sinnvoll, so etwas wie eine Edelmetallreserve oder Zinsbausteine zu nutzen. aber eben auch die Wertschöpfungskraft anpassungsfähiger Unternehmen in Form von Aktien. Denn selbst wenn ein Ölpreisschock die Konjunktur bremsen und die Inflation anheizen sollte, sind sie eine Möglichkeit, weiter Zukunftschancen zu nutzen.
